Pixeltänzer

 
 
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Elisabeth, von allen nur Beta genannt, arbeitet in einem Startup: Ihr Alltag wird von Pitches und Teambuilding-Maßnahmen bestimmt; in ihrer spärlichen Freizeit entwickelt sie Tiermodelle am 3D-Drucker und probiert sich durch die Berliner Eisdielen. Als ein...
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Elisabeth, von allen nur Beta genannt, arbeitet in einem Startup: Ihr Alltag wird von Pitches und Teambuilding-Maßnahmen bestimmt; in ihrer spärlichen Freizeit entwickelt sie Tiermodelle am 3D-Drucker und probiert sich durch die Berliner Eisdielen. Als ein...

Kommentar zu "Pixeltänzer"

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  • 5 Sterne

    1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    Kirsten W., 12.08.2019

    "Pixeltänzer" ist das Debüt von Berit Glanz. Der Roman wirft einen Blick auf die Generation Y oder - nach Oliver Jeges - Generation Maybe, gut ausgebildet, aber ohne Plan und Mut. Ausgerechnet mit einer App, die zurückführt ins Analoge, nämlich ins Gespräch mit echten Menschen, beginnt die Verwandlung der Protagonistin Beta, Junior-Quality-Assurance-Testerin mit „Can-do-Ausstrahlung“, in eine junge Frau mit „Won’t-do-Entschluss“, die dem Anpassungsdruck ihrer Umgebung trotzt, und ihre eigenen Erwartungen an ihr Leben entwickelt. Von der Beta-Version zur Reife? Das wird das Leben weisen, denn in Beta sind zwar „alle wesentlichen Funktionen implementiert“, ein selbstbestimmtes Individuum zu werden, aber noch nicht vollständig im Hier und Jetzt getestet, also außerhalb der Blase, in der sie bisher zwischen IT-Start-up, Tinder und 3-D-Drucker ihr Dasein verpixelt hat.
    Worum geht's im Einzelnen?
    Über „Dawntastic“, besagte App, die Wake-Up-Calls vermittelt, wird Beta durch den anonymen User mit dem Nick Toboggan auf Lavinia Schulz und Walter Holdt gestoßen, expressionistische Maskentänzer aus der Zeit vor den Roaring Twenties. Fasziniert von deren Ganzkörpermasken sucht sie über eine eigens kreierte Homepage Kontakt zu dem Anrufer, um mehr zu erfahren. Betas Plan geht auf. Eine spannende virtuelle Schnitzeljagd beginnt (zur Nachverfolgung hat die Autorin die Homepage tatsächlich ins Netz gestellt), an deren Ende sie die so beeindruckende wie tragische Biografie der Tänzer kennengelernt und in Lavinia eine Art Vorbild erkannt hat. Deren Kunst war ihre Mission, kein Projekt, das man zwischen Teambuilding-Maßnahme und Schaffenspause im Ruheraum, equipped mit High End-Aquarium samt Big-Brother-Roboterfisch, in die Tastatur daddelt, damit aus Venture-Capital der Anleger nicht Adventure-Capital wird, bei dessen Versickern im Sand die Todesmelodie aus Pitfall ertönt. Vor allem Lavinias Konsequenz, ihre Kunst ohne Konzession an Verkäuflichkeit zu leben, hat sie einen hohen Preis gekostet. Hunger und Not waren nach dem Ersten Weltkrieg ihre ständigen Wegbegleiter. Sie wurde nicht bei Gotcha von einem Farbbeutel getroffen. Der selbstreflektierten Beta wird klar, dass ihre eigene Lebenszeit und ihre aktuellen Lebensumstände ein nicht selbstverständliches, gänzlich unverdientes Privileg sind: „Manchmal frage ich mich, ob mein Problem ist, dass ich nach etwas suche, was es nicht gibt für mich. Wie vermessen, dass ich etwas Unerwartetes tun will. Was sagt das aus über meine Langeweile? Sollte ich mich schämen, weil andere niemals die Chance bekommen, sich so zu langweilen wie ich?