Das Ludwig Thoma Komplott

Kriminalroman

Sabine Vöhringer

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Die Verlegerin Julia Frey findet im Nachlass ihres Großvaters ein Manuskript des bayerischen Schriftstellers Ludwig Thoma. Sie will das Werk neu herausgeben. Doch dann entdeckt sie Hinweise auf eine Mordserie im Vorfeld der Olympischen Spiele...

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    1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    Tamara K., 10.09.2018

    Beschreibung:

    Die Verlegerin Julia Frey findet im Nachlass ihres Großvaters ein Manuskript des bayerischen Schriftstellers Ludwig Thoma. Sie will das Werk neu herausgeben. Doch dann entdeckt sie Hinweise auf eine Mordserie im Vorfeld der Olympischen Spiele 1972. Als sie kurz darauf bedroht wird, bittet Julia ihren Jugendfreund Tom Perlinger um Hilfe. Wurde damals der Falsche verurteilt? Das Komplott scheint Kreise bis tief in die Münchner Politik zu ziehen und fordert weitere Opfer…

    Meinung:
    Endlich ! Der langersehnte zweite Fall von Tom Perlinger ! Unda uch der hat es wieder in sich… Julia will ihren Verlag retten, der rote Zahlen schreibt. Als sie im Nachlass ihres Großvaters eine unveröffentlichte Geschichte von Ludwig Thoma findet, wähnt sie sich am Ziel. Bei der Lektüre erkennt sie den Zusammenhang zu einem Cold Case, dem Fall Rosi, an dem ihr Schulfreund Tom Perlinger gerade wieder arbeitet und über den just in der Zeitung berichtet worden ist. Sie ist der festen Überzeugung, dass sie den Mörder kennt und will Tom informieren. Bevor es jedoch dazu kommen kann, wird Julia auf offener Straße erschossen. Tom und sein Team nehmen die Ermittlungen auf und stecken ziemlich schnell ziemlich tief drin – der Fall nimmt ungeahnte Dimensionen an, als klar wird, dass Toms alte Clique beinahe vollzählig darin verwickelt ist, ebenso wie die Politik und nicht zuletzt die russische Mafia.

    Das Buch beginnt mit einem Prolog, etwa 3 Wochen vor der eigentlichen Geschichte. Das hat mir insbesondere gut gefallen, weil in diesem Prolog die Brücke zu Toms Aufenthalt nach Düsseldorf geschlagen wird. Es war aus dem ersten Teil bekannt, dass es dort einen Vorfall gab, aufgrund dessen er in ein Sabbatical gegangen war. Und hier taucht auf einmal der ehemalige Kollege von Tom im Prolog auf und will ein Attentat auf ihn verüben. Hat mir ausnehmend gut gefallen !

    Wie schon im ersten Roman „Die Montez Juwelen“ gibt es auch dieses Mal unfassbar viele handelnde Personen. Leider fehlt dieses Mal ein Personenregister, dass mir im ersten Teil durchaus das eine oder andere Mal das Leben gerettet hat. Aber man kann sich mit einer eigenen Liste behelfen und so den Überblick behalten. Außerdem gelingt es der Autorin, alle Hauptpersonen so bildhaft zu beschreiben, dass man bald schon das Gefühl hat, man stünde ihnen gegenüber. Wenn man sich da erstmal reingefuchst hat lässt es sich in jedem Fall absolut flüssig lesen.

    Besonders gelungen finde ich, dass das Buch nicht nur im Titel den großen Namen „Ludwig Thoma“ trägt, sondern dass auch tatsächlich im Lauf der Geschichte immer wieder Bezug genommen wird auf den großen bayerischen Schriftsteller und sein wohl bekanntestes Werk „Ein Münchner im Himmel“ – wer das noch nicht kennen sollte, muss es sich unbedingt anschauen. Die Harfe, die Alois Hingerl, Dienstmann Nr. 172 am Münchner Hauptbahnhof, nach seinem Ableben im Himmel zugeteilt bekommt, damit er fortan frohlocke und jubiliere, spielt eine entscheidende Rolle in dem Fall. Und zwar nicht nur im aktuellen, aus November 2017, sondern auch im Fall Rosi, dem Cold Case aus den 60ern.

    Vöhringer zieht sehr viele Fäden gleichzeitig – es gibt so viele unterschiedliche Handlungsstränge, dass man von Anfang bis Ende miträtseln kann und ich verspreche: vor Seite 330 kommt niemand auf die Lösung ! Geschickt platziert sie Hinweise, die anscheinend doch immer alle ins Leere führen. Kaum ist eine Frage beantwortet, kommen zwei neue hoch: Welche Rolle spielt Claas ? Welche brisante Information verbirgt sich in dem Manuskript ? Stammt es wirklich von Thoma ? Wenn ja, wie geht das zeitlich zusammen – ist der Schriftsteller doch bereits 1921 gestorben, die Morde sind aber erst in den 60er Jahren passiert ? Was hat die Bewerbung um die Austragung der Olympischen Spiele 1972 damit zu tun ? Wie hängt die russische Mafia da mit drin ? Fragen über Fragen. Und bis zum Schluss nur wenige Antworten.

    Ich war sehr gefesselt von der Geschichte und hab fleißig mitgerätselt, aber immer wenn ein Teilchen gepasst hat, sind zwei andere wieder rausgesprungen. Es ging einfach nie alles zusammen. Ich hatte zwischenzeitlich wirklich Sorge, ob Vöhringer sich da mal nicht verzettelt. Aber – tut sie nicht. In einem grandiosen Showdown, der sich über mehrere Kapitel hinzieht, lässt sie gekonnt alle Fäden zu einem großen Ganzen zusammenlaufen.

    Zum Stil ist zu sagen, dass Sabine Vöhringer einen sehr gut leserlichen Stil hat. Die Schreibweise läuft locker dahin, man kann es gut lesen. Die Dialoge sind gut gemacht, mitunter witzig und auch mal etwas flapsig, ohne allerdings jemals plump zu werden. Gut gefallen hat mir dieses Mal der Münchner Dialekt, der im Vergleich zum Debüt für mein Verständnis deutlich besser gelungen ist !

    Ein besonderes Schmankerl finde ich den Stadtplan am Schluss auf der Umschlagseite. Toll gezeichnet und er unterstützt durchaus bei den bereits sehr bildhaften Beschreibungen unserer schönen Stadt ! Aber auch ohne diesen Plan hätte man sich in München gut zurechtgefunden, denn Vöhringer versteht sich gut darauf, Örtlichkeiten so bildhaft wiederzugeben, dass man eine genaue Vorstellung davon hat, wie es dort aussieht. Super !

    Ich habe anderswo gelesen, dass immer wieder das Gebäude auf dem Cover so schön gefunden wird – das ist der Alte Hof, womit auch gleichzeitig noch einmal ein Bezug zu den Wittelsbachern hergestellt ist 😉 Die Äffchen-Legende wird hier nicht vergessen.

    Von der ersten Seite hat hat die Autorin einen Spannungsbogen aufgebaut und ihn kontinuierlich durch das ganze Buch gehalten – auch wenn ich schon sehr früh eine Ahnung hatte, wer hinter dem Ganzen steckt, so ist die Spannung doch bis zuletzt geblieben, da das Motiv und die Hintergründe bis zum Schluss völlig im Dunkeln geblieben sind.

    Mein einziger Wermutstropfen: Tom Perlinger wird voraussichtlich erst wieder im Frühjahr 2020 weiter ermitteln. Die Wartezeit wird lang!

    Fazit:
    Chapeau ! Ein gut durchdachter Krimi, der von der ersten Seite an spannend ist. Von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung !

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    janein
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