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Raubkind

Von der SS nach Deutschland verschleppt
 
 
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Klaus B. ist Mitte Siebzig, als sein ordentliches Leben aus den Fugen gerät. Er erfährt, dass er als Kind Opfer eines Verbrechens wurde. Er selbst kann sich an nichts erinnern. Mit Hilfe einer Journalistin findet Klaus B. heraus, dass er in Polen zur Welt...
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Klaus B. ist Mitte Siebzig, als sein ordentliches Leben aus den Fugen gerät. Er erfährt, dass er als Kind Opfer eines Verbrechens wurde. Er selbst kann sich an nichts erinnern. Mit Hilfe einer Journalistin findet Klaus B. heraus, dass er in Polen zur Welt...
Kommentare zu "Raubkind"
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  • 5 Sterne

    3 von 4 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    Elke S., 24.11.2018

    „Nach Nazikategorien ein Superkind“ Das Los des Klaus B.

    Erst kürzlich habe ich eine historischen Roman über die Schweizer Verdingkinder gelesen und da sich hinter dem Begriff Lebensborn ja ebenfalls Kinderraub versteckt, war ich sehr gespannt auf diese Biografie.

    Es existiert keine Geburtsurkunde, aber dass er am richtigen Tag Geburtstag feiert, seine leiblichen Eltern verstorben sind und er von Familie Schäfer rund um Ostern 1944 als Pflegekind aufgenommen wurde, glaubt Klaus B. nun seit über siebzig Jahren. Seine Wahrheit gerät allerdings stark ins Wanken, als sich die Journalistin Claudia Retter mit ihm in Verbindung setzt, weil sie bei ihren Recherchen auf seinen Namen gestoßen ist. Ingeborg Schäfer, eine Tochter der Pflegefamilie, hat ihn in ihrem Buch „Mutter mochte Himmler nie“ erwähnt. Die Journalistin, die sich mit Lebensborn beschäftigt, erhofft sich nun neue Erkenntnisse von ihm, da er aus genau einem solchen Heim in Bad Polzin zu den Schäfers gelangt ist. Klaus B. hat keinerlei Erinnerungen, weiß so gut wie nichts über Lebensborn und mit seinem schwachen Herz ist er nicht einmal sicher, ob er das dunkle Geheimnis in seiner Vergangenheit in seinem Alter überhaupt noch lüften will. Da ihm die Sache aber keine Ruhe mehr lässt, willigt er ein, dass Claudia Retter in seinem Namen Erkundigungen einziehen darf und schnell sind die Vollmachten an sie abgetreten. Was geschah bevor er, angeblich unterkühlt, verletzt und ausgezehrt bei den Schäfers ankam?

    Gleich zu Beginn und immer wieder zwischendurch erfährt man von der Kontaktaufnahme, davon, wie sehr das Thema Klaus B. aus dem Konzept bringt bzw. bewegt und auch von seinem inneren Dilemma. Will er seine Wurzeln kennen, oder doch lieber weiter den Mantel des Vergessens anbehalten? Überwiegend begleitet man als Leser allerdings die Journalistin Claudia bei ihrer Recherche. Man nimmt mit ihr Kontakt zu zahlreichen Organisationen auf, die sich um Familienzusammenführung nach dem Zweiten Weltkrieg kümmern, besucht mit ihr Archive und Heime, besucht die neu gefundene polnische Verwandtschaft von Klaus B. und wälzt mit ihr einiges an Literatur. So bekommt man nicht nur, wie die Einordnung als Biografie ja verspricht, einen knappen Lebenslauf von Klaus B., geboten, sondern erhält dabei Einblick in ihre Recherchearbeit und ganz klar auch in die Machenschaften bezüglich Lebensborn, nicht nur bei Klaus B..

    Die Autorin lässt in weiten Teilen einen Erzähler zu Wort kommen, der manchmal Klaus B. Perspektive beleuchtet, ganz oft aber Claudia Retter begleitet, die dieser allerdings immer nur unpersönlich mit „die Journalistin“ betitelt. Zudem erhält man auch Mitschnitte von Gesprächen, Quellenauszüge und zahlreiche Abbildungen geboten, was das Lesen unheimlich abwechslungsreich und kurzweilig macht. Der locker, flüssige Sprachstil tut sein Übriges dazu, dass die Biografie trotz aller Härte des Schicksals schnell verschlungen ist. Geschichte für den Laien leicht verständlich und interessant aufbereiten, das ist hier wirklich gut gelungen. Ich wurde nicht nur informativ unterhalten, sondern war stellenweise auch richtig gerührt bzw. habe schockiert gelesen.

    Die Autorin hat wirklich gründlich recherchiert, was schon der Roman, der im Verlauf die Journalistin ganz oft verschiedene Quellen vergleichen lässt, sondern auch die zahlreichen Anmerkungen deutlich erkennen lassen. Sehr gut hat mir auch das relativ zahlreiche Bildmaterial gefallen. Fotografien von polnischen Verwandten des Karl B., auch von den Schäfers, seiner Pflegefamilie, Fragebogen, Krankenakten, Akten und Unterlagen vom IRQ, vom Roten Kreuz,…, all das ergänzt die Biografie gekonnt und macht das Bild rund.

    „Mädchen und Jungen wurden getrennt und neu eingekleidet, dabei nahm man ihnen auch ihre kleinen Mitbringsel fort.“ Jeglicher Vergangenheit, jeder Erinnerung beraubt, den Willen gebrochen und dazu sprachlos gemacht. In einer anderen Sprache als Deutsch, was sie nicht konnten, zu reden war unter Prügelstrafe verboten. Paramilitärische Erziehung, entwürdigende psychologische Schauen und Einstufungen, sind nur einige Beispiele für die unvorstellbaren Verbrechen, die das NS Regime in ihrem irren Glauben begangen hat. Um das deutsche Blut durch vielversprechende Nachkömmlinge anderer Länder aufzufrischen und potentiell starke Gegner der Zukunft gleich auszufiltern, wurden unzählige Kinder ihrer Wurzeln beraubt und in sich verdient gemachte NS-Familien vermittelt. Kaum zu glauben, dass es den Hauptverantwortlichen dieser Verbrechen in den Nürnberger Prozessen tatsächlich gelungen ist, Lebensborn weitgehend als karitative Organisation hinzustellen und damit der gerechten Strafe zu entgehen. Die Autorin hat mit ihrer Biografie von Klaus B., der für mich stellvertretend für das Los unzähliger Leidtragender steht, einen wertvollen Beitrag gegen das Vergessen geleistet.


    Alles in allem kann ich „Raubkind“, die Biografie von Klaus B., der in die Hände von Lebensborn gefallen ist, wirklich empfehlen. Alle Geschichtsinteressierte finden hier bewegend, fesselnde Unterhaltung, bei der man ganz nebenbei sein Wissen aufpolieren kann. Noch fünf Sterne sind da auf jeden Fall drin.

    War dieser Kommentar für Sie hilfreich?

    janein
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