DuMont Reiseabenteuer Gobi

Die Wüste in mir

Reinhold Messner

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    Andreas H., 05.01.2019

    der lange Weg durch die „Wüste Gobi“ und die „Wüste Messner“

    Es gibt kaum eine Person, die so polarisiert wie Reinhold Messner. Alleine schon die Tatsache, das 14 Jahre nach erscheinen der ersten Auflage des Bandes eine „Neuauflage“ erscheint, mag manchen Leser irritieren. Aber warum nicht. Das Titelfoto ist wirklich gut geworden. Mein Sohn meinte dazu, Reinhold Messner sehe darauf aus wie der „letzte Jedi“ aus Star Wars 8. Hier erahnt man schon, was er in den vergangenen Jahrzehnten mitgemacht hat.

    Das Taschenbuch umfasst 272 Seiten. Im Buch befinden sich im Mitttelteil und verteilt in den 11. Kapiteln diverse schwarz weiß Fotos von seiner Reise. Im Klappentext befindet sich eine Karte mit dem Verlauf seiner Reise. Ich finde so was immer ganz gut, da ich mir dann ein besseres Bild der Route machen kann.

    Reinhold Messner ist als „Grenzgänger“ bekannt geworden. Er bestieg alle „Achttausender“ (zum Teil alleine und ohne Sauerstoffmaske), 2800 Kilometer Antarktis Durchquerung und diverse andere Unternehmungen. Und da ihm das nicht reichte, beschloss er im Alter von 60 Jahren im Jahre 2004 zur einer Längsdurchquerung der Wüste Gobi (Mongolei). Alleine und nur mit dem nötigsten Equipment machte er sich auf den gut 2000 Kilometer langen Weg durch die Wüste.

    Der Titelzusatz „die Wüste in mir“ läßt schon erahnen, das es bei einer Reise nicht nur um die Reise durch die Wüste als solche geht, sondern er sich auch in dem Buch mit sich selbst beschäftigt. In den Jahren hat Reinhold Messner viel publikumswirksame Auftritte hingelegt, in Filmen mitgespielt, diverse „Messner Mountain Museen“ (MMM) eröffnet, Interviews gegeben und Bücher geschrieben. Dabei hat er sich einen tollen Schreibstil angeeignet, welcher sich auch in diesem Buch wiederfinden läßt.

    Ich habe das Buch in wenigen Tagen durchgelesen. Es ist ein flüssiger Schreibstil, welcher mich einfach mitgerissen hat. Hut ab! Der ein oder andere Abschnitt wird von ihm aber auch ein wenig „theatralisch“ bzw. „dramatisch“ ins Bild gerückt.

    Inhaltlich findet der Leser in dem Buch einen tollen Reisebericht durch die Wüste und deren Bewohner und einen Rückblick über das Leben von Reinhold Messner. Diese Rückblicke hat er dabei geschickt in sein Buch verwoben. Gerade in der Einsamkeit der Wüste „denkt“ er viel über seine Vergangenheit nach. Dabei versteht es Reinhold Messner sehr gut, auch die tragische Geschichte seines Bruders Günther Messner einfließen zu lassen. Da ihn dieses Ereignis damals schwer getroffen und mitgenommen hat, wird es immer wieder aufgegriffen. Es wirkt für mich als Leser wie eine „Abrechnung“ mit den damaligen und heutigen Kritikern, welche Reinhold eine „Mitschuld“ am Tod seines Bruders gegeben haben. Da sich das komplette letzte Kapitel noch mal mit dem Tod seines Bruders beschäftigt, war es meiner Meinung nach definitiv ein einschneidendes Erlebnis.

    Wir erfahren aber auch viel aus seiner Kindheit, seinen Eltern, Geschwistern, seinen Werdegang und seine eigenen Familie. Und gerade der Widerspruch eine eigene Familie zu haben und diese immer wieder zu verlassen, um „Grenzerfahrungen“ zu machen und dabei auch sein Leben zu riskieren polarisiert die Leserschaft.

    Der Leser erfährt aber auch, dass die Wüste Gobi ist in weiten Teilen ein lebensfeindlicher Raum ist. Reinhold Messner durchquert diese zu Fuß, läßt sich aber auch in PKW´s oder LKW´s mitnehmen und besteigt auch mal ein Pferd. Der Leser erfährt viel über die Nomaden, die den widrigen Lebensbedingungen tagtäglich trotzen und ihn immer wieder als ihren Gast aufnehmen und bewirten. Abseits von Technik und Konsum werde ich als Leser in diese Welt mitgenommen. Ohne die Gastfreundschaft der Nomaden, die mit Ihren Jurten Wind und Wetter trotzen, hätte es Messner definitiv nicht geschafft. Bei einem längeren Wüstenabschnitt ohne Brunnen und Nomaden, plagt ihn der Selbstzweifel, die Einsamkeit und er macht sich bewußt, das er alt geworden ist. Sein „geschundener“ Körper kommt an seine physische Grenzen. Am besten beschreibt es dieses Zitat:

    „Mein Weg durch die Wüste war auch ein Weg durch mich selbst. Diesmal kam keine Erlösung am Ende, nur die Einsicht in das eigene Altern. Sogar das Bewusstsein sterben zu müssen, gehört jetzt mit dazu. Und dieses Bewusstsein des eigenen Todes bleibt, als sei ich schon vor meiner Zeit an mein Ende gekommen.“

    Das Buch ist es definitiv wert gelesen zu werden. Trotzdem habe ich (gerade nach dieser Neuauflage) einen faden Beigeschmack in Bezug auf die „Selbstinszenierung“ und „Vermarktung“ von Reinhold Messner.

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    janein

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