Die Gestalt der Ruinen, Juan Gabriel Vásquez

Die Gestalt der Ruinen (eBook / ePub)

Roman

Juan Gabriel Vásquez

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Kolumbien 1948: Der liberale Politiker Jorge Eliécer Gaitán wird in Bogotá auf offener Straße ermordet. Sein Tod stürzt Kolumbien in die tiefste Krise seiner Geschichte. Jahrzehnte später wird ein Mann verhaftet, als er versucht, den Anzug Gaitáns...

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  • 4 Sterne

    Kirsten W., 17.09.2018

    Als Buch bewertet

    Sie treibt ihn um, die unheilvolle Geschichte seines Heimatlandes Kolumbien, gezeichnet von Gewalt, Terror und Bürgerkrieg. Juan Gabriel Vásquez begibt sich in seinem ambitionierten Roman "Die Gestalt der Ruinen" auf Spurensuche. Was sind die Wurzeln für die immer wieder aufflammenden blutigen Unruhen? Vásquez verortet sie in den Morden an zwei polarisierenden liberalen Politikern: Rafael Uribe Uribe, in 1914 von zwei sozial abgehängten und darob frustrierten Handwerkern mit Äxten erschlagen, und Jorge Eliécer Gaitán, in 1948 von Juan Roa Sierra, einem geistig verwirrten Einzeltäter, so hieß es, mit mehreren Schüssen niedergestreckt. Auf das Attentat auf den populären Präsidentschaftskandidaten Gaitán, der es sich auf die Fahne geschrieben hatte, Kolumbien aus den Klauen der Oligarchen und korrupten Machteliten zu befreien, folgte der Bogotazo, die Verwüstung Bogotás, und die Violencia, ein zehn Jahre währender Bürgerkrieg. Dieser entzündete sich im Kern, so die von Vásquez nahegelegte Interpretation, an der unaufgelösten Diskrepanz zwischen offizieller Wahrheit, die ihren Eintrag in die Geschichtsbücher beansprucht, und der von Zweifeln geschürten Spekulation, dass es eine andere - die wirkliche - Wahrheit dahinter gibt. Wer sich um die Wahrheit betrogen fühlt, misstraut der Macht, die er für die Manipulation verantwortlich macht. Und wenn sich dieses Misstrauen gegen die Machthaber richtet, desavouiert es alsbald das politische System und fordert seine Überwindung, notfalls mit Gewalt, die Gegengewalt auslöst. Die offenen Fragen nach Ermordung Uribes und Gaitáns boten den Humus für zersetzende Verschwörungstheorien, denen Vásquez in seinem Roman nachgeht. Willkommen in der kolumbianischen Version von Don DeLillos "Sieben Sekunden", in dem die Ermordung von JFK in einem raffinierten Spiel aus Fakten und Fiktion literarisch hinterfragt wird. Statt der Hauptfigur des Nicholas Branch, einem CIA-Archivar, der den Leser selbst in DeLillos Klassiker darstellt, lässt Vásquez sein literarisches Alter Ego unter seinem Namen als Ich-Erzähler auftreten. Ein Vexierspiel beginnt. Der Autor Vásquez lässt sein Roman-Ich (nachfolgend kurz: Vásquez), auf Dr. Franciso Benavides treffen, einen renommierten Chirurgen und leidenschaftlichen Sammler. Bei einem Abendessen im Hause Benavides stellt der Arzt Vásquez Carlos Carballo vor, der entpuppt sich im Gespräch als Verschwörungstheoretiker, der hinter jedem Attentat oder Tod eines Prominenten einen Plan unsichtbarer Kräfte wittert. Besessen ist er von der These, dass die Ermordung Gaitáns nicht das Werk eines Einzeltäters war. Von Vásquez erhofft er sich Informationen, schließlich war dessen Onkel seinerzeit in die Ermittlungen eingebunden. Vásquez erkennt den wahren Grund für seine Einladung. Liefern kann er nicht. Es kommt zum Streit. Vásquez wirft Carballo ein Whiskyglas an den Kopf. Benavides setzt ihn jedoch nicht vor die Tür, sondern zeigt ihm seine krude Sammlung von Erinnerungsstücken, darunter ein Teil der Wirbelsäule des ermordeten Gaitán. Vásquez ist von den Memorabilien und den Theorien fasziniert, die sich daran knüpfen, fängt aber nicht Feuer. In der Folgezeit unternimmt Carballo trotz der kassierten blutigen Nase einen perfiden Versuch, Vásquez in seine Recherchen