Bill Nighy

Er selbst versteht am wenigsten, warum Frau sich sehnt, vom Vampirfürst der "Underworld"-Reihe erotisch erlöst zu werden oder "Tatsächlich ... Liebe" schmachtet, wenn er "Love is all around" als Weihnachtsgedudel um den Planeten schickt.

In seiner Jugend konnte der Sohn einer Krankenschwester und eines Werkstattbesitzers davon nur träumen. Er war schüchtern, beeindruckte mit der sonoren Stimme mehr die Mütter als deren Töchter und "das war tödlich für mich". Als Erfolge auch in der Schule ausblieben und er das elterliche Aufsichtskonzept für überholt hielt, büchste er 15-jährig zum Persischen Golf aus. Dass er es nur bis Südfrankreich schaffte und seinen Vater telefonisch um 25 Pfund für die Heimreise anpumpen musste, war so peinlich für ihn wie der Brief, in dem er ihn instruiert hatte, nie nach ihm zu suchen.

"Das Aufgeblasenste und Dämlichste", was er je geschrieben hätte, bekannte Nighy später, der mit 17 nach Paris ging, um wie sein Idol Ernest Hemingway einen Roman zu schreiben, über den Titel "The Golden Calf" aber nie hinauskam.

Seine Rebellion endete mit der Schauspielausbildung, zu der ihn eine Freundin überredet hatte. In den Siebzigern und Achtzigern reifte er auf der Bühne, spielte in vielen Stücken seines Freunds David Hare. In einem lernte er 1982 Diana Quick kennen, die mit "Wiedersehen in Brideshead" ein Star geworden war und - für ihn noch reizvoller - Mick Jagger aus ihrer Jugend, aus der gemeinsam besuchten Schule kannte.

Wohl mehr mit Humor, selbstironisch und trocken, als mit seinem Erscheinungsbild Marke Nikotin und Hungertod eroberte er die Oxford-Absolventin, die zuvor viele Jahre Albert Finney liebte. Heiraten wollte Quick nicht, aber sie brachte Tochter Mary zur Welt, stand die Alkohol- und Drogenexzesse von Nighy durch, der nicht zufällig wie high ausgesprochen wird, trennte sich erst 2007 von dem seit 1992 ausgenüchterten, stets perfekt gekleideten Gentleman.

Vorbelastet als Trinker und Rock-Fan, der die Stones wie den Heiligen Gral verehrt, war Luftgitarrengott Nighy ideal besetzt für den in andere Sphären abgedrifteten Rocksänger, der in "Still Crazy" Hochzeitsfeiern mit "Hallo Wembley" eröffnete und aussah, als stünde er Modell für Madame Tussaud. In "Tatsächlich ... Liebe" variiert er diese Figur, in "Radio Rock Revolution" ist er eine Lightversion von ihr, muss sich vom Patensohn den Namen bestätigen lassen, schließlich sei eine Dekade von seiner Festplatte gelöscht.

Witzige Theatralik und Exzentrik zeichnen viele Rollen in seiner spät explodierten Karriere aus, ob als eitler Friseurchamp ("Über kurz oder lang"), untoter Piratencaptain ("Pirates of the Caribbean - Fluch der Karibik 2") oder gnadenloser 800-Jähriger in der "Underworld"-Trilogie. Wie etwa General Olbricht in "Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat" sind steife Bretter, bei denen der Blitz einschlagen muss, damit sie Haltung verlieren, die Spezialität von Nighy.

Romantische Rollen wie Kelly Macdonalds Verehrer im TV-Film "G 8 auf Wolke sieben" sind selten, ihm aber die liebsten, darf er doch Babes wie Kate Beckinsale oder Rose Byrne sonst nur väterlich in die Arme schließen. Dass er sich bald in "Wild Target" in Emily Blunt verliebt, in "Gideon's Daughter" noch seine Tochter, beunruhigt ihn weniger als die Actionanforderungen seiner Rolle eines Auftragskillers: "Wenn man mir einen Stunt zeigen will, denke ich nur an Hinlegen und Schlafen."

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