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Patrick Stewart

Dabei hat er selbst lange nicht an den Erfolg geglaubt: Es heißt, dass der Captain erst sechs Wochen nach Produktionsbeginn seine Koffer ausgepackt habe, weil er davon überzeugt war, dass seine baldige Entlassung bevorstehe.

Heute ist Stewart alias Jean-Luc Picard das Sinnbild des Helden im 21. Jahrhundert. "Picard ist tapfer, kultiviert und ein intelligenter Kopf," beschreibt der Schauspieler seine Star Trek Figur. "Er verhandelt erst und kämpft nur, wenn er dazu gezwungen wird."

Auch als Superhirn Professor Xavier in "X-Men" impft er seinen mächtigen Mutanten Zurückhaltung und Toleranz ein - selbst wenn das diesen als Außenseiter der menschlichen Gesellschaft nicht eben leicht fällt. Schon der erste Teil der hochkarätig besetzten Comic-Verfilmung war ein derart überwältigender Erfolg, dass "X-Men 2" entgegengefiebert wurde, wie sonst nur den neuen "Star-Wars"-Filmen.

Goldgrube Kommandobrücke

Doch ohne seine Rolle als Captain Picard hätte Stewart sicher nie in Xaviers Rollstuhl Platz nehmen dürfen. Auch seine heißgeliebte Katze Bella, seinen guten Kumpel und Trauzeugen Brent Spiner (Data) und nicht zuletzt seine Gattin, die Produzentin Wendy Neuss, hat Stewart am Set von Star Trek aufgegabelt. Und seinen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood hat er wohl zum großen Teil seiner Beliebtheit als Sternenflottenkapitän zu verdanken.

Dabei war Stewart zunächst selbst für die Rolle des Data geplant. Als Captain der Enterprise NCC-1701-D wollte Produzent Gene Roddenberry lieber einen "echten" Franzosen. Aber Stewart überzeugte mit seiner charismatischen Darstellung des Sternenflottenoffiziers - nach dem Casting gab Roddenberry nach und der Brite aus Yorkshire saß als Captain der nächsten Generation auf der Kommandobrücke.

Energie für mehr

Dabei hat der Mann mit der hohen Stirn - der Haarausfall kam bereits mit 19 - weit mehr auf dem Kasten als nur stupide Befehle, wie "Energie!" oder "Machen Sie es so!" von sich zu geben.

Seit 1967 ist er aktives Mitglied der Royal Shakespeare Company. Er spielte King John, Shylock, Heinrich IV. und Othello. 1985 brachte ihm Charles Dickens' "A Christmas Carol" einen Drama Desk Award ein. Das besondere daran: Stewart hatte das Stück zu einer One-Man-Show umfunktioniert und erhielt somit den Preis als Bester Solokünstler.

Big Screen, Small Screen

Neben zahlreichen kleineren Parts, z.B. in "Der Wüstenplanet" von David Lynch oder in "L.A. Story" an der Seite von Steve Martin kann Stewart auf eine ereignis- und erfolgreiche Fernsehkarriere zurückblicken. So wurde er für seine Darstellung des Captain Ahab im TV-Remake von "Moby Dick" 1998 für den Emmy nominiert. In England und den USA zeigt er sein charakterstarkes Antlitz auch gerne mal in Werbespots.

Ein Kinohighlight war sein Auftritt 1997 als eiskalter CIA-Psychiater neben Mel Gibson und Julia Roberts in "Fletcher's Visionen".

Säufersohn

Stewart hat eine klassische Schauspielausbildung hinter sich. Bevor er allerdings 1957 an der Old Vic Theatre School in Bristol aufgenommen wurde, arbeitete er eine Weile als Juniorreporter bei einer regionalen Zeitung in England - und das, obwohl er mit 15 Jahren die Schule ohne jeglichen Abschluss verlassen hatte.

Seine Kindheit verlief brutal und chaotisch. Sein Vater, ein Berufssoldat, verprügelte im Suff regelmäßig Frau und Kinder. "Ich wusste nie, was mich zu Hause erwartet," sagt Stewart heute. Darum mied er sein Elternhaus, die Bühne eines Amateurtheaters wurde seine neue Welt.

Druckerschwärze und Sägespäne

Als ihm der Chefredakteur seiner Zeitung sagte, dass er zu viel Zeit am Theater verbringe und zu wenig arbeite, schmiss Stewart den Redaktionsjob und arbeitete ein Jahr lang als Möbelverkäufer, um für seine Schauspielausbildung Geld heranzuschaffen.

Schon zwei Jahre später debütierte er als Theaterschauspieler und tourte unter anderem mit der Old Vic Company durch die Welt.

Angst, trotz seiner großen darstellerischen Fähigkeiten für die Leute immer "Picard" zu sein, hat Stewart nicht: "Es ist ganz einfach mein Job, auf der Bühne oder in meinen Filmen so aufzutreten, dass die Leute Jean-Luc Picard vergessen. Und mir ist völlig bewusst, dass ich dieser Rolle sehr sehr viel verdanke - es war ein großes Glück für mich, dass ich so lange in 'Star Trek' spielen durfte."

Tschüß Jean-Luc, Hallo Daniel

Am Set von "Star Trek: Nemesis", der mit dem Slogan "Die letzte Reise einer Generation" ins Kino kam, gab's daher bei der Schlussklappe sogar Tränen vom Captain.

Stewarts Sohn Daniel scheint übrigens des Vaters Spuren zu folgen. Er spielt in England Shakespeare und arbeitet in Amerika für Film, Fernsehen und Theater. "Daniel ist mit Shakespeare aufgewachsen," erzählt Stewart nicht ganz ohne Stolz. "Er hat uns schon als kleiner Junge bei den Proben zugesehen."

Himmlische Eitelkeit

Hoffentlich übernimmt Sohnemann nicht auch Papas kleine Eitelkeiten: Wenn die enge rote Sternenflotten-Uniform Falten wirft, zupfft Stewart sie stets geistesabwesend zurecht, bis sie wieder glatt und sexy anliegt. Jonathan Frakes alias des Captains Erster Offizier Riker taufte dieses Tun scherzhaft "Das Picard Manöver".

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