Toni Collette

Eitelkeit taucht nicht auf im Vokabular der 34-Jährigen, die vor der Kamera furchtlos scheint. Für Muriels Hochzeit legte sie 40 Pfund zu, für In den Schuhen meiner Schwester 25 Pfund - obwohl sie jahrelang mit ihrem Gewicht und Bulimie gekämpft hatte.

Fressattacken hat sie immer noch - heute jedoch ohne Nebenwirkungen. Belustigt erinnert sie sich, wie sie 2006 auf einem Flughafen in Thailand Donuts im Akkord vernichtete: Ich stopfte sie in mich hinein, als würde mein Überleben davon abhängen. Ein Freund erzählte mir später, dass mich eine australische Familie entsetzt dabei beobachtet hat.

Wie sie auf andere wirkt, ist für Toni kein Thema. In About a Boy hatte sie Outfits wie ein mobiler Flohmarkt an und blieb trotz dieser Lachnummer berührend als selbstmordgefährdete Mutter.

In Peter Greenaways Skandalfilm 8 1/2 Women trug sie dagegen nur Natur und Glatze. Sie schockte allerdings auch privat schon geschoren. Das erste Mal stockbetrunken in Mexiko, das letzte Mal kurz nachdem sie ihren späteren Mann beim Barbecue kennengelernt hatte: Ich glaube, das war nur ein Beziehungstest. Ein erfolgreicher, denn seit 2003 ist sie mit Dave Galafassi verheiratet, lebt mit ihm in Sydney, teilt mit dem Exdrummer der Outback-Rocker Gelbison auch die musikalische Leidenschaft.

Schon in ihrer Jugend wurde die Tochter eines LKW-Fahrers und einer Angestellten mit Stimmbandfieber infiziert. Mit 14 sang sie in der Schule in dem christlichen Musical Godspell, Jahre später am Broadway in The Wild Party. Für dieses Musical musste sie Chicago ziehen lassen, verlor dann mit Bridget Jones einen weiteren, bereits sicheren Traumpart an Renée Zellweger.

Terror machte Toni danach nicht. Stattdessen sang sie sich mit Nia Vardalos als Drag Queens Connie and Carla den Frust von der Seele, nachdem sie im Drama Cosi den Schmuseoldie Stand By Me sogar a cappella gemeistert hatte. Ich werde nicht schnurren, nicht das kleine Sexkätzchen geben, nur die Musik rauslassen, die ein Teil von mir ist, beschreibt die Songwriterin ihre Ambitionen, die sich bereits in einer Debüt-CD mit ihrer Band Toni Collette and The Finish niedergeschlagen haben.

Ein Hit wie Kate Winslets What If fehlt ihr noch, aber als Kontrastprogramm zu Hollywoods Hungerhaken und als Kamerachamäleon verbindet sie vieles mit der englischen Rose. Obwohl Toni ihr Schauspielstudium bereits nach 18 Monaten für ihr Filmdebüt in der Komödie Made in Spotswood - Die Fabrik der schrägen Vögel abbrach, beherrscht der Theaterprofi ein großes Rollen- und Gefühlsspektrum.

Schüchtern ist Toni in Muriels Hochzeit und Emma. Besorgt bemuttert sie in The Sixth Sense einen kleinen Ghostwhisperer, was ihr sogar eine Oscar-Nominierung einbrachte.

Verunsichert wirkt Collette als schnatternde 50er-Frau, die von Julianne Moore ruhiggeküsst wird (The Hours), selbstverliebt als Filmdiva in The Last Shot. Warmherzig, aber ausgenutzt als Abtreter eines Partygirls zeigt sie sich in In den Schuhen meiner Schwester, kämpferisch als Muttertier in Little Miss Sunshine und sinnlich als Rockerbraut in Velvet Goldmine. Diese Rolle gab den Startschuss für eine einjährige Intensivbeziehung mit ihrem Co-Star Jonathan Rhys-Meyers.

Dass sie trotz dieser Bilanz nicht im Mittelpunkt steht, oft erst auf den zweiten Blick wahrgenommen wird, sieht Collette als Vorteil: Ich bin Schauspielerin, kein Filmstar. Und das ist mir auch lieber so.

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