“ (S. 233 f.) Dass Beta ihr Problem erkennt, sagt über sie aus, dass ihr etwas Widerständiges gegen den Mainstream innewohnt. Sie „entwächst“ der „Wir-amüsieren-uns-zu-Tode-Gesellschaft“, wie sie Neil Postman 1985 - noch im analogen Zeitalter - beschrieben hat. Für ihn stellte die TV-Unterhaltung und die Macht der Bilder eine Bedrohung dar: „Fernsehen wurde nicht für Idio*** erschaffen – es erzeugt sie.“
    Das www hat dem TV den Rang abgelaufen. Wir leben heute im Pippi-Langstrumpf-2.0-Zeitalter: „Ich downloade mir die Welt, wie sie mir gefällt“.
    Man kann „Pixeltänzer“ als Roman über die Vereinnahmung der Avantgarde durch den Kommerz lesen. Es schwingen jedoch viel wichtigere Themen mit, die unbedingt verhandelt werden müssen: Steuern wir auf die Brave New World nach Aldous Huxley zu, um hernach im Orwellschen „1984“ zu enden? Zuvörderst ist jedoch von jedem Einzelnen zu entscheiden: Wie lebe ich als selbstbestimmter Mensch in einer Welt, in der ich als digital steuerbare Biomasse begriffen und algorithmisch vermessen werde, mir wegen des 24-stündigen, ungehinderten Internetzugangs jedoch die freie (Aus-)Wahl vorgegaukelt wird? Was zeichnet mich als Individuum aus? Ist es das Unerwartete, das Unerwartbare, das ich tue? Oder ist es nicht vielmehr die Fähigkeit, die Virtualität von der Realität unterscheiden zu können, und der unbedingte Wille, zu hinterfragen, sich rückzubesinnen und in der Lage zu bleiben, Dinge zueinander in Bezug zu setzen, um sich eine Meinung zu bilden, die man äußert – als Wähler/in, Konsument/in, Arbeitnehmer/in etc.? Die Chance, einen Moment unbeobachtet und unerkannt inne zu halten und aus dem digital gesteuerten Schwarm auszubrechen, die sollten wir uns alle erhalten. Beta hat das begriffen. So will sie mit ihrem neuen Projekt eine Brandmauer ziehen, um einen solchen individuellen, privaten Schutzraum für diejenigen zu schaffen, die ihn für sich erhalten wollen. Zuerst war es eine Schnapsidee von Johannes, Lea und ihr, für einen Wettbewerb in den TechBus einzusteigen, um die nervigste und nutzloseste App ever zu entwickeln, eine die man nicht vermarkten kann. Sie und ihr Team müssen jedoch lernen, dass auch Scheitern gelernt sein will. Ausgerechnet Toboggan und sein Look bringen sie am Ende auf eine neue Projektidee, in der sich auch Lavinia und ihre Kompromisslosigkeit widerspiegeln. Definition of Done und Happy End für Beta? Vielleicht. Gesetzt ist das nicht. Für uns alle ist das Ende der Geschichte, vor allem der gute Ausgang, auch noch längst nicht gesetzt.
    „Pixeltänzer“ ist ein cleverer Roman, der geschickt drei Erzählstränge verbindet - den der Ist-Zeit mit Beta in ihrem beruflichen und privaten Umfeld, den der Schnitzeljagd mit Toboggan und den historischen rund um die Maskentänzer -, und der viel Trail-Mix (Studentenfutter) for Thoughts bietet. Und damit das Denken nicht zu anstrengend wird, darf auch zwischendurch schallend über die Heldin Beta gelacht werden, die eine goldige, nie verächtlichmachende Ironie an den Tag legt, und die durch Kimme und Korn auch auf sich anlegt. "Pixeltänzer" zu lesen, hatte für mich einen Mehrwert.

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    janein

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