vor 7 Monate

Gemüse vorziehen – so klappt‘s

Gurken, Zucchini, Tomaten und Co. - nichts ist schöner, als den jungen Gemüsepflänzchen beim Keimen und Wachsen zuzusehen

Die Gartensaison steht vor der Tür

Passionierte Hobbygärtner können es schon gar nicht mehr erwarten, endlich wieder in der Erde zu wühlen. Doch wer im Sommer und Herbst leckeres Gemüse ernten möchte, sollte noch etwas Geduld haben. Denn die meisten Gemüsepflanzen lieben Wärme und sollten nicht zu früh nach draußen kommen. Auf der Fensterbank fühlen sie sich dagegen wohl und werden groß, stark und widerstandsfähig, bis sie endlich ins Freie dürfen.

Das Gemüse-Vorziehen hat Vorteile

  • Das meiste Saatgut für Gemüse braucht Wärme, um zu keimen. Vor allem Fruchtgemüse wie Paprika, Zucchini und Aubergine, das ursprünglich aus dem Mittelmeerraum kommt, mag kuschelige Temperaturen.
  • Für viele Gemüsearten ist es zu spät, wenn sie erst nach den Eisheiligen im Mai gesät werden. Dann bleibt den Pflanzen nicht genügend Zeit, um sich zu entwickeln und die Ernte fällt aus. Deshalb lieber vorsorgen und frühzeitig drinnen vorziehen.
  • Die Auswahl an jungen Gemüsepflanzen ist begrenzt. Beim Saatgut gibt es dagegen eine große Vielfalt. Mittlerweile finden in vielen Städten auch Tauschbörsen für Samen von Gemüse, Obst und Blumen statt. Probieren Sie doch einfach mal etwas Neues aus!

Klick-Tipp:

Lust bekommen auf junges Gemüse im Garten? Dann stöbern Sie doch mal in der Weltbild Gartenwelt, dort finden Sie zum Beispiel

Extra-Tipp: Achtung Eisheilige

Alte Bauernregeln besagen, dass empfindliche Pflanzen erst nach den Eisheiligen (10. bis 15. Mai) ausgesät oder ins Freie gepflanzt werden sollten. Denn schon vor Jahrhunderten wurde beobachtet, dass in diesen Tagen häufig ein Kälteeinbruch kam, weil kalte Polarluft von Norden her nach Deutschland kommt und dem schönen Frühlingswetter für ein paar Tage eine Pause beschert. Die Folge: viele Pflanzen erfrieren. Deshalb Pflanzzeiten lieber genau beachten.

Als Aussaatgefäße eignen sich Anzuchtplatten mit vielen kleinen Kammern, Quelltöpfe aus Torf oder Kokosfaser oder einfach ausgediente Eierkartons

Der richtige Zeitpunkt für den Start in die Gemüsesaison

Ab wann Sie welches Gemüse aussäen sollten, hängt davon ab, wie lang die Wachstumsperiode jeweils dauert. Angaben zu Saat- und Pflanzzeiten finden Sie auf den Samentütchen oder in speziellen Kalendern für Gemüsegärtner.

Im März können Sie zum Beispiel folgendes Gemüse drinnen oder im Gewächshaus vorziehen:

  • Paprika
  • Mangold
  • Fenchel
  • Rucola
  • Kohlrabi
  • Kopfsalat

Im April können Sie diese Gemüsepflanzen vorziehen:

  • Tomaten
  • Kürbis
  • Zucchini
  • Gurken

Auch Küchenkräuter wie Basilikum, Petersilie und Dill können Sie ab März auf der Fensterbank vorziehen und später ins Freie pflanzen.

Platzangebot und Standort vorher checken

Beim Vorziehen der Gemüsepflanzen am besten vorher bedenken, dass später beim Auspflanzen genügend Platz im Beet oder Kübel vorhanden sein muss. Also lieber nicht zu euphorisch ans Werk gehen. Wichtig ist auch, den idealen Standort auszusuchen. Denn selbst die kräftigste Jungpflanze wächst draußen nicht optimal weiter, wenn sie beispielsweise statt Sonne Wind und Halbschatten bekommt.

Das brauchen Sie für die Aussaat zu Hause

  • Saatgut
  • Anzuchterde
  • Aussaatgefäße

Anzuchterde ist speziell auf die Bedürfnisse der Jungpflanzen abgestimmt. Sie enthält wenig Nährstoffe, wodurch das Wurzelwachstum der Pflänzchen angeregt wird. Immer beliebter werden auch torffreie Alternativen aus Kokosfasern.

Bei den Aussaatgefäßen können Sie wählen zwischen:

  • Blumentöpfen aus Ton oder Plastik
  • Schalen mit gutem Wasserabzug
  • Anzuchtplatten mit vielen kleinen Kammern
  • Quelltöpfen aus Torf oder Kokosfaser
  • Eierkartons

Quelltöpfe, aber auch Eierkartons, eignen sich besonders gut, um großsamige Pflanzen wie Gurken einzeln auszusäen und können später einfach mit eingepflanzt werden. Eine tolle Upcycling-Möglichkeit für alte Zeitungen: selbstgemachte Anzuchttöpfchen, die sich ebenfalls in der Erde zersetzen.

Bastel-Tipp: Pflanztöpfchen aus Zeitungspapier selber machen

Für die Anzuchttöpfchen brauchen Sie eine alte Zeitung und ein kleines Glasgefäß, zum Beispiel einen leeren Gewürzstreuer. Schneiden Sie eine Zeitungsseite der Länge nach in zwei Hälften, falten sie eine Hälfte – ebenfalls der Länge nach – bis zur Mitte und wickeln Sie den zweilagigen Papierstreifen um das Glasgefäß. Die Öffnung sollte dabei oben sein, sodass Sie nun das überstehende Papier hineinknicken können. Dann das Glas herausziehen – und fertig ist der Anzuchttopf.

Vorziehen von Gemüsepflanzen – Schritt für Schritt

Wenn alle Zutaten bereitstehen, kann es auch schon losgehen mit dem Säen:

  1. Die Anzuchterde locker bis zum Rand in das Pflanzgefäß geben und mit der Hand andrücken.
  2. Gemüsesamen gleichmäßig auf der Erde verteilen. Die Samen sollten nicht zu dicht beieinander liegen, damit sie gut wachsen und starke Wurzeln ausbilden.
  3. Die Samen von Lichtkeimern, also Pflanzen, die zur Keimung Licht benötigen, einfach leicht andrücken. Samen von Dunkelkeimern, zum Beispiel Kapuzinerkresse, Gurken und Kürbisse, mit einer dünnen Schicht Erde bedecken.
  4. Neben Wärme und Licht brauchen die Gemüsesamen Feuchtigkeit, um zu keimen. Daher sollten Sie die Anzuchttöpfchen beispielsweise mit durