Rheinblick

Roman

Brigitte Glaser

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Von der Autorin des Spiegel-Bestsellererfolgs Bühlerhöhe

Deutschland, im November 1972: Niemand kennt das Bonner Polittheater besser als Hilde Kessel, legendäre Wirtin des Rheinblicks. Bei ihr treffen sich Hinterbänkler und Minister,...

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Kommentare zu "Rheinblick"

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  • 5 Sterne

    28 von 34 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    Dreamworx, 23.02.2019

    November 1972 – Bundeshauptstadt Bonn. Willy Brandt hat mit seiner SPD gerade bei den vorgezogenen Bundestagswahlen ein Wahlergebnis von 46% erreicht und steht nun vor schwierigen Koalitionsverhandlungen. Doch diese kann Brandt erst einmal nicht persönlich bestreiten, denn er muss sich direkt im Anschluss an die Wahl im Krankenhaus einer Stimmbandoperation unterziehen, die ihn dazu zwingt, für einige Zeit keinen Ton von sich zu geben, was seinen Rivalen natürlich Tür und Tor öffnet. Die junge Logopädin Sonja Engel hilft Brandt durch den Heilungsprozess, so dass er bald stimmlich wieder auf der Höhe ist und darf den berühmten Politiker nicht nur hautnah von seiner privaten Seite erleben, sondern kann auch einiges von den politischen Machtspielchen mitverfolgen. Währenddessen leitet die verwitwete und von Geldsorgen geplagte Hilde Kessel das „Rheinblick“, eine Kneipe, in der sich die politische Elite, kleinere Akteure, die Angestellten der Politbüros sowie die normale Bevölkerung die Klinke in die Hand geben und bei einem Essen oder einem Kartenspiel so manche internen Informationen fallen lassen. Auf diesem Wege erfährt Hilde auch von den Intrigen, die hinter Brandts Rücken geschmiedet werden. Wird sie die Informationen für sich behalten?
    Brigitte Glaser hat mit ihrem Buch „Rheinblick“ einen absolut würdigen Nachfolger für ihr Werk „Bühlerhöhe“ vorgelegt. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen, unterschwellig immer mit einer gewissen atmosphärischen Schwingung versehen, fesselt das Buch ab der ersten Seite. Die Autorin versteht es hervorragend, den Leser in die jüngste deutsche Vergangenheit zu ziehen und hautnah den Politzirkus mit seinem Machtgehabe und seinen Intrigen und geheimen Abmachungen mitzuverfolgen. Die Autorin lässt unter Verwendung von historisch belegten Persönlichkeiten und sehr guter Hintergrundrecherche den Leser auch den damaligen Zeitgeist sowie die gesellschaftlichen und sozialen Verhältnisse kennenlernen, wo Frauen noch immer für die Ehe, den Haushalt und die Familie zuständig waren und es noch galt, dass die Erlaubnis des Ehemanns vorliegen musste, damit eine Frau arbeiten durfte. Gleichzeitig galten die 70er Jahre als das Jahrzehnt des Aufbruchs, wo viele Studenten auf die Straße gingen, um für ihre Ansichten zu kämpfen. Wunderbar fließend verknüpft Glaser Realität mit Fiktion und macht die erzählte Geschichte zu einem echten Erlebnis, das die Erinnerung an die damaligen Ereignisse wieder ins Gedächtnis ruft. Obwohl die Handlung schon spannend genug ist, setzt Glaser noch einen zusätzlichen Höhepunkt durch einen ungeklärten Mordfall, der einige Verwicklungen nach sich zieht.
    Die Charaktere sind sehr gut geschliffen und detailliert in Szene gesetzt. Individuelle Eigenschaften gepaart mit der guten Beobachtungsgabe der Autorin lassen sie durchweg sehr realitätsgetreu und authentisch wirken. Der Leser darf sich unsichtbar zwischen ihnen bewegen und ihnen über die Schulter schauen. Brandt ist ein schwieriger Patient, nimmt keine Rücksicht auf sich selbst, sondern ist mit Haut und Haar bei den Koalitionsverhandlungen. Dabei kennt er keine Schonung, waswas seiner Gesundheit nicht gerade zuträglich ist. Krankenschwester Sonja fällt die besondere Aufgabe zu, sich um Brandt zu kümmern. Doch Sonja ist mit ihren Gedanken bei ihrer jüngeren Schwester, die spurlos verschwunden ist. Ihre familiären Verhältnisse sind nicht gerade rosig zu nennen. Hilde ist bereits Witwe und muss sich mit dem frisch-renovierten Rheinblick irgendwie durchbringen, auch wenn die Schulden ihr die Luft abschnüren. Sie gilt als verschwiegen und integer, doch weiß Hilde selbst am besten, dass dem nicht so ist. Max verdient sich seinen Lebensunterhalt als Taxifahrer, dabei ist er Student und lebt mit Sonja in einer WG. Er flirtet gerne und ist ein netter Kerl. Die Journalistin Lotti ist für kurze Zeit ebenfalls Mitglied in der WG. Sie hat den Auftrag für eine Bonner Reportage, doch der Mord lässt sie in andere Richtungen forschen. Auch die weiteren Protagonisten stützen die komplexe Handlung und machen sie rundum sehr gelungen.
    „Rheinblick“ ist nicht nur ein wahnsinnig spannender und atmosphärischer Roman, sondern eine tolle Zeitreise in die jüngste deutsche Vergangenheit, wo der Aufbruch seinen Anfang nahm. Absolute Leseempfehlung für ein Highlight dieses Jahres - Chapeau!

