Juliette Binoche

Sie hat tatsächlich nichts von einem Model, repräsentierte aber jahrelang einen Kosmetikkonzern. Sie ist keine platte Projektionsfläche für erotische Fantasien, dennoch pure Sinnlichkeit. Sie errötet wie ein Teenager, besitzt aber die Stärke einer Abenteuerin. Sie ist charmant, unwiderstehlich emotional, doch sie verführt nicht, sondern verzaubert - auch Frauen.

Am schönsten zu sehen in "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins", wo ihr selbst die Geliebte ihres Mannes verfällt. So eroberte Juliette ein Weltpublikum - nur fünf Jahre nach ihrem Debüt mit einer Dialogzeile im Drama "Liberty Belle".

Ihre Eltern, eine Schauspielerin und ein Theaterregisseur, waren ihre Inspiration. Mit zwölf meisterte sie die Bühne, in Molières "Der eingebildete Kranke" und Ionescos "Der König stirbt". Doch in den Bildungsfabriken stotterte Binoches Motor. "In der Schule hatte ich Schwierigkeiten. Ich lernte später Lesen als die anderen, weil meine Eltern oft umzogen."

Die erste Trennung erlebte sie mit vier, mit der Scheidung der Eltern. Die nächste folgte, als sie mit der älteren Schwester Marion ins Internat musste. "Normalität ist für die Seele sehr gefährlich", glaubt Binoche, lebt dieses Credo auch vor der Kamera in Entdeckungsreisen aus.

In "Maria und Joseph" war sie eine moderne Versuchung für den sexuell frustrierten Bibelmann, in "Rendez-vous", nahm sie sich, nackt und neugierig, zwei Männer, erhielt die erste von acht César-Nominierungen.

In "Die Nacht ist jung" war Juliette die Geliebte Michel Piccolis, aber auch Sehnsucht eines jungen Diebs. Mit diesem romantisch idealistischen Drama begann ihre Beziehung zu Regiestar Leos Carax. Sie endete schmerzlich, aber auch meisterlich mit "Die Liebenden von Pont-Neuf". Ein wildes Gefühlsepos, das Hobbymalerin Binoche als erblindende Künstlerin mit ihren eigenen Bildern zeigte.

Obsessive Lovestorys wie auch "Verhängnis" prägten Juliettes erstes Jahrzehnt vor der Kamera, gekrönt von "Drei Farben: Blau", einer traurigen Hymne auf die Liebe.

Das Kino half ihr, sie auch selbst zu finden. Drei Jahre war Olivier Martinez ("Der Husar auf dem Dach"), vier Jahre Kollege Benoit Magimel an ihrer Seite, aktuell ist sie mit Santiago Amigorena liiert, dem Regisseur ihres Dramas "Quelques jours en septembre".

Nur Profitaucher André Halle, Vater ihres Sohns Raphael, atmete keine Branchenluft. Mit Magimel hat sie Tochter Hana, benannt nach ihrem oscargekrönten Pflegeengel in "Der englische Patient".

"Sie hat keine Schutzhaut, deshalb liegen Weinen und Lachen oft nahe zusammen", beschrieb Regisseur Anthony Minghella Binoches große Emotionalität, die auch schwächere Filme wie "Chocolat" adelt. Sie mag zerbrechlich wirken, weiß aber, was sie will: bald Regie führen, Filme drehen, die etwas zu sagen haben.

Miststücke, langweilige Muttis oder Heldendekoration in Actionfilmen spielt sie nicht, aber Figuren mit Geheimnissen, verwundeten Seelen, unerfüllten Träumen. Die schönste zuletzt war ihre bosnische Kriegswitwe in "Breaking and Entering" - ein Flüchtling, wie einst ihre Großmutter im Zweiten Weltkrieg.

Neben den polnischen Wurzeln von ihr macht Binoche auch marokkanische und brasilianische geltend. Entsprechend ausgelassen sieht man sie freilich selten.

Warum sind "Eine Couch in New York" oder aktuell "Dan - Mitten im Leben!" heitere Raritäten? "Kömödien deprimieren mich. Sie sind meist so hohl, dass man den Eindruck hat, Jahre seines Lebens zu verschwenden. Ich will Stoffe, an denen ich wachsen kann."

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