Interview mit James Patterson
Bevor Sie
anfingen, Krimis zu schreiben, haben Sie in einer PR-Agentur gearbeitet. Wie
wurde aus Ihnen ein Schriftsteller?
Ich habe schon vorher geschrieben, und es war
eigentlich eine Werbeagentur und keine PR-Agentur, für die ich gearbeitet hatte
- J. Walter Thompson in New
York. Einige Jahre lang habe ich beides gemacht -
schreiben und werben. Es waren schon Bücher von mir erschienen, und ich schrieb
an neuen Geschichten ganz früh morgens. Den Rest des Tages verbrachte ich dann
im Büro. Schließlich aber beschloss ich, mich von der Werbung abzuwenden und
das Schreiben zum Vollzeit-Job zu machen. Außerdem habe ich eine Familie
gegründet.
Lindsay Boxer, die
Heldin Ihre Buches "Der erste Mord", bildet zusammen mit ihren Freunden
ein ziemlich unkonventionelles Quartett. Sind Ihnen, seit Sie sich von ihrer
Figur Alex Cross verabschiedet haben, weibliche Heldinnen lieber als männliche Helden?
Ich mag Frauen schon lieber als
Männer. Die meisten meiner guten Freunde sind Frauen. Und da ich unter Frauen
aufgewachsen bin - mit Großmutter, Mutter, drei Schwestern und zwei Katzen -,
sind ihre Stimmen auch immer in meinem Kopf. Aber Sie wissen doch sicherlich,
dass ich mich ganz und gar nicht von Alex Cross verabschiede. Ich liebe diesen Charakter.
Tatsächlich kommt demnächst der 10. Band der Serie, London Bridges, heraus.
Ihre Storys
sind unglaublich spannend. Und es gibt immer wieder überraschende Wendungen.
Wie entsteht bei Ihnen ein Plot?
Ich habe da so ein Plot-Programm auf meinem Super-Computer
installiert. Das habe ich vom Verteidigungsministerium bekommen... Na ja, das
stimmt natürlich nicht. Ich benutze nicht einmal einen Computer. Denn ich
schreibe immer noch per Hand. Aber natürlich bin ich lange mit der Planung und
Entwicklung eines guten Plots beschäftigt. Man muss seinen Figuren zuhören,
ihnen dabei aber nicht einfach ziellos folgen. Man muss diszipliniert eine
Geschichte entwickeln, die dann auch wirklich aufgeht.
Die Atmosphäre in den
USA hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Wie würden Sie die neuen
Verhältnisse beschreiben? Wird ihre Arbeit davon beeinflusst?
Es gab doch überall große Veränderungen, oder? In
Bezug auf meine Arbeit habe ich eine große Hoffnung: Ich wünsche mir, dass die
Leute ein wenig mehr Zeit mit Lesen verbringen. Ich kann mich daran erinnern,
dass kurz nach dem 11. September viel darüber gesprochen wurde, dass die Leute
mehr Zeit zu Hause verbringen würden. Sie verzichteten auf tolle Reisen und auf
Luxusgüter. Sie gingen nicht mal mehr ins Kino und verbrachten ein wenig mehr
Zeit zu Hause, mit der Familie. Sie wollten lesen, sie wollten miteinander
reden und einfach zusammen sein. Dabei können Bücher eine sehr wichtige Rolle
spielen. Die Leute lassen sich fesseln von Büchern. Sie verbringen eine
interessante Zeit mit Büchern, die viel besser für solch einen Zeitvertreib
geeignet sind als jedes andere Medium. Bücher sind gut für den Kopf.
Wie sieht eigentlich ein
perfekter Tag für Sie aus?
Am besten sind diese Tage, an denen die Leute von der Pulitzer-Jury
anrufen. Und dann spiele ich Tom Clancy-Videospiele und dann... In Wirklichkeit
ist ein perfekter Tag ein ruhiger Tag, den ich mit meiner Familie verbringe.
Ein Tag, an dem ich morgens ein bisschen schreibe. An dem ich einen Spaziergang
mache und ein bisschen Golf danach spiele. Ein Tag, an dem ich ein gutes Lunch
habe. Und an dem ich mit meinem sechsjährigen Sohn spielen und mich mit meiner
Frau unterhalten kann. Und schließlich gehört dazu auch, dass ich ein wenig zum
Lesen komme. Das ist ein Tag mit Qualität für mich.