einzubinden. Vásquez erkennt die Täuschung. Jahre später, Vásquez ist mit seiner Familie aus Spanien nach Bogotá zurückgekehrt, beklagt Benavides den Diebstahl der Überreste Gaitáns. Vásquez versucht Carballo als Täter zu überführen und geht zum Schein auf dessen Vorschlag ein, ein Enthüllungsbuch über die wahren Drahtzieher des Mordes an Gaitán zu schreiben. Carballo erstaunt Vásquez mit den von ihm den zusammengetragenen Fakten. U.a. gibt er ihm Einsicht in die Schrift "Wer sind sie?" von Marco Tulio Anzola, der im Fall Uribe im Auftrag dessen Familie eigene Nachforschungen - mit beunruhigenden Ergebnissen - angestellt hat. Und dann spannt Carballo den großen Bogen zwischen den Attentaten auf Uribe und Gaitán, der nicht minder überraschend ist. Gibt es ein Muster, das sich wiederholt? Was hat der Vater von Carballo damit zu tun? Und wird Vásquez das Buch schreiben? Die letzte Frage scheint beantwortet zu sein. Aber entspricht der Roman den Vorstellungen Carballos? Der Autor Vásquez erzählt prall, spannend und trotz der Fülle der vermittelten Details übersichtlich, sodass sich vor den Augen des Lesers ein kleinteiliges Puzzle zu einem wandausfüllenden Diptychon zusammensetzt. Die Bildhälften fallen asymmetrisch aus, da die Darstellung der Ermordung Uribes überbordend Raum beansprucht. Ein lässlicher Schönheitsfehler in der Konstruktion des Romans. Vásquez verwebt geschickt Fakten und Fiktion, erweckt durch den Kunstgriff, sich selbst zum Helden seines Romans zu machen, den Anschein einer autobiografischen Erzählung. Er zeigt dadurch auf: die Wahrheit changiert durch Überlieferung zwischen Wahrsein und Wahrhabenwollen. Ob Autobiografie oder Geschichtsschreibung, am Ende ist Wahrheit nichts anderes als ein durch Übereinkunft zur Wahrheit erhobenes Narrativ. Dies gilt umso mehr, je weiter die Geschehnisse zurückliegen. Auslassungen eröffnen Räume für Verschwörungstheorien und ihre Lightversion, "die einfachen Wahrheiten". Wenn der gesellschaftliche Konsens und das Vertrauen in die politische Elite schwindet, schwindet auch die Bereitschaft an dem gemeinsamen Narrativ festzuhalten. Dann ist sie da, die Zeit der Verunsicherer, die Sicherheit versprechen; der Lügner, die endlich sagen wollen, was die Wahrheit ist; der Aufklärer, die mit Meinungen mit Tatsachen gleichsetzen; der Heilsbringer, deren Grad ihrer narzisstischen Persönlichkeitsstörung sich erst nach ihrem Wirken im angerichteten Leid messen lässt. Wir Menschen sind - frei nach Albert Camus - immer Opfer unserer Wahrheiten, ob gestern in Bogotá, heute in Chemnitz und morgen in Irgendwo. Uns dies ins Bewusstsein zu rufen, hat sich Juan Gabriel Vásquez mit seinem Roman "Die Gestalt der Ruinen" angelegen sein lassen. Wir erzählen uns Menschheitsgeschichte u.a. als Interpretation ausgegrabener und aufbewahrter Körperruinen, als Folge von Ereignissen, als Summe einer auslösenden Kausalität, anders formuliert: als Gestalt der Ruinen. Aber ist sie das wirklich? Oder setzt unsere individuelle Entscheidung, einem Narrativ zu folgen, die Ursache für Geschichte? Laden wir Ereignisse, indem wir sie in Bezug zueinander setzen, erst mit Sinn auf? Und was ist, wenn diese Ereignisse doch nur zufälligen Charakters und ihre Verknüpfung im Dienst einer Idee, Ideologie gewillkürt sind? Das bleiben und sind die existenziellen Fragen, die Vásquez aufwirft. Darüber nachzudenken, lohnt gerade jetzt. Ein gutes Buch, ein wichtiges Buch, ein herausforderndes Buch. Es kommt zur rechten Zeit. Bei Licht besehen kommt es immer zur rechten Zeit. Denn irgendwo ist immer Kolumbien. Und irgendwo marschieren sie immer. Mal mit orangefarbenen Tüchern um den Hals, mal mit dauererigiertem Arm uswusf. weniger

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    janein

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