Leseprobe

Der Bohlen-Weg von Dieter Bohlen LESEPROBE

Intro oder Warum die Welt noch ein Bohlen-Buch braucht

Kulturwächter, Jugendschützer und Medienbeauftragte haben wieder eine Daseinsberechtigung. Die Titanendämmerung!!! Er hat es wieder getan. Es gibt das neue BOHLENBUCH! Yes! Ich weiß, ihr habt darauf gewartet und reibt euch die Hände. Um das Händereiben noch effektiver zu gestalten, ein Feuer in euren Handflächen glühen und kleine gelbe Rauchwolken gen Himmel steigen zu lassen, habe ich das Buch selbst geschrieben. Alle mal aufgepasst: Jetzt gibt es etwas zum Staunen. Ja, er kann schreiben. Der Poptitan kann Worte aneinanderreihen.

Schon fühle ich den Neid der Kulturschaffenden, die eine stille Angst beschleicht. Was machen wir, wenn das schon wieder ein Erfolg wird? Aber was nützt einem der Erfolg, wenn ihn einem keiner neidet? Neid ist für mich eine der schönsten Formen der Anerkennung. Denn nichts, wirklich nichts, ist erfolgreicher als Erfolg! Basta.

Scheiß auf das warme Kulturkissen, das vollgepupst unter dem breiten Hintern liegt, wenn das eigene Buch nicht gelaufen ist, so nach dem Motto: Die drei, die es geschenkt bekommen haben, fanden es gut. Das interes­siert mich einen Scheiß. Ich will Erfolg! Ich weiß, dass das eine hochexplosive Aussage ist, aber für mich ist Er­folg das Maß aller Dinge. ERFOLG IST GEIL. Ende der Durch­sage.

Viele wollen Erfolg, die meisten wissen eben nur nicht, wie sie es anstellen sollen. Deshalb habe ich mir auch hier einen abgeschrieben. Ich meine: Ihr alle braucht mein Buch. Warum? Die einen, weil ihr Körper dann endlich mal wieder ein bisschen Adrenalin ausschüttet, die anderen, weil sie vom Erfolg träumen. Für mich gilt: Mal gewinne ich, mal ver­lieren die anderen. Am Ende war es bisher immer ich, der sich eins ins Fäustchen gelacht hat. Warum? Weil ich weiß, was ich mache, und weil ich ein verdammt erfolgreiches Kerlchen bin. Erfolg macht Spaß! Lasst euch nichts anderes einreden, denn wie sprach der Poptitan: Hast du Erfolg, hast du Geld, hast du Geld, hast du Autos, hast du Autos, hast du Frauen ...

Mehr als zwei Biografien kann kein Mensch schreiben, also auch kein Poptitan. Deshalb habe ich mich entschlossen, einen etwas anderen Ratgeber zu verfassen. Die Leute fragen mich andauernd, was sie wie, wo und wann machen sollen, können und dürfen, um Erfolg zu haben oder gewisse Ziele zu erreichen. Hier mein Vorschlag.

Das Leben ist kein Ponyhof, es ist eine Baustelle. Es geht um Leistung, und wer etwas anderes erzählt, der lügt. Auch wenn ich dieses Zitat meiner Oma jetzt zum fünfhundertachtundneunzigsten Mal wiederhole, es bewahrheitet sich

immer wieder: Der liebe Gott hat vor den Erfolg den Schweiß gesetzt.

Aber keine Angst, ein paar nette Geschichten gibt's trotz­dem. Und eins ist absolut sicher: Die Welt braucht dieses Buch wie der kleine Dieter seinen Piepmatz. Euer Dieter

Currywurst statt Kaviar oder Auf der Yacht und im Rolls-Royce wird mehr geheult als im Opel

