Stellan Skarsgård

Schon die hohe Stirn, das markante Kinn und sein schütteres blondes Haar geben der Erscheinung des Schweden eine besondere Note. Und es sind auch die verhärmten, vom Leben gezeichneten Figuren, die er am liebsten zum Leben erweckt.

Seinen internationalen Durchbruch hatte Skarsgård 1996 in der Rolle des ans Bett gefesselten Jan in Lars von Triers "Breaking the Waves". Allein der unendlich müde Blick seiner stahlgrauen Augen machte sein Spiel sehenswert. Ein Jahr später überzeugte er in der norwegischen Produktion "Todesschlaf" als schuldgeplagter, unter Schlaflosigkeit leidender Kommissar auf Mörderjagd. Dem Film wurde ein Hollywood-Remake namens "Insomnia" spendiert, in dem kein Geringerer als Al Pacino die Rolle des Schweden übernahm.

Auch Skarsgård selbst hatte da schon längst Fuß gefasst im amerikanischen Kino: Nach einem winzigen Auftritt in Philip Kaufmans "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" machte er vor allem als selbstloser Professor Lambeau in "Good Will Hunting" und als Sklavereigegner Lewis Tappan in Steven Spielbergs "Amistad" auf sich aufmerksam. Das brachte ihm den Europäischen Filmpreis für die "Beste Europäische Leistung im Weltkino".

Vorher schon war er von Spielberg für die Hauptrolle in "Schindlers Liste" angedacht gewesen, doch dem Regisseur war Skarsgårds für den Part wohl zu kantig. So wandte er sich in Hollywood dem Mainstream-Kino zu, mit Rollen in "Ronin", "Deep Blue Sea", "The Glass House" oder zuletzt "Fluch der Karibik 2", in dem er als traumatisierter Pirat "Stiefelriemen-Bill" den Kontrast zum exaltierten Johnny Depp bildete.

Seine vielschichtige Darstellung des tyrannischen und doch nachdenklichen Anführers der Sachsen wertete Antoine Fuquas "King Arthur" 2003 erheblich auf. "Ich konzentriere mich immer nur aufs Spielen", erklärt Skarsgård, der mit seinem reduzierten Spiel ohne Posen beinahe exotisch wirkt in manch abgehobener Produktion.

Die Verbindung zum europäischen Kino hat er auch nie abreißen lassen. Für Lars von Trier stand er nach "Breaking the Waves" noch in so gegensätzlichen Werken wie "Dancer in the Dark" und "Dogville" vor der Kamera.

In dem französischen Film "Signs and Wonders" von Jonathan Nossiter trat er 2000 als Ehemann von Charlotte Rampling auf, außerdem spielte er in Mike Figgis' Experiment "Time Code".

Ein Jahr später glänzte Skarsgård in "Taking Sides" in der Hauptrolle des Dirigenten Wilhelm Furtwängler, der wegen seines Opportunismus während der Nazi-Diktatur höchst umstritten war. Ein weiterer "Professional", ein Mensch, dessen Beruf zum Fluchtweg werden soll vor dem Druck der Umwelt und des eigenen Gewissens. So erging es bereits dem Polizisten Jonas Engström in "Todesschlaf" und nun trifft dieses Schicksal den spanischen Maler Francisco Goya, den Skarsgård in seinem neuesten Film "Goyas Geister" unter der Regie des großen Milos Forman spielt.

"Er arbeitet mit geringen Mitteln, sehr subtil, und gibt seinen Figuren so große Glaubwürdigkeit", fasst der tschechische Regisseur die Leistung seines Hauptdarstellers zusammen. Der meint selbst: "Es gibt kein Overacting an sich, sondern höchstens Darstellungen, die der jeweiligen Rolle unangemessen sind."

Wahre Menschen sind es, die Stellan Skarsgård uns zeigt, runde Charaktere mit nachvollziehbaren Problemen.

Auch er selbst mag es lieber unspektakulär: Skarsgård, am 13. Juni 1951 in Göteborg geboren, ist seit über dreißig Jahren mit seiner Frau My, einer Ärztin, verheiratet. Die beiden haben sechs Kinder. Viel zu tun für den Mann, auch beruflich: Drei Produktionen für das nächste Jahr stehen jetzt schon fest - und natürlich darf es auch mal wieder ein wenig krachen, zum Beispiel in "Fluch der Karibik 3".