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    janein
  • 5 Sterne

    6 von 7 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    AnnaMagareta, 23.02.2019

    Politische Ereignisse der Siebziger Jahre

    "Rheinblick“ ist ein historischer Roman über die politische Situation und die Gesellschaft in Deutschland. Der Autorin Brigitte Glaser ist es gut gelungen den Zeitgeist der siebziger Jahre einzufangen und darzustellen.

    1972: Nach dem Wahlsieg der SPD mit Kanzlerkandidat Willy Brandt stehen Koalitionsverhandlungen an. Zuvor muss sich Brandt aber einer Stimmbandoperation unterziehen, der ein Sprechverbot folgt und in deren Anschluss er sich zur Genesung als Patient in die Hände der Logopädin Sonja Engel begibt, wodurch man auch die ganz private Seite des Kanzlers kennenlernt.

    Hilde Kessel ist die Wirtin der Gaststätte „Rheinblick“. Hier treffen sich die Bonner Politiker und diskutieren ausgiebig politische Ereignisse und auch über die Operation des Kanzlers. Hilde ist verschwiegen und politisch neutral.

    Weder Hilde noch Sonja ist politisch engagiert, aber beide erhalten durch ihren Beruf einiges an Insiderwissen, mit dem sie irgendwie umgehen müssen.

    Der Schreibstil von Brigitte Glaser ist eingängig und angenehm zu lesen. Geschickt verwebt sie Fiktion mit namenhaften Politkern, die bis heute jedem bekannt sind. Durch Perspektivwechsel ist die Handlung lebendig und fesselnd. Durch einen Mord und der Aufklärung von diesem wird die Spannung noch vergrößert.
    Neben den beiden Protagonistinnen und den Politikern, gibt es weitere interessante Charaktere wie die Mitbewohner aus Sonjas WG. Da sind Lotti eine Journalistin und Max ein Taxifahrer, die beide auch in die Ermittlungen des Mordes involviert sind.

    In einem Glossar am Ende des Buches werden die wichtigsten politischen Begriffe erläutert. Außerdem gibt es noch eine Soundtrack Auflistung, da die Autorin den einzelnen Kapiteln Musiktitel zugeordnet hat.

    Brigitte Glaser ist es gelungen die Atmosphäre der damaligen Zeit authentisch zu vermitteln und hat interessante Fakten in eine fesselnde Story verflochten. Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen und ich kann es politisch Interessierten nur empfehlen.

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    janein
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