Ich dachte, älter werden dauert länger, Heike Abidi, Lucinde Hutzenlaub

Ich dachte, älter werden dauert länger (eBook / ePub)

Ein Überlebenstraining für alle ab 50

Heike Abidi
Lucinde Hutzenlaub

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Willkommen im Mittelalter!

Lucinde und Heike sind um die fünfzig. Früher dachten sie, das wäre das Alter, in dem man endlich angekommen ist. Seriös. Souverän. Würdevoll! Jetzt wissen sie es besser: Das Märchen vom In-Würde-Altern haben sie...

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    1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    Elke S., 14.06.2018

    Als Buch bewertet

    Wenn das erste halbe Jahrhundert vorbei ist, bevor man sich umguckt.

    Ich bin zwar erst 41 und habe bisher auch trotz der ersten Falten noch keinerlei Probleme mit dem Älterwerden, dazu bin ich generell wohl auch einfach zu wenig eitel, aber weil mich Heike Abidi mit ihrem spritzigen Schreibstil bisher immer ganz wunderbar unterhalten hat, dachte ich mir, dass ich mir ja einmal anschauen kann, was wohl mit 50 so auf mich zukommen kann.

    „Wer fragt schon danach was ich will? Mein Spiegel nicht, meine Waage nicht, meine Wahrnehmung nicht, niemand.“

    Das ist sicher eine ebenso unerschütterliche Tatsache, wie die, dass wir alle das Älterwerden nicht aufhalten können und genau mit dem Thema haben sich die beiden Autorinnen auseinandergesetzt, Lucinde Hutzenlaub, die den runden Geburtstag noch vor sich hat, ist diejenige, die sich unter keinen Umständen damit abfinden will, die händeringend versucht, alles Menschenmögliche zu unternehmen, dem Alterungsprozess die Stirn zu bieten. Heike Abidi hat die magische Grenze des halben Jahrhunderts, so es denn eine gibt, bereits überschritten und sieht das Thema um einiges gelassener, war aber bestimmt auch schon früher eher der Typ es entspannter anzugehen.

    Als Leser bekommt man nach einem Vorwort, bei dem sich beide Autorinnen vorstellen, eine Art Briefwechsel zwischen den beiden geboten. Lucinde (beide bevorzugen laut Buch das Du) spricht ein Thema an, Heike geht im sich anschließenden Abschnitt darauf ein, erzählt von ihrer Einstellung und ihren Erfahrungen dazu und kommt dabei noch auf die eine oder andere Idee, die Lucinde dann im darauffolgenden Beitrag aufgreifen kann und so weiter. Dass sich die beiden Autorinnen abwechseln, die Themen so von verschiedenen Sichtweisen beleuchten, hat mir gut gefallen.

    Die Beiträge sind in die drei Kapitel gegliedert. Es geht los mit „Wie es sich anfühlt. Bestandsaufnahme. Was bin ich und wenn ja, warum?“, hier berichten die beiden Damen von ihren Problemen, ihren Sorgen und den Erscheinungen, die die Jahre mit sich gebracht haben, und suchen vielfach auch eine Erklärung dafür. Warum kommen mir Tränen schneller, was sehen Männer im Spiegel und was die Frauen, welches Bild zeigen die Medien, warum sind Frauen Ü50 da so rar? Hier finden sich auch ausführliche Auflistungen von teilweise romantischen Filmen mit besonderen in die Jahre gekommener Schauspielerinnen, oder solche von bewundernswerten Frauen, die man sicher zum Vorbild nehmen könnte. Ich schaue äußerst selten Filme, Auflistungen bieten eher wenig Raum für Humor, deshalb hätten mir diese etwas knapper genügt.

