Sam Rockwell

Der schräge Indie-Vogel Sam Rockwell ist wieder unterwegs. Dass er den durchgeknallten Zaphod im SciFi-Klamauk "Per Anhalter durch die Galaxis" gespielt hat, ist nun schon drei Jahre her. Nach einer Rolle im Neo-Western "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" verkörpert er jetzt einen Vater, dessen Familie zu zerbrechen droht.

In "Joshua" spielt Rockwell Brad Cairn, der mit seiner Frau gerade ein zweites Kind bekommen hat. Als sein älterer Sohn daraufhin eifersüchtig wird, muss Brad feststellen, dass sich hinter der harmlosen Fassade seines Sohnes eine gestörte Persönlichkeit verbirgt.

Es ist mehr als eine Vermutung, dass sich der 39-jährige Kalifornier in ausgefallenen Rollen wie in "Per Anhalter durch die Galaxis" und "Box of Moonlight", in dem er einen freigeistigen Provinznudisten verkörpert, gefällt. Sein Rollenspektrum wird jedoch immer vielfältiger.

Verrückte Jugend

Den Romantiker, der beim Rendezvous mit Zitaten von Francis Bacon glänzt und das Appartement seines Dates verliebt zum Blumencenter macht, hat man von ihm noch nicht gesehen. Wohl aber Schlitzohren, Killer oder auch Schläger, die dann von "Ninja Turtles" verprügelt wurden.

Rockwells Babyface tarnt seine Furchtlosigkeit als Akteur und Spuren einer wilden Kindheit:

"Meine Eltern waren Schauspieler, ich wuchs also in einem unkonventionellen Künstlermilieu auf. Im Sommer besuchte ich meine Mutter, und immer gab es dabei wilde Typen zu bestaunen. Sie schienen aus einem Andy-Warhol-Film zu stammen, sie rauchten auf den Dächern Marihuana oder hatten Sex. Ich habe in meiner Jugend ziemlich verrückte Sachen gesehen."

Früh übt sich

Nach der Scheidung seiner Eltern lebte Rockwell mit seinem Vater in San Francisco, absolvierte dort die High School of the Performing Arts. Sein Bühnendebüt feierte er mit zehn an der Seite seiner Mom - ein Ereignis, das ihn nicht traumatisierte, sondern für immer ans Theater band.

Nach seinem Schauspielstudium bestritt Sam den klassischen Branchen-Parcours: Jobs in Restaurants, Statist in Werbespots, kleine Kinoauftritte wie als Pomadeschläger in "Letzte Ausfahrt Brooklyn".

Lieber Actionheld als Ekelpaket

Als streunender Straßenköter gefiel Rockwell den Casting-Agenten und auch sich selbst, obwohl das Image ihn nicht wirklich beschrieb. "Mag sein, dass ich manchmal wie ein Macho wirke, dabei bin ich noch nicht einmal richtig erwachsen", outete er sich noch vor Kurzem und gleichzeitig seine Bewunderung für echte Männer wie Nick Nolte, Robert Duvall oder Tommy Lee Jones.

Actionheld wäre Rockwell gerne gewesen, doch auf ihn warteten Underdogs, Lebenskünstler oder Ekelpakete wie sein Killer in "The Green Mile", der Kinder missbrauchte und US-Heiligtum Tom Hanks ins Gesicht spuckte. Zehn Jahre nach seinem Debüt im TV-Horrorfilm "Clownhouse" hatte Rockwell den Mainstream erreicht.

Sundance Kid

Der Veteran vieler Indie-Streifen wie "Basquiat", "Heimliche Freunde", "In The Soup" oder "Somebody To Love", die letzten beiden inszeniert von Namensvetter Alexandre Rockwell, war angekommen.

Der Dauergast von Robert Redfords Indiefestival und damit rechtmäßig "The Sundance Kid" spielt heute in Studioprojekten wie "Galaxy Quest", "3 Engel für Charlie" und in Ridley Scotts "Tricks", obwohl ihn der Regisseur vor Jahren in "Die Akte Jane" gefeuert hatte.

Einfach bärenstark

Die Belohnung war seine bislang größte Rolle: In George Clooneys "Geständnisse - Confessions of a Dangerous Mind" spielte Rockwell nach einer wahren Begebenheit den TV-Produzenten und Moderator Chuck Barris, der parallel zur Fernsehkarriere als Killer für den CIA arbeitet und Reisen für das Handwerk des Tötens nutzt.

Für die Darstellung von Barris' Sexsucht, Selbstüberschätzung und schwarzen Scherzen im Studio wurde Sam Rockwell auf der Berlinale 2003 mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet.

Zappelphillip am Ziel

Auch 2008 zeigt sich Rockwell weiter vielseitig. Im Polit-Drama "Frost/Nixon" wird er als der Journalist James Reston Jr. zu sehen sein.

Der Rebell und Rumtreiber des Alternativkinos hat seinen Platz gefunden: "Ich habe eine Menge Hauptrollen gespielt. Keiner hat die Filme gesehen, aber ich konnte dadurch Erfahrung sammeln. Wenn ich jetzt Rollen in größeren Filmen bekomme, fühle ich mich dafür auch qualifiziert."

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