Das hier ist kein Tagebuch

Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016, Kategorie Jugendbuch und Kategorie Preis der Jugendlichen

Erna Sassen

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Er tut es widerwillig, aber doch. Tag für Tag zeichnet Boudewijn auf, was mit ihm
los (bzw. nicht los) ist, was er fühlt (oder nicht fühlen kann), weil das passiert
ist: Seine Mutter hat sich umgebracht. Schreibend, denkend und erinnernd löst
er sich allmählich aus der Starre einer tiefen Depression. Und die Wut auf
diese 'dumme egoistische Kuh!' weicht echter Trauer.

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Kommentare zu "Das hier ist kein Tagebuch"

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    4 von 6 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    E. K., 25.04.2016

    „...Das hier ist kein Tagebuch. Ich sage es bloß der Deutlichkeit halber dazu...“

    Mit obigen Zitat beginnt Boudewijn, ein 16jährige niederländischer Junge, sein Nicht-Tagebuch. Es ist die Geschichte einer Heilung. Dahinter steht die Forderung des Vaters, jeden Tag ein paar Zeilen zu schreiben und eine CD zu hören.
    Angefangen hat alles am siebten Geburtstag der Schwester. Sie bat ihn, das Grab der Mutter zu besuchen. Danach war nichts mehr wie zuvor. Migräne, Müdigkeit, Lustlosigkeit folgten. Dabei lag der Tod der Mutter schon einige Jahre zurück. Sie war manisch-depressiv, hatte ihre Medikamente nur unregelmäßig genommen und dann Selbstmord begangen.
    Im Tagebuch arbeitet Boudewijn nun die Vergangenheit auf, den Todestag der Mutter und seine ungewöhnliche Reaktion, die Jahre davor, sein Unverständnis und seine Wut, die ihn ungerecht werden lässt gegen andere. Es ist ein Art Trauerbewältigung, der er sich vorher verweigert hat. Dazu hört er jeden Tag klassische Musik. Er versucht es zwischendurch auch mit einem anderen Genre, doch das kann er nicht ertragen.
    Die Sprache des Buches ist schwer in Worten zu fassen. Manchmal sind es nur Gedankenbruchstücke. Positiven Erinnerungen an die Mutter stehen Vorwürfe und Bitterkeit gegenüber. Das Auf und Ab in der Schule wird genauso thematisiert wie die eignen Fehler. Die Einträge des jeweiligen Tages sind ein Abbild seines Seelenzustands. Manche Worte und Sätze werden in Großbuchstaben hervorgehoben. So wirken sie besonders eindringlich. Sie zeigen die innerer Zerrissenheit des Jungen. Doch dann gibt es Stellen voller Liebe und Zuneigung. Das passiert immer dann, wenn er über seine kleine Schwester Dolores schreibt, die er liebevoll Fussel nennt. Sie ist der Stabilitätsfaktor in seinem Leben, weil sie einfach da ist und nichts von ihm will. Sie nimmt ihn mit all seinen Fehlern und Schwächen wie er ist. Ich würde fast sagen, ein Teil des Buch ist eine Liebeserklärung an Fussel. Sie reißt ihn aus Einsamkeit und Angst.
    Das schwarze Cover mit dem Titel am unteren Rand passt zur Handlung. Als Boudewijn das Tagebuch beginnt, ist die Welt für ihn schwarz.
    Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Es zeigt, was die Krankheit der Eltern mit Kindern machen kann. Es ist emotional berührend und macht betroffen, obwohl oder gerade weil die Sprache eher kurz und prägnant ist.

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    janein

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