Ja, meine Freunde, ich meine es ernst, nehmt euch die gro­ßen Sachen und lasst mir die kleinen, mir genügt das. Im Un­terschied zu vielen habe ich alles ausprobiert und weiß, was mich im Leben glücklich macht und was nicht. Und ich kann euch nur sagen, dass ihr glücklicher seid, als ihr ahnt. Die materiellen Dinge, von denen so viele Menschen träumen, sind eigentlich nur Hirngespinste. Glaubt mir, es ist wie das Ende vom Regenbogen. In Micky Maus habe ich früher gele­sen, dass am Ende vom Regenbogen ein Topf mit Gold steht. Aber wir wissen ja alle, dass es kein Ende vom Regenbogen gibt. Man läuft hin, und wenn man meint, am Ende ange­kommen zu sein, ist der Regenbogen schon wieder ein Stück weiter. Man kann rennen wie ein Bekloppter, aber man wird das Ende nie erreichen. Und das ist auch gut so, denn ich wa­ge mal zu behaupten, dass dort kein Topf mit Gold steht. Ihr wärt also total traurig, wenn ihr das Ende vom Regenbogen wirklich erreichen würdet.

Ich will euch einige Beispiele liefern. Das große Haus. Ja, es ist schön, in einem großen Haus zu leben. Aber eins vergessen die meisten. Kleines Haus, kleine Probleme, großes Haus, ganz, ganz große Probleme. Wisst ihr, wie viel Arbeit und Verantwortung, Laufereien und Ärger man mit einem großen Haus hat? Die Probleme potenzieren sich ja. Hast du eine Wohnung, hast du alles einigermaßen im Griff. Alles ist schön übersichtlich und macht mehr oder weniger den Eindruck eines Schneckenhauses, in das du dich zurückziehen kannst.

Wenn ihr euch die Tierwelt anschaut - und bei den Tieren klauen die Menschen ja meist ihre guten Ideen -, werdet ihr sehen, dass sich der kleine Krebs eine Muschel sucht, die genau zu seiner Größe passt. Warum? Er muss dann nicht mehr als nötig mit sich herumschleppen und ist glücklich damit. Wenn ein Feind kommt, reicht die Größe seiner Muschel, damit er nicht gefressen wird. Wenn er dann wächst, sucht er sich wieder eine Muschel, die genau eine Nummer größer ist. Er würde sich nie eine Muschel suchen, die größer ist, als er es braucht. Krebse existieren schon länger als Menschen, die müssten also genau wissen, wie man überlebt. Und Wölfe, ebenso wie Füchse und Bären, buddeln sich ihren Bau oder ihre Höhle ebenfalls in exakt der Größe, die sie brauchen.

Ich habe beides versucht. Ich habe in einer großen Villa gelebt und in einer kleinen Wohnung, und ich kann euch nur sagen, dass die kleine Wohnung glücklicher macht. Es ist einfach kuscheliger, und man hat schnell den Überblick, was wie und wo abgeht. Weiß ich denn, ob in meiner Villa in einem der dreihundertachtzig Zimmer nicht jemand mit einer Überraschung auf mich wartet? Das Leben in einer Riesenvilla hat viele unangenehme Nebeneffekte. Ihr seid zum Beispiel nie mehr allein, weil ihr Angestellte braucht. Wenn ihr morgens ein bisschen Spaß mit eurer Freundin haben wollt, könnt ihr gleich die Putzfrau und den Gärtner dazu einladen. Nackt herumzurennen könnt ihr auch total vergessen, ebenso wie laut zu pupsen. Die lieben Angestellten kriegen alles mit. Das stimmt natürlich nicht, sie kriegen mehr als alles mit.

Ihr habt ja bestimmt die Geschichte über Cora Schumacher gelesen, die Ärger mit ihrem Personal hatte. Sie fühlte sich laut Zeitungsberichten ausspioniert und beobachtet. Man muss tatsächlich höllisch aufpassen, dass man sich nicht vorkommt wie bei Big Brother. Wenn draußen der Müll von Fans und Paparazzi durchwühlt wird, ist das schlimm, aber wie schlimm muss es erst sein, wenn auch noch die Angestellten im Haus alles von oben bis unten durchwühlen? Allein, ohne Personal zu leben ist einfach tausendmal geiler und ungezwungener. Da kann die Freundin unbehelligt aufräumen, und der Pascha machen, was er will (ein Scherz, Leute!).

© Heyne Verlag