Hier sind Löwen

Roman. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2019 (Longlist)
 
 
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Longlist - nominiert für den Deutschen Buchpreis 2019

"Dikranian. Abovyan. Petrosian. Mazavian. Mein Nachname war plötzlich in phonetischer Gesellschaft. Bisher hatte ich ihn getragen wie ein unpassendes Kleidungsstück, wie einen verbeulten Hut, den ich...
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"Dikranian. Abovyan. Petrosian. Mazavian. Mein Nachname war plötzlich in phonetischer Gesellschaft. Bisher hatte ich ihn getragen wie ein unpassendes Kleidungsstück, wie einen verbeulten Hut, den ich...

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Kommentare zu "Hier sind Löwen"

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Alle Kommentare
  • 5 Sterne

    Miss.mesmerized, 10.09.2019

    Die Restauratorin Helen Mazavian reist nach Armenien, um die dort übliche Kunst der Buchbinderei kennenzulernen. Nicht ganz ohne persönlichen Bezug hat sie das ferne unbekannte Land ausgewählt, stammen doch ihre Vorfahren von dort. Außer dem Namen und einer alten Fotografie ist ihr jedoch nichts geblieben. Das Buch, an dem sie arbeitet, fasziniert sie, auch wenn sie zunächst mühsam die armenischen Schriftzeichen entziffern muss. Die Familienbibel ist das einzige, was die beiden Kinder Anahid und Hrant auf ihrer Flucht retten konnten und die die Spuren ihres Daseins und ihrer Familie enthält. So wie sich Helen dem Schicksal der beiden Flüchtlinge nähert, versucht sie auch ihre eigene Geschichte zu ergründen und sucht nach Spuren rund um den mystischen Berg Ararat.

    Katerina Poladjan nimmt den Leser mit auf eine Reise in ein unbekanntes Land, das man zusammen mit der Protagonistin versucht zu ergründen. Die Geschichte der Armenier wird in unzähligen Begegnungen thematisiert, aber so wie das Volk in der globalen Diaspora verteilt lebt, bleibt auch das Bild, das man von Armenien gewinnt, eher eine Sammlung von Momentaufnahmen, die jedoch kein klares und vollständiges Bild liefern.

    Verdient hat die Autorin die Nominierung auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2019 aufgrund ihrer unglaublich poetischen Sprache, die exakt und präzise die Handlungsabläufe der Restauratorin schildert und dies doch in einer Weise zu tun vermag, die fesselt und verzaubert. Mechanische Vorgänge erhalten so eine geradezu magische Anziehungskraft, seitenweise hätte ich dank Poladjans Ausdrucksstärke über die Buchbindekunst lesen können. Dazwischen kann sie aber auch urkomisch werden, viele Dialoge sprühen geradezu vor feinem Sprachwitz und führen die zum Teil verstaubten Ansichten aus beiden Ländern bisweilen ad absurdum.

    In ihrer Protagonistin spiegelt sich die Zerrissenheit des Landes und des Volkes, dessen Geschichte von Krieg und Flucht geprägt war. Die kurzen Einblicke Kultur zeigen jedoch eine tiefe Verwurzelung rund um den Ararat und das Festhalten an Traditionen, egal ob in der Nähe oder der Ferne. Die Gegenwart droht jedoch mit ihren neuen Problemen, die geflüchteten aus Syrien, auch wenn sie Armenier sind, werden nicht unbedingt mit offenen Armen empfangen; auch Familienstrukturen, das einzig verlässliche eines immerfort bedrohten Volkes, lösen sich zunehmend auf. Die Autorin schafft den Spagat zwischen dem Gestern und dem Heute und ebenso zwischen den Kulturen, die sich zunehmend vermischen, durch die Migration neue Formen ausbilden und dadurch zunehmend eindeutige Identitäten verweigern. Jeder ist ein bisschen was von dem, was die Vorfahren weitergegeben haben, was er erlebt hat und was er sucht und findet in seinem Leben. Blinde, weiß Flecken werden jedoch bleiben, dort sind dann eben wohl die Löwen.

