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Wege in die Nacht (DVD)
92 Min.
2 DVDs; FSK: ab 16 Jahre, s/w, Spieldauer: 92 Minuten; Bild:...
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Produktbeschreibung
Walter (Hilmar Thate) ist ein Mann Ende 50, dem die Wirklichkeit entgleitet. Zu DDR-Zeiten war er Direktor eines Industrie-Kombinats, nun ist sein Lebenswerk eine gespenstische Ruine. Walter steht fassungslos vor der Welt, die ihn ausrangiert hat. Sein innerer Amoklauf beginnt. Zusammen mit zwei jungen Leuten, Gina und René, begibt sich Walter auf nächtliche Patrouillen durch die Berliner S- und U-Bahnen, um für Ordnung zu sorgen. Als selbsternannte Sheriffs warten die drei auf Gelegenheiten, pöbelnde Rowdies zusammenzuschlagen...Weitere Produktinformationen
Walter (Hilmar Thate) ist ein Mann Ende 50, dem die Wirklichkeit entgleitet. Zu DDR-Zeiten war er Direktor eines Industrie-Kombinats, nun ist sein Lebenswerk eine gespenstische Ruine. Walter steht fassungslos vor der Welt, die ihn ausrangiert hat. Sein innerer Amoklauf beginnt. Zusammen mit zwei jungen Leuten, Gina und René, begibt sich Walter auf nächtliche Patrouillen durch die Berliner S- und U-Bahnen, um für Ordnung zu sorgen. Als selbsternannte Sheriffs warten die drei auf Gelegenheiten, pöbelnde Rowdies zusammenzuschlagen..."Das gespenstische Psychogramm eines ohnmächtigen Kleinbürgers, der beginnt, Amok zu laufen. Mit der Präzision einer klinischen Diagnose hat Kleinert einen Psychothriller inszeniert, der als gesellschaftspolitische Warnung verstanden werden will...sicherlich der wichtigste unter den neuen deutschen Filmen" Süddeutsche ZeitungBibliografische Angaben
2 DVDs; FSK: ab 16 Jahre, s/w, Spieldauer: 92 Minuten; Bild: Vollbild; Sprache: Deutsch; Untertitel: Englisch, Französisch, Spanisch ; Filmgalerie 451
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Rezension
Zum ersten Mal hat ein deutscher Film die Quinzaine des Réalisateurs in Cannes eröffnet und sich dem Auswahlterror von Gilles Jacob widersetzt: Andreas Kleinert selbst hat sich für seine "Wege in die Nacht" die Alternativreihe zur Selection Officielle gewünscht. Seine melancholisch stilisierte Schwarz-Weiß-Ballade vom verzweifelten und Amok laufenden Verlierer in einer neuen deutschen Wirklichkeit ist psychologisch spannend und emotional bewegend erzählt - für ein Publikum, das sich gern von intelligenten Geschichten aufrütteln läßt.Kino, das sich mit der Realität auseinandersetzt, ist durch die entschlossenen Dogma-95-Dänen wieder interessant geworden. Andreas Kleinert gibt seinem Unbehagen an der Welt von heute ungewöhnlich poetisch und doch realistisch Ausdruck. Zusammen mit Autor Johann Bergk und dem wunderbaren Kameramann Jürgen Jürges gelingt Kleinert ein Autorenfilm, wie man ihn seit der Nouvelle Vague so klassisch kaum mehr gesehen hat. Vor allem auch der Hauptdarsteller Hilmar Thate ist in seiner bedrohlich introvertierten Intensität wie die lebendig gewordene Projektion der Beunruhigung des Filmemachers.
Bestechend minimalistisch erzählt Kleinert von der inneren Emigration eines 55jährigen Fabrikleiters, Ex-Kommunist und Idealist der seinen Job, seine Position, eigentlich fast seine Existenz im Nach-Wende-Deutschland verloren hat. Walter wird damit nicht fertig, und die Liebe in seiner ein wenig in die Jahre gekommenen Ehe ist harten Prüfungen ausgesetzt. Für Walter ist es unerträglich, daß er von dem Kellnerinnen-Verdienst seiner Frau leben soll. Er, der früher mit einer gewissen Macht und Funktion ausgestattet war, sieht sich außerstande, seinem Leben einen Sinn abzugewinnen und sich mit der gegenwärtigen Wirklichkeit zu arrangieren. Dennoch ist ihm ein Rest seines alten Idealismus geblieben, hat er den Glauben an eine bessere Welt noch nicht verloren. Unbedingt will er etwas tun, das Positives bewirkt, dem Verlust und der Haltlosigkeit entgegenwirken kann. Und notfalls will er dieses "Gute" auch mit Gewalt durchsetzen. Mit zwei jungen Leuten, fabelhaft gespielt von Henriette Heinze und Dirk Borchardt, zieht er durch die Nacht von Berlin und praktiziert in U- und S-Bahn handgreiflichen Einsatz für Recht und Ordnung. Und er wird sich selbst und seiner Umwelt gefährlich, je mehr ihm klar wird, daß seine Mission nicht gefragt ist.
Seinen ernsten, düster melancholischen und trotz allen Pessimismus vitalen, nie lamentierenden Film hat Andreas Kleinert mit großer Rigorosität inszeniert. Es scheint bezeichnend, daß dieser gnadenlose und durchaus subjektive Blick auf deutsche Wirklichkeit von einem Ostberliner Filmemacher kommt. Im Osten Deutschlands ist man für die Veränderung anders sensibilisiert als im Westen, wo sich zumindest oberflächlich, nicht so viel geändert hat. Und das Schöne ist - wie auch schon Andreas Dresens Berlinale-Film "Nachtgestalten" -, daß Kleinert ein Filmemacher ist, der sich für Menschen interessiert, für Biografien, Figuren, die Brüche in sich und Schmerzen hinter sich haben. Sein Film ist frei von Provinzmief. Die Tatsache, daß er in Berlin spielt, vor dem Hintergrund ostdeutscher Vergangenheit, gibt ihm den nötigen authentischen i-Punkt. Das größte aktuelle eigentlich internationale Thema des Films aber ist der Verlust der Werte, die Ohnmacht, die Welt nicht verändern zu können. Augenblicke der Wahrheit im Kino. fh.
Mitwirkende
| Interpret: | Andreas Kleinert |
| Regisseur: | Andreas Kleinert |
| Darsteller: | Hilmar Thate (Walter) Cornelia Schamus (Sylvia) Henriette Heinze (Gina) |
| Label: | Filmgalerie 451 |
| Verlag: | Filmgalerie 451 |
| Vertrieb: | AL!VE |
| Verleih: | Filmgalerie 451 |
| Land/ Jahr: | 2010 |
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