Gérard Lanvin

Französischer Schauspieler. Vom Autodidakten zum zeitweise höchstbezahlten Darsteller, wurde Gérard Lanvin mit vielseitigen Rollen als viriler Macho und gebrochener Charakter in Komödien, Thrillern und Dramen. Lanvin hält sich weitgehend vom Filmbetrieb fern, unterhält in La Baule eine Bar, wo er mit Gästen diskutiert und dreht pro Jahr nur einen Film. In den 80er-Jahren war er in Film noirs zu sehen, in den 90ern verlor er fast den Anschluss, bis er 2000/01 mit Komödien ("Lust auf Anderes") sein Comeback feierte. Im Thriller-Biopic "Mesrine: L'instinct de mort" (2008) ist Lanvin als Gangster Charly (Charlie) Bauer Wegbegleiter von "Staatsfeind Nr. 1" Jacques Mesrine (Vincent Cassel) in den Monaten vor dessen Tod.

Gérard Lanvin wurde 1950 in Boulogne-Billancourt geboren, brach mit 17 Jahren die Schule ab und hielt sich mit Gelegenheitsjobs als Verkäufer auf Jahrmärkten über Wasser. Beim Verkauf von Jeans traf er auf Martin Lamotte, der ihn mit Komiker Coluche und Schauspielern bekannt machte, die im Café-Théatre auftraten und die Gruppe Splendid bildeten. Lanvin arbeitete als Maschinist und Beleuchter und erhielt 1977 seine erste Rolle in der Komödie "Vous n'aurez pas l'Alsace et la Lorraine". In Cannes traf der attraktive schwarze Prinz auf die Regisseure Bertrand Tavernier, der ihn im Lyon-Drama "Ferien für eine Woche", und Jacques Bral, der ihn im Film noir "Die Taxifahrerin" (beide 1980) einsetzte. Lanvin erfüllte die Erwartungen, die man in ihn als komplizierten und wortkargen Beau setzte, und wurde im psychologischen Drama "Eine merkwürdige Affäre" (1981), wo er als Angestellter einen Identitätsverlust erleidet, ein Name. In den Actionthrillern "Wahl der Waffen" (1980) erschießt er Gérard Depardieu, in "Kopfjagd - Preis der Angst" (1983) läuft er im Millionenspiel einer Live-Show um sein Leben, und in "Die Spezialisten" (1984) überfällt er einen Geldtransport.

In den 90er-Jahren verfeinerte Lanvin sein Repertoire, spielte in Nicole Garcias Familiendrama "Der Lieblingssohn" (1994) einen verschuldeten Hotelier aus Nizza und in "Mon homme" (1995) von Bertrand Blier einen Clochard, der zum Zuhälter wird. Unter der Regie von Claude Lelouch war er Trucker in "So sind die Tage und der Mond" (1990) sowie Jesus und Anführer einer Zigeunergruppe in "Die schönste Geschichte der Welt" (1993). Nach Jahren ohne wirklichen Erfolg feierte er 2000 als Bodyguard eines Provinzunternehmers in Agnès Jaouis Erfolgskomödie "Lust auf Anderes" ein Comeback. Im Action-Spaß "Le Boulet - Ball & Chain - Zwei Nieten und sechs Richtige", der 2001 zum Kinohit avancierte, gerät er als griesgrämiger Knacki, der im Lotto gewinnt und ausbricht, mit Benoit Poelvoord in die Rallye Paris-Dakar. Zum Misserfolg bei Publikum und Kritik wurde die Produktion um Kommissar "San Antonio" (2004, mit Depardieu), zu Erfolgen der Gangsterfilm "Les Parrains" (2005, mit Jacques Villeret) und die Ferienkomödie "Camping" (2006), wo er als Pariser Schönheitschirurg die Existenz bedrohende Bekanntschaft mit der Spezies Camper macht. Lanvin spricht Mammut Manfred in den "Ice Age"-Animationsfilmen.

Lanvin wurde 1981 mit dem Prix Jean Gabin für "Eine merkwürdige Affäre", 1994 mit dem César als Bester Hauptdarsteller für "Der Lieblingssohn" und 2001 mit dem César als Bester Nebendarsteller für "Lust auf Anderes" ausgezeichnet.

Chansonnier Renaud wurde durch Lanvin zu den Liedern "Les aventures de Gérard Lambert" und "Le retour de Gérard Lambert" inspiriert.

Lanvin lebt mit seiner Frau Jennifer, die er 1985 beim Dreh von "Moi vouloir toi" (Regie: Patrice Leconte) kennenlernte, und zwei Kindern in La Baule.

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