    So ging es mir auch im zweiten Kapitel, „Die Sache mit der Optik, Wer schön sein will, muss reiben: Beauty im Selbstversuch“, das am wenigsten für die Lachmuskulatur geboten hat, immer wieder. Die beiden haben so einiges, was der Markt für die Erhaltung der Jugendlichkeit anbietet, ausprobiert, bei Botox angefangen, über Wimpernfärben bis hin zu Blutegelbehandlung gegen Krampfadern, hier sind ihre Erfahrungsberichte und Meinungen dazu. Auch die eine oder andere Übersicht zu Angebot, Wirkung und einer circa Preisangabe, Make Up Artikel, die Frauen mit auf eine einsame Insel nehmen würden und einiges mehr gesellt sich dazu. Wer sich im Überblick informieren will, einen ersten Einblick in die Möglichkeiten haben möchte, sich für Make Up und Co interessiert, wird hier sicher den einen oder anderen Tipp für sich finden. Wieder deutlich humorvoller und kurzweiliger geht im letzten Kapitel, „Und was machen wir nun? Spaß mit Sachen: Einfach was Neues Probieren.“, zu. Hier plaudern die Autorinnen mit ganz viel Selbstironie und jeder Menge Humor z.B. über ihre Suche nach der perfekten Sportart, verpatzte Hochzeitstage, Bemühungen mithilfe eines neuen gemeinsamen Hobbys die Ehe wiederzubeleben, Mädelsausflüge in die Erotikboutique und einiges mehr, was mir gut gefallen hat. Auch hier fehlen Aufstellungen nicht. So gibt es z.B. auch eine Anti Buquet List, die zwar sehr individuell, sicher aber als Anregung dienen kann, oder eine Top Ten Liste der Seniorenspams.

    Ich bin es gewohnt, dass mir Heike Abidi viel Anreiz für meine Lachmuskulatur bietet und das habe ich mir hier auch erhofft. Klar gibt es wirklich einiges davon und auch ihre Autorenpartnerin hat jede Menge Humor. Denke ich nur jetzt noch an den Blick Lucindes bei der Yoga Figur Herabschauender Hund in ihr Oberteil „Aufrecht ist alles an Ort und Stelle, aber verkehrt herum? Das ist gewiss ein Übersetzungsfehler aus dem Indischen. Herabhängende Haut muss es heißen. Ich weiß es genau.“, oder an Heikes Urteil über Zumba „…während man rumzappelt, wie eine teutonische Hupfdohle beim Karneval do Brasil und dabei schwitzt wie ein Schwein soll man Spaß haben“ kann ich jetzt noch vor mich hin grinsen. Enge Jeans, was soll´s, „Sitzen wird sowieso überbewertet“, „Elegant ist anders. Nein ich bin auf keinen Fall die, die aus der Torte hüpft.“, oder „Ich habe sportlich gesehen das erste halbe Jahrhundert den Körper geschont. Warum Ausdauer und Bewegung trainieren, wenn man sowieso noch ausdauernd und beweglich ist. Das wäre ja geradezu Verschwendung.“ Sprüche und Kommentare wie diese, haben für Spaß gesorgt, ganz genau wie ich mir das auch erhofft, aber eben abschnittsweise leider auch etwas vermisst habe.

    Gut gefallen hat mir die Ehrlichkeit der beiden Autorinnen. Die meisten Menschen kehren doch ihre Sonnenseiten heraus, klar alles ohne Nachhelfen faltenfrei, nein Kalorien zähle ich nicht, ich esse nur nicht,… Wer stellt sein Licht schon gern unter den Scheffel, redet über Tabuthemen, die eigentlich gar keine sein müssten? Die beiden tun das hier. Ja faltenfrei dank Botox, Permanent Make Up, warum nicht, das spart mir Zeit und Nerven, Probleme mit Füßen und Krampfadern, ja die haben wir auch, und auch wenn´s peinlich war, so eine Aufklärung darüber was der Sexmarkt so an Tools hergibt war doch auch interessant.

    „Das Herz bekommt keine Falten“ mit diesem Satz, der mir so besonders gut gefallen hat, möchte ich enden. Ich hätte vielleicht noch ein paar Jährchen waren sollen, dann wäre ich mit Sicherheit die bessere Zielgruppe für dieses Buch hier gewesen. Wobei vielleicht bleibe ich ja vom Koller auch ganz verschont, Heike Abidi hat mir ja auch die Hoffnung, dass die senile Bettflucht auf jeden Fall bald kommt, auch genommen. Aber als Geschenkidee für Freundinnen, die sich mit dem Altern schwerer tun wie ich, und allen Leserinnen, denen es ebenfalls so geht, kann ich es auf jeden Fall eine Empfehlung aussprechen. Noch vier Sterne von mir.

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    janein
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