ich gelesen habe,
entstehen. Ich war zum Beispiel einmal in einem Laden, in dem man Spiele kaufen
konnte, und sah eine Zeichnung eines wolfsköpfigen Zauberers, der gerade ein
Skelett aus einem Sumpf zog (ich gebe zu, es war ein bisschen eklig). Egal, ich
fragte mich jedenfalls, welche Geschichte diesem Bild wohl zu Grunde liegen
könnte. Ich denke darüber ein paar Wochen nach und schließlich schreibe ich den
Roman, der die Geschichte zu diesem Bild erzählt. Nicht, dass ich dieses Bild
des wolfsköpfigen Zauberers einfach übernommen hätte, aber das war es eben, was
ich mich über die Geschichte hatte nachdenken lassen. "The
Eye of the Hunter"
[keine deutsche Ausgabe lieferbar, Anm. d. Red.] hieß der Roman. Mein
amerikanischer Verlag beauftragte einen Künstler, eine Illustration für das
Cover zu kreieren. Er hieß Keith Parkinson. Ich erzählte ihm von dem Bild, das
für mich am Anfang des Romans stand. Er lachte, denn das Bild, das ich damals
gesehen hatte, war von ihm!
Was die Recherchen angeht: Wenn ich die Idee zu einem Roman habe,
dann beginnen ich zu recherchieren. Als ich "Voyage
of the Fox Rider"
schrieb [keine deutsche Ausgabe lieferbar, Anm. d. Red.], las ich sehr viel
über Segelschiffe, Ozeanströmungen, Winde und solche Dinge, um das
"Elfenschiff" so präzise wie möglich beschreiben zu können. Sie sehen
also: In der Literatur - egal, ob Fantasy,
Sciencefiction oder Mystery - muss wirklich ALLES,
was einigermaßen "normal" ist, absolut genau beschrieben werden. Denn
es gibt immer einen Experten unter den Lesern, der, wenn etwas nicht stimmt,
sagt: "Dieser Autor weiß nicht, wovon er spricht." Und das verdirbt
ihm jede Freude an der Geschichte.
Ihre Karriere als
Schriftsteller begann vor etwa 30 Jahren, nach einem Unfall, der Sie für einige
Zeit zu bewegungslosem Liegen zwang. Haben Sie auch vor dem Unfall schon
geschrieben?
Zusätzlich zu vielen ingenieurwissenschaftlichen Texten, die ich
im Rahmen meiner Forschungs- und Entwicklungsarbeit bei den AT&T Bell Laboratories schrieb, habe ich auch technische Artikel,
Editorials und humoristische Beiträge für Motocross-Zeitschriften
verfasst. Und mein Vater und ich haben füreinander immer Kurzgeschichten
geschrieben, einfach nur so zum Spaß. Aber was Kurzgeschichten oder Romane in Fantasy oder Sciencefiction angeht, so habe ich damit
angefangen, um mir die Zeit zu vertreiben, als ich von den Achselhöhlen bis zu
den Zehen in einem Gipsverband steckte, nachdem ich von einem Auto überfahren
worden war.
Was fasziniert
Sie besonders an Fantasy-Geschichten? Worin liegt
nach Ihrer Ansicht das Besondere dieses Genres?
Fantasy-Romane gewähren mir den
größten Freiraum, vielen verschiedenen metaphysischen und philosophischen Ideen
nachzugehen und gleichzeitig eine (hoffentlich) packende Abenteuergeschichte zu
erzählen. Ich fühle mich auch einfach deswegen zu diesem Genre hingezogen, weil
mir die Vorstellung einer magischen Welt gefällt, die von mystischen und
mythischen Bewohnern bevölkert ist und in der Kreaturen in wundersamen Gegenden
umherstreifen. Schon als Kind habe ich Märchen, die Oz-Bücher usw. immer
gemocht, also begebe ich mich gewissermaßen "nach Hause", wenn ich
etwas zu diesem Genre beitrage. Das heißt natürlich nicht, dass Mithgar, Faery, die Welt von Itheria oder all die anderen Welten, die in meinen Büchern
vorkommen, besonders "heimelig" sind, denn manchmal ist es verdammt
gefährlich, sich in ihnen aufzuhalten. Dennoch gibt es dort viele erstaunliche,
wundersame und edle Geschöpfe, die bereit sind, auf der Seite des Guten den
Kampf gegen das Böse zu führen.
Sie haben
inzwischen angekündigt, keine weiteren Mithgar-Romane
mehr schreiben zu wollen. Haben Sie schon neue Pläne? Wird Ihnen Mithgar nicht fehlen?
Vielleicht kehre ich wenigstens für ein Buch noch mal nach Mithgar zurück. Im Augenblick denke ich gerade über ein
neues Mithgar-Buch nach, und wenn ich den Eindruck
habe, dass die Geschichte gut genug ist, werde ich sie auch niederschreiben.
Ob ich Mithgar vermisse? - Ja, manchmal
schon, auch wenn es mir eine Menge Spaß gemacht hat, die fünfbändige Faery-Reihe zu schreiben.
Die Fragen
stellte Ulrike Künnecke, Literaturtest.