Gewinn des CORINE-Preises erhielt. Und
natürlich bin ich all den netten Lesern sehr dankbar, die das möglich gemacht
haben!
Es scheint so zu sein, dass meine Bücher ganz gerne
reisen. Nach letzten Schätzungen sind von ihnen insgesamt 15 Millionen
Exemplare im Umlauf in bisher... [sie nimmt ihre Finger beim Zählen zu Hilfe]
...23 Ländern. Zuletzt sind Israel und Kroatien dazugekommen. Den Lesern - in
welcher Sprache auch immer sie mir schreiben - scheinen dieselben Dinge an
meinen Büchern zu gefallen: die aufregenden Abenteuer; ihr lebendiger Sinn fürs
Historische und die Möglichkeit, mit ihnen in die Vergangenheit zu reisen; die
haarsträubenden medizinischen Praktiken; die Schlachten; die Präsenz
parapsychologischer Phänomene; die Themen aus Moralphilosophie und religiösem
Mystizismus; der Sinn für Humor; die tollen Liebesszenen [die Autorin hüstelt];
und vor allem: die Charaktere. Die Leser lieben sie einfach - oder sie hassen
sie, werden von ihnen bezaubert usw. - und wollen wissen, was als Nächstes
passiert.
Was meine deutschen Leser bzw. Fans angeht, so
dachte ich mir, ich frage sie einfach mal selbst, was sie an meinen Büchern so
mögen. Dafür habe ich auf einer Fourm-Seite im Internet, die sich speziell an
nicht Englisch sprechende Leser richtet (und fast ausschließlich von
deutschsprachigen Usern frequentiert wird!), die Frage gestellt: "Wenn Ihr eines
oder mehrere meiner Bücher gelesen habt - was hat Euch daran gefallen
(natürlich in der Annahme, dass Euch etwas gefallen hat)?"
Moni antwortete zum Beispiel: "In Deinen Büchern
'schreibst' Du Bilder - gute Bilder, die jeder beim Lesen vor seinem inneren
Auge sehen kann." Kevin meinte: "Vielleicht liegt einer der Gründe für die
Popularität Deiner Bücher in Deutschland darin, dass sie gut recherchiert und
voller ansonsten kaum bekannter Fakten sind. Für die Deutschen ist es immer
auch eine Form der Unterhaltung, sich zu bilden bzw. ihre Bildung zu zeigen."
Nikki meinte, die Übersetzungen ins Deutsche seien einfach spitze. Und ein
Eintrag unter dem Namen Beauchamp lautete: "Diana schreibt über Dinge, die so
mancher moderner Büromensch, umgeben von PCs, Technik, Autos und TV, zu
vermissen meint. Sie bietet uns eine Zuflucht in einer Vergangenheit, wie wir
sie uns wünschen, und schickt uns auf die Reise, Ausschau zu halten nach
Steinen im Wald..."
Sie erwähnten einmal in
einem Interview, dass die Arbeit an Ihrem ersten Roman ziemlich pragmatisch
begann: Sie wollten einfach mal sehen, ob Sie wirklich Bücher schreiben
möchten. Sie suchten nach einem vielversprechenden Setting und fingen mit der
Recherche an. Das klingt beinahe nach einem wissenschaftlichen Ansatz. Arbeiten
Sie noch immer nach dieser "Methode"?
Immer wieder fragen mich die Leute, ob für mich eher die
rechte oder der linke Gehirnhälfte maßgeblich sei, weil sie einfach nicht
glauben können, dass jemand sowohl wissenschaftlich als auch künstlerisch veranlagt
sein kann. Ich versuche ihnen immer wieder zu erklären, dass bei mir beide
Gehirnhälften zu funktionieren scheinen. Und ich habe Schwierigkeiten, mir
vorzustellen, dass der Großteil meiner Mitmenschen nur mit einem "halben Kopf"
herumläuft! (Andererseits: Wenn man den Fernseher einschaltet, klingt diese
These doch wieder etwas plausibler...)
Nein, Leute, die möchten, dass ich mich auf eine "Seite"
festlege, haben meiner Ansicht einfach eine falsche Vorstellung davon, was
wissenschaftlich ist. Ein guter Wissenschaftler ist genauso kreativ und
hellsichtig wie der beste Künstler - und die besten Künstler sind diejenigen,
die dieselben analytischen Fähigkeiten besitzen wie Wissenschaftler.
Gute Wissenschaft und gute Kunst basieren auf derselben
Fähigkeit: der Fähigkeit, das Chaos zu betrachten und Strukturen in ihm zu
entdecken. Wenn man wissenschaftlich arbeitet, konzentriert man sich auf einen
bestimmten Bereich innerhalb des Chaos und sucht in ihm nach Strukturen. Als
Künstler hat man zusätzlich noch die Wahl, einen Teil seines inneren Chaos in
den kreativen Prozess mit einzubeziehen. Aber der Vorgang ist prinzipiell
derselbe.
In
"Ein Hauch von Schnee und Asche" erreichen Claire Randall und James Fraser die Kolonien kurz
vor dem Ausbruch des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges und haben eine ganze
Reihe von Abenteuern zu bestehen. Welche ist die wichtigste Herausforderung,
der sich die beiden in diesem Teil der Saga stellen müssen?
Das
Buch umfasst etwa 508.000 Wörter - in der englischen Ausgabe! Es enthält also
wirklich EINE MENGE Herausforderungen. Dennoch: Ich habe mich mit anderen
Autoren über die Frage des "Themas" ausgetauscht, und dabei ist mir
aufgegangen, dass meine Bücher, so umfangreich sie auch sein mögen, doch alle
ein bestimmtes Thema haben:
Das
Thema von "Feuer und Stein" ist - offensichtlich - "Liebe". Das Buch beleuchtet
die verschiedensten Arten der Liebe und geht der Frage nach, was genau "Liebe"
eigentlich bedeutet: für Verheiratete, Unverheiratete, die Mitglieder einer
Familie, einen Anführer und seinen Clan, zwischen einem Menschen und Gott usw.
In
"Die geliehene Zeit" geht es um "Hingabe": innerhalb einer Ehe, gegenüber einem
Freund oder der Familie, gegenüber einem Kind, aber auch für eine Sache, eine
Rache, Hingabe an die Erinnerung usw. Welchen Preis hat man für seine Hingabe
zu zahlen? Und wie entscheidet man sich dafür, diesen Preis in Kauf zu nehmen?
"Ferne Ufer"
dreht sich um "Identität". Wie definieren Menschen sich Selbst? Durch eine
Beschäftigung, Beziehungen, Religion, Nationalität? Wie kann man feststellen,
wer man eigentlich ist?
Für "Der Ruf
der Trommel" ist das bestimmende Thema "Familie". Was konstituiert eine
Familie? Allein die Blutsverwandtschaft? Und, wenn nicht, was sonst? Durch
welche Kräfte werden ihre Mitglieder miteinander verbunden, was treibt sie
auseinander?
In "Das
Flammende Kreuz" ist das Thema "Gemeinschaft". Wir erleben den Ausbruch des
Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges und die unruhige Zeit kurz davor. Welche
Bande halten eine Gemeinschaft zusammen und worin besteht ihr Wesen, seien es
eine Familie, ein Dorf oder eine Nation? Wie lösen sich solche Gemeinschaften
auf? Und lassen sie sich wieder herstellen?...
... was uns
zu "Ein Hauch von Schnee und Asche" bringt. In diesem Buch geht es um "Loyalität".
Hier sind wir nun mitten im Krieg, und es lässt sich nicht mehr vermeiden, dass
man sich für eine Seite entscheidet. Wem gegenüber empfindet jemand die größte
Loyalität? Gegenüber einem König? Einem Ideal? Einem Freund? Seinen eigenen Interessen? Gott?
Gegenüber seiner Familie - oder gegenüber dem Ehepartner?
Hier liegen,
denke ich, die größten Herausforderungen, denen sich Jamie und Claire in diesem
Buch stellen müssen: in den Fragen der Loyalität. Und zu diesen zählt auch die
Frage: Was sind die höchsten und wichtigsten Verpflichtungen im Leben eines
Menschen?
An welchem Ort
schreiben Sie am liebsten? Was sieht die perfekte Schreibumgebung für Sie aus?
Ich
denke mein Haus in Flagstaff, Arizona. Es ist das Haus
meiner Familie, das ich vor einigen Jahren von meinem Vater geerbt habe. Es
liegt in den Bergen (ist immer schön kühl - außer, wenn es komplett
eingeschneit ist!), sehr ruhig und friedlich. Und da außerhalb meiner Familie
niemand die Telefonnummer dort kennt, bleibt es hier auch ruhig.
Aber,
um ehrlich zu sein: Ich brauche keine "perfekte Umgebung", um schreiben zu
können. Wenn ich arbeite, zählt allein, was sich in meinem Kopf abspielt, und
ich bin mir kaum bewusst, wo ich bin oder was um mich herum passiert - solange
ich nicht direkt aufgefordert werde, dieses oder jenes zu tun, z.B. Essen zu
machen oder mich um eine Katastrophe zu kümmern wie etwa den Hund, der in eine
Jauchegrube gefallen ist (hier bitte nicht weiter fragen - danke!).
Vor kurzem wurde unter
dem Titel "Die Hände des Teufels" eine Zusammenstellung mit drei kürzeren Lord
John-Romanen veröffentlicht. Wie kam es, dass Sie sich entschieden haben,
eigene Lord John-Geschichten zu schreiben? Und was gefällt Ihnen besonders an
dieser Figur?
