Christopher Lee

Er hat Erdlinge ausgesaugt, Jedi amputiert, Hobbits gequält und ist doch ein Gentleman. Seit 1947 dreht Horrorstar Christopher Lee Kinofilme und feiert mit 80 Jahren das Comeback seines Lebens.

Eine neue Generation erlebt nun, wie stilvoll sich das Böse präsentieren kann. Mit einem Doppelschlag bedroht der Oldtimer Mittelerde und eine weit, weit entfernte Galaxie: Als Zauberer Saruman zwingt er teuflische Kreaturen in die Schlacht gegen das Gute ("Der Herr der Ringe"), als abtrünniger Jedi-Meister Yoda aus dem Autogenen Training ins Laserduell ("Star Wars: Episode II").

"Zwei Dinge sind mir an diesem Film am wichtigsten", begründete Lee seinen Einzug ins Lucas-Universum. "Zum einen bin ich dadurch Teil der Filmgeschichte... zum anderen darf meine Figur überleben. Eine seltene Erfahrung für mich."

Schuld am Serientod ist der Edelbrite selbst, denn in über 250 Film- und TV-Rollen hat er alles gespielt, was in der Hölle Beifall bringt: Das Monster in "Frankensteins Fluch", die Mumie in "Rache der Pharaonen", fünfmal Dr. Fu Man Chu und neunmal den Stolz Transsilvaniens, Dracula.

Blutig, böse, britisch

Dazu kommt eine Galerie an unterschiedlichsten Halsabschneidern - von Rasputin bis zu Scaramanga ("Der Mann mit dem goldenen Colt"). Mit Bond-Schöpfer Ian Fleming verband Lee die Liebe zum Golf und - als sein Cousin - familiäre Bande.

Blaues Blut fließt in Draculas Adern, denn Lees Mutter, Gräfin Estelle Marie Carandini, entstammt altem europäischem Adel. Sein Vater war Kriegsheld (Burenkrieg, 1. Weltkrieg), er selbst Offizier mit der Lizenz zum Schweigen, weil er zum britischen Geheimdienst gehörte. Eine Plaudertasche war Lee aber ohnehin nie:

Deckel zu

"Niemand hat das Recht, etwas über mich als Privatmann zu wissen, es sei denn, ich mache mich selbst zum Narren und benehme mich schlecht. In diesem Fall ist es meine eigene Schuld".

Bekannt ist immerhin, dass der Mann, der mit Blicken töten kann, seit 1961 mit dem dänischen Ex-Modell Birgit Kroencke verheiratet ist, eine Tochter namens Christina hat, gerne liest, reist, Einsamkeit und Oper liebt und nach Etappen in der Schweiz und Kalifornien nun wieder in England wohnt. Und dies weder an der Decke noch im Sarg.

Multilingualer Höhlentroll

Dass der große Hagere mit der Baritonstimme fließend Französisch, Spanisch, Italienisch und Deutsch spricht, sich darüber hinaus auch noch passabel in Schwedisch, Russisch und Griechisch verständigen kann, ist eine Erklärung für seine Karriere. Eine andere ist seine Präsenz, die vor jeder Kamera Instant-Autorität zeugt.

Sein Lieblingsfilm ist "The Wicker Man", in dem er Menschen verbrennen ließ, um für seinen Heiden-Kult von den Göttern eine gute Ernte zu erbitten. Lee führte auch eine junge Nastassja Kinski dem Teufel zu ("Die Braut des Satans") und stand allein 22 mal mit einem ähnlich distinguierten Kollegen vor der Kamera, den er nun als "Star-Wars"-Bösewicht beerbte:

"Peter Cushing und ich haben so viele Horrorfilme zusammen gedreht, dass die Leute glauben, wir leben gemeinsam in einer Höhle." Mit seinem Image, das ihm trotz anderer Rollen anhaftet, ging Lee stets selbstironisch um, war stolz darauf, als Einziger sowohl Englands König Charles I als auch Frankreichs Ludwig XVI enthauptet zu haben. Das Monster hat also Humor.

Zum Totlachen

Das erklärt vielleicht sogar, warum Lee sogar Prinz Philip spielte, den Gatten der Queen, mit Sicherheit aber sein berufliches Fazit:

"Meine Moderation von 'Saturday Night Live' (1978) war für meine Karriere am wichtigsten. Diese Folge hat noch heute die dritthöchste Quote in der Geschichte der Show. Das bedeutet mir enorm viel."

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