Alain Robbe-Grillet

Französischer Roman- und Essay-Autor, Regisseur und Drehbuchautor. Alain Robbe-Grillet ist Hauptvertreter des Nouveau Roman, einer Gruppe von Autoren, die in den 50-er Jahren mit der Tradition herkömmlicher Romane brachen, indem sie den Schöpfungsprozess zum Thema machten und aufgaben, die Fäden der Gestaltung in der Hand zu halten. Totale Subjektivität war Ziel, Reflexionen über die Lage des Menschen in der Welt und die Stimulanz der Sinne durch Medien durchziehen das um die Motivkomplexe Erotik, Angst, Gewalt, Lust und Schmerz kreisende Werk. Zu Robbe-Grillets Romanen zählen "Les gommes - Ein Tag zuviel" (1953, "Dans le labyrinthe - Die Niederlage von Reichenfels" (1963) und "La maison de rendez-vous - Die blaue Villa in Hongkong" (1965).

Alain Robbe-Grillet schrieb das Drehbuch und die Dialoge für "Letztes Jahr in Marienbad", den Alain Resnais inszenierte und der 1963 den Goldenen Löwen von Venedig erhielt. Das Spiel mit der Zeit, der Gleichzeitigkeit von Erinnerung und Sein, von Vergangenheit und Gegenwart durchzieht als Thema auch Robbe-Grillets eigene zehn Spielfilme seit "L'immortellle - die Unsterbliche" (1963), artifizielle, auf traditionelle Dramaturgie verzichtende Spiele um Wahrnehmung und Orientierungsverlust in der modernen Welt. Es gibt Anklänge an Kriminalfilme wie in "Trans-Europa-Express" (1966, mit Jean-Louis Trintignant) und den Agententhriller ("L'homme qui ment", Drehbuchpreis der Berliner Filmfestspiele 1969), aber es wird auf die Auflösung der Handlung verzichtet.

In den 70-er Jahren wendet sich Robbe-Grillet im Zuge der durch "Emmanuelle" und "Geschichte der 0" ausgelösten Welle des Erotikfilms mit den hintereinander entstandenen Filmen "Glissements progressifs du plaisir" (1974) und "Le jeu avec avec le feu" (1975, mit "Emmanuelle"-Star Sylvia Kristel) der Welt erotischer Obsessionen zu: junge Mädchen erfüllen in abgeschiedenen Schlössern ausgefallene sexuelle Wünsche. Mit "Un bruit qui rend fou - The Blue Villa" verfilmt Robbe-Grillet 1994 seinen Roman "Die blaue Villa in Hongkong" und greift Motive aus "Marienbad" auf. Hauptdarstellerin ist Arielle Dombasle, die 1983 in Robbe-Grillets "La belle captive - Die schöne Gefangene" spielte und 2006 in einer Doppelrolle in "C' est Gradiva qui vous appelle" zu sehen ist, der von einem Archäologen erzählt, der in Pompeji die Statue einer schönen Frau ausgräbt und von deren Geist heimgesucht wird.

Alain Robbe-Grillet wurde 1922 in Brest als Sohn eines Fabrikbesitzers geboren, machte 1940 sein Abitur in Paris und studierte Landwirtschaftslehre, um Ingenieur zu werden. Von der deutschen Besatzungsmacht wird er 1943 zum Arbeitsdienst nach Nürnberg eingezogen, wo er als Dreher bei der Herstellung von Panther-Panzern arbeitet. Nach dem Krieg geht er 1948 freiwillig nach Bulgarien, um den Internationalen Brigaden beim Wiederaufbau des Landes zu helfen. Bis 1951 arbeitet er als Ingenieur für tropische Früchte in Paris, Martinique, Marokko und Guinea. Er wird Berater des Verlags Editions de Minuit und beginnt 1953 seine literarische Karriere. 1957 heiratet er Catherine Rstakian, mit der er eine Tochter hat. Robbe-Grillet lebt abgeschieden auf einem Gehöft in der Normandie, bereist die Welt und hält Vorträge an amerikanischen Universitäten.

2004 wurde Alain Robbe-Grillet in die Académie Francaise gewählt.

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