Die Songs "Männer", "Bochum" und "Mensch" machten ihn zu einem von Deutschlands größten Musikern. Am 18. März 2011 veröffentlichte Herbert Grönemeyer seine neue CD Schiffsverkehr in zwei Versionen. Hier gibt es die aktuelle CD von Herbert Grönemeyer und weitere seiner besten CDs und DVDs im Überblick.
Biographie von Herbert Grönemeyer
Noch kein anderes Album von Herbert Grönemeyer hat mit solch einem kraftstrotzenden Song begonnen wie "Schiffsverkehr". Ein Koloss von Song mit wuchtigen Beats, Gitarren im peitschenden Wellengang der Electro-Flut und einem stürmischen Songtext zwischen Aufbruchsstimmung und Euphorie, eine Klangodyssee mit breiter Brust und verführerischen Sirenengesängen. Eine furiose Ouvertüre zu einem weiteren Albumklassiker des westfälischen Welteneroberers. Mit dem angriffslustig fordernden "Kreuz meinen Weg" schaltet Herbert Grönemeyer noch einen Gang höher. Die gegen den Strich gebürsteten Strophen über die zehrende Suche nach einem Seelenverwandten, martialisch mit düster donnernden Beats instrumentiert, explodieren förmlich. Dann ist es Zeit für die große Show-Nummer des Albums. "Fernweh" ist vielleicht (Achtung! Kopf hoch!) die ausgelassenste Nummer seiner gesamten Karriere, so jovial wie einst Maurice Chevalier und so charmant wie Brit-Pop-Swing à la "Love Cats" und "Girls & Boys". Das Ganze abgeschmeckt mit einem Schuss Hans-Albers-Bärbeißigkeit und jenem Humor, der schon Klassiker wie "Männer" und "Mambo" auszeichnete. Man kann "Fernweh" schon jetzt mit gutem Gewissen zum großen Publikumshit apostrophieren. Die ersten drei Songs bilden somit eine Trilogie der Dynamik und Erstürmung, die dem Album zeitgemäße Verve verleiht.
Die andere große musikalische Domäne dieses Künstlers folgt auf dem Fuß. Gleich zwei der schönsten Balladen fahren das Tempo dramatisch herunter. "Unfassbarer Grund" ist eine wirklich unfassbar schöne Liebeserklärung an einen Mitmenschen und steht in einer Linie mit "Halt mich" und "Demo (Letzte Version)". "Deine Zeit" ist wiederum eine der bewegendsten Klavierballaden seit "Der Weg" aus dem Album "Mensch". Unschwer lässt sich in diesem eindringlichen Lied das Porträt der eigenen Mutter erkennen, die an der Alzheimer-Krankheit leidet. Es ist schwer, sich von diesem Lied nicht erschüttern zu lassen. Das Titelmotiv des Soundtracks "The American" hat Grönemeyer als Ausgangspunkt und Basis für "Erzähl mir von morgen" benutzt und daraus einen cineastisch wirkenden Song geschaffen, der den mysteriösen Spirit dieses stillen Thrillers aufgreift und auch auf den Protagonisten des Songs überträgt. Schuldbeladen fleht hier ein Mensch nach Liebe als rettendem Strohhalm vor der Hölle. Dass sich daran mit einem lauten Tosen direkt der Song über die Hölle auf Erden, das Anti-Kriegslied "Auf dem Feld" anschließt, gehört zu den vielen gelungenen dramaturgischen Wendungen auf "Schiffsverkehr".
"Auf dem Feld" ist ein Lied über jene Soldaten, die mitten im Afghanistan-Krieg stecken, ein bitterer Blick auf seelische Abgründe zwischen Verzweiflung und Verdrängung. Der Song bäumt sich zu einem bombastischen, rhythmisch komplexen Tango auf, zum Tanz auf dem Vulkan, respektive, wie es in dem Song heißt: "Tanz das goldene Kalb". Es folgen darauf noch vier weitere emotional und musikalisch höchst unterschiedlich konnotierte Songs. "Zu dir" ist eine geradezu klassische Gitarrenballade, vielleicht das für Herbert Grönemeyer, was "Junimond" für Rio Reiser war. Das klavierbetonte und leicht lakonische "Wäre ich einfach nur feige" wirkt wie ein verstecktes Plädoyer für Zivilcourage. Eine amüsante Selbstreflexion ohne jegliche Larmoyanz ist der Song auf jeden Fall. "Lass es uns nicht regnen", eine sanfte Ode auf eine verflossene aber tiefgründige Liebe, greift auf lockeren Motown-Soul zurück, auf wehmütige Gitarrenbrisen mit dem Flair der frühen Achtziger. Das witzigste Lied hat Grönemeyer sich für den Schluss aufgehoben. "So wie ich" dürfte nicht nur unter Grönemeyer-Fans zum großen Singalong-Spaß avancieren.
Was das gesamte Album auszeichnet, ist seine wundervolle innere Dramaturgie, die sich von der gewaltig stürmischen Single "Schiffsverkehr" über die sinnlich besinnlichen Momente bis zur augenzwinkernd selbstironischen Schlusspointe "So wie ich" spannt. Herbert Grönemeyer, dem die unbändige kreative Lust an diesem Album einfach anzumerken ist, hat hier eine wunderbare Balance gefunden zwischen Popkunst und Rockmusik, zwischen introspektiven Elegien und expressiven Energieschüben. Sprachmächtig und wohlpointiert fügen sich hier einmal mehr auf links gedrehte Aphorismen und fürs eigene Sprachkostüm zurechtgeschneiderte Redewendungen zu einem Kaleidoskop von Gedanken und Gefühlen. Ein fein ausgetüfteltes Mosaik, bei dem sich der kreative Druck, unter dem Herbert Grönemeyer seine Werke stets vollendet, ausgezahlt hat.
Seit seinem für den eigenen Stil wegweisenden Album "Bleibt alles anders" arbeitet Herbert Grönemeyer mit dem englischen Produzenten Alex Silva zusammen. Längst verbindet die beiden kreativen Köpfe eine innige Freundschaft, die geprägt ist von großer gegenseitiger Wertschätzung. Diesmal arbeitete das Gespann, wenige Wochen nach dem Ende der Aufnahmen zu "The American", zunächst im Mono Music Studio in Stockholm an den Demoversionen der Songs. Erst danach kam in den Hansa Ton und Hansaplatz Studios in Berlin seine seit Jahren bewährte Band ins Spiel. Die Songs wurden von Michael Ilbert und David Hefti zur finalen Abmischung in den Electric Lady Studios in New York vorbereitet, während das Gros der Orchesterpassagen unter der Leitung von Nick Ingman in den Londoner Abbey Road Studios entstand. Michael H Brauer (Coldplay, Bob Dylan, Rolling Stones) sorgte in New York schließlich für die endgültige Abmischung der Songs.
Eine der ganz großen Stärken des neuen Albums ist, dass die neuen Songs bei den anstehenden Stadionkonzerten optimal mit dem bestehenden Repertoire zusammenwirken werden, sich als Steilvorlagen für ebenso entfesselte wie besinnliche Momente geradezu aufdrängen. "Schiffsverkehr" ist ein weiteres Album, mit dem Herbert Grönemeyer seine Fans mit an Bord nimmt, um in Seelenbäder und Herzwogen einzutauchen und große Gefühle für die Dauer einer aufwühlenden Show zu teilen. Die Erinnerung an solche Konzertabende legt sich dann, um einen der neuen Songs zu zitieren, übers Herz und bleibt immer jung.
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