Henry Hübchen

Als Henry Hübchen 2005 für "Alles auf Zucker!" mit dem Deutschen Filmpreis als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde, schrieb er mit seiner Dankesrede Filmgeschichte: "Ick kleener Kommunist habe Adolf Hitler geschlagen!". Damit skizzierte er nicht nur den Stolz, dass er für seine hinreißende Darstellung des schlitzohrigen Berliner Lebenskünstlers Jackie Zucker ausgezeichnet wurde (auch der Darsteller des Adolf Hitler in "Der Untergang" war nominiert). Gemeint war ebenso die eigene Biografie, das Filmschaffen der ehemaligen DDR, die Tatsache, dass er der erste männliche DDR-Darsteller nach der Wiedervereinigung war, der diesen Preis erhielt, und die biografischen Verweise, die der Wende-Loser Zucker wie ein Kainszeichen mit sich trägt.

"Die ostdeutsche Antwort auf Marcello Mastroianni" (Stern) wurde 1947 in Berlin geboren, absolvierte die Schauspielschule Berlin-Schöneweide und debütierte auf der Bühne in Magdeburg. Seit 1974 gehörte Hübchen mal zur festen Besetzung, mal als freier Schauspieler zum Ensemble der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, wo er und Intendant Frank Castorf als das abgründigste Paar der Theaterwelt gelten und u.a. mit Inszenierungen von Tennessee Williams' "Endstation Sehnsucht" (Hübchen in der Marlon-Brando-Rolle als Stanley Kowalski) für Furore sorgen.

In der DDR debütierte Hübchen 1966 im ersten Defa-Indianerfilm "Die Söhne der großen Bärin", war der junge Jude Mischa in Frank Beyers Meisterwerk "Jakob, der Lügner" (1974) und der Neulehrer in Erwin Strankas "Die Moral der Banditen". Bekannt wurde er durch mehrere Auftritte in der TV-Reihe "Polizeiruf 110", wo er Ganoven aller Art spielte, sich als Vorstadt-Casanova aufspielte, junge Männer auf der Suche nach dem Glück porträtierte und in einer Folge Selbstmord beging. In diesen Dramen, die seinen Kinofilmen wie "Camping, Camping" (1977) ähnelten, wo er ältere Frauen verführte und stets den Drang hatte, einfach abzuhauen (in den Westen natürlich), wandelte sich Hübchen zum aufregenden Charakterdarsteller, der einen mexikanischen Töpfer ("Das wirkliche Blau") ebenso packte wie die Rolle eines Drifters in "Der Bastard" (1983). Seine Rolle als Unterhemd-Vater, der mit Katharina Thalbach wieder Spaß am Sex findet, gehört zu den Highlights in Leander Haußmanns Erfolgskomödie "Sonnenallee" (1999), die den Realsozialismus retrospektiv unterminiert.

Nach der Wende wurde Hübchen im Westen an der Seite von Katja Riemann in der Komödie "Ein Mann für jede Tonart" ein Name, glänzte in "Lichter" als prolliger Unternehmer und in TV-Psychothrillern wie "Liebestod" (2000), wo er als Polizeikommissar einen Doppelmord begeht und versucht, die Morde zu vertuschen. Seitdem war Hübchen in "Tatort"- Folgen und als Kommissar Törner in "Polizeiruf 110"-Folgen zu sehen. Die letzte "Polizeiruf"-Folge spielte er 2005. Im Kino ist er 2009 als alternder Filmstar mit Alkoholproblem in der Tragikomödie "Whisky mit Wodka" zu sehen.

Hübchen schrieb für die Band City den Song Casablanca. Seine Tochter Theresa Hübchen ("Alles auf Anfang") arbeitet ebenfalls als Schauspielerin.

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