Das
war wirklich nicht geplant. Vor ein paar Jahren wurde ich eingeladen, zu einer
britischen Anthologie eine Krimikurzgeschichte mit historischem Hintergrund
beizusteuern. Für mich war das eine interessante Herausforderung: Ich wollte
wissen, ob ich etwas zustande bringe,
das weniger als 300.000 Wörter umfasst. Außerdem wollte ich schon immer
Mystery-Geschichten schreiben. Also habe ich zugesagt.
Dann entschied ich mich, die Geschichte im 18. Jahrhundert
spielen zu lassen, denn diese Zeit kannte ich einfach gut. Dann lag es
eigentlich nahe, dass ich auch in dieser Geschichte auf eine Figur aus meinen
"Outlander"-Romanen zurückgreife. Eine der Hauptfiguren sollte das aber nicht
sein, denn ich wollte nicht riskieren, Unstimmigkeiten zwischen den
verschiedenen Plots zu produzieren oder literarische Fakten zu schaffen, auf
die ich dann später in einem Roman Rücksicht nehmen müsste. Wie auch immer:
Lord John ist ein interessanter Charakter, in den ich mich sehr schnell
hineinversetzen kann. Außerdem ist er zwar eine wichtige Figur in meinen
Romanen, aber gleichzeitig eine Nebenfigur, die nur hin und wieder auftaucht.
Aber Lord John führt auch so ein interessantes Leben, also warum sollte ich
mich nicht einem Teil seines Lebens widmen, der in meinen Romanen sonst einfach
nicht vorkäme?
So habe ich mich also für John entschieden. Die Geschichte,
die ich zu der Anthologie beigesteuert hatte, war ein Erfolg. Aber das Buch war
irgendwann vergriffen, und um die Geschichte meinen Lesern wieder zugänglich zu
machen, entschloss ich mich, noch zwei oder drei weitere Kurzgeschichten über
Lord John zu schreiben, die dann zusammen mit der alten veröffentlicht werden
sollten. Allerdings umfasste die zweite "Kurzgeschichte" dann 85.000 Wörter,
worauf mir meine Agenten mitteilten, dass dies keine Kurzgeschichte mehr, sondern
"ein Buch üblichen Umfangs" sei. Also wurde ein eigenes Buch daraus: "Das Meer
der Lügen". Es wurde auf der ganzen Welt verkauft, die Verlage waren begeistert
und gaben mir Verträge für drei weitere Lord John-Romane. Trotzdem habe ich
auch noch zwei kürzere Lord John-Geschichten geschrieben, so dass jetzt -
endlich - diese Zusammenstellung der "kurzen Lord Johns" erscheinen
konnte.
Natürlich möchten wir
wissen, ob es Neuigkeiten zu Jamie und Claire gibt...
Ertappt! Ich arbeite tatsächlich am nächsten Roman der
Outlander-Reihe. Bisher hat er nur den Titel "Buch Sieben". Aber ich stehe noch
ziemlich am Anfang und versuche gerade herauszufinden, mit wem ich es
eigentlich zu tun habe, was genau meine Charaktere in diesem Lebensabschnitt
bestimmt. Und ich muss mich entscheiden, welche der vielen, vielen
faszinierenden historischen Ereignisse aus dieser Zeit Eingang in mein Buch
finden sollen. Eines kann ich schon verraten: Zumindest ein Teil des Buches
wird auch in Schottland spielen - auch wenn ein Großteil natürlich in Amerika
angesiedelt sein wird, denn wir haben es ja immer noch mit dem Amerikanischen
Unabhängigkeitskrieg zu tun. Jamies Neffe Young Ian und sein Sohn werden
wichtig sein. Und, ja, auch von Roger, Brianna und ihrer Familie gibt es Neuigkeiten!
Sie werden den CORINE-Preis während der Gala in München in
Empfang nehmen. Haben Sie unabhängig von diesem Termin schon Pläne für Ihren
Aufenthalt in Deutschland?
Ich glaube, mein Verlag möchte es
irgendwie einrichten, dass ich mir die Porzellan-Manufaktur Nymphenburg ansehen kann, in der die
reizenden CORINE-Figuren hergestellt werden - das sollte Spaß machen! Außerdem
wird es am 23. September eine Signierstunde bei Hugendubel in München geben. Am
folgenden Tag findet um 19.00 Uhr die CORINE TV-Gala statt, so dass ich den
Großteil des Nachmittags mit Vorbereitungen darauf verbringen werde. Für
Montag, den 25. September, hat WELTBILD dann eine Lesung und Signierstunde in
Augsburg organisiert. Sie wird abends stattfinden und von Margarete
von Schwarzkopf moderiert werden.
Danach mache ich mir dann die Freude, ein paar Tage
bei meiner deutschen Übersetzerin Barbara Schnell in Krefeld zu verbringen. Und
vielleicht gehe ich dann, bevor ich zurückfliege, noch einmal ins Neanderthal
Museum...
Die Fragen stellten Henrik Flor
und Roland Große Holtforth, Literaturtest.