    Sicherlich kein Buch, das die Massen begeistert, für den richtigen Leser zur richtigen Zeit jedoch ein Hochgenuss.

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    janein
  • 5 Sterne

    M., 17.09.2019

    Mitnehmend, berührend, interessant

    Als ich die letzte Seite las, war ich wirklich traurig, diesen Roman nun verlassen zu müssen.

    Helen reist für ein Projekt nach Armenien. Sie selbst hat armenische Vorfahren mütterlicherseits, weiß aber kaum etwas über diese. In Jerewan restauriert sie nun eine alte Familienbibel. In dieser findet sie handschriftliche Notizen. In einem Nebenstrang wird so die Geschichte der 14 jährigen Anahid und ihres kleinen Bruders Hrant erzählt. Sie befinden sich zur Zeit des armenischen Völkermords auf der Flucht und trugen diese Bibel mit sich, als einziges Überbleibsel ihrer Familie. Zumindest könnte es so gewesen sein...

    Helen ist schon einige Jahre mit Danil liiert. Hier lernt sie Levon kennen, den Jazz Musiker, der aus Überzeugung auch Soldat ist, stationiert in Berg Karabach. Eine leise, sehr unaufdringliche Liebesgeschichte beginnt... und endet....

    Der etwas melancholische Roman ist ruhig und sehr zart erzählt, dennoch eindrücklich und zu Herzen gehend. Es gibt etwas märchenhaft anmutende Sequenzen, das gefiel mir gut. Die Geschichte an sich mitsamt der beiden Erzählstränge ist in sich stimmig und rund erzählt.

    Die Hauptprotagonistin, in einigen Situationen etwas distanziert und unnahbar, in anderen Situationen weich und emotional, gefiel mir gut.
    Der Prozess der Buchrestauration wird mit viel Liebe und Hingabe beschrieben, so dass sich die Freude an alten Handschriften auf mich übertrug.
    Zudem bekam ich einen wunderbaren und sehr interessanten Einblick in das heutige Armenien samt der Last der Geschichte, die dieses Land trägt. Das stimmte sehr nachdenklich. Doch geht es nicht nur um den Tod eines Volkes, sondern auch um den Tod eines einzelnen Menschen, eines Familienmitglieds. "Es sind die Toten, die den Lebenden die Augen öffnen." Die Grundstimmung, wie gesagt, ist etwas traurig, aber nicht herunterziehend.

    Dieser wirklich schön erzählte und bereichernde Roman berührte mich sehr und ich empfehle ihn aus ganzem Herzen weiter!

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    janein
  • 5 Sterne

    bernauerin, 06.08.2019

    dieses buch hat meine erwartungen übertroffen. begonnen hatte mein emotionales interesse für armenien mit dem film "das haus der lerchen" der brüder taviani.
    ich hoffte, der roman würde mir ein intensiveres gefühl für armenien vermitteln, auch über die verfolgung der armenier durch die türken.
    dies ist der autorin gelungen, trotz einer schlichten sprache ohne weitschweifige beschreibungen. aber der lakonische stil zeigt offensichtlich das wesentliche mit großer treffsicherheit.

    der roman erzählt auf zwei ebenen, einerseits die situation der buchrestauratorin in der gegenwart, andererseits in retrospektiven, wie zwei kinder ihr elternhaus verlieren und sich irgendwie durchschlagen müssen. auch die psychische komponente wird hier in einfacher, eindringlicher art vermittelt. ihr schicksal, wie ihnen das zuhause, auch die zukunft, die sie erwartet hätte, genommen wird, kann man übertragen auf alle völkergruppen, die verfolgt werden und ausgerottet werden sollen. schon allein deshalb ist das buch lesenswert!

    spannend ist die langsame annäherung der jungen frau an die alte geschichte. als leser ist man gespannt, ob und wo die fäden zusammenlaufen. und das so wenig bekannte land armenien rückt näher, es ist nun nicht mehr nur der weiße fleck auf der karte, und ich weiß, dass ich von nun an mit interesse alles verfolgen werde, was darüber berichtet wird. auch der wunsch, dort hinzureisen, ist entstanden.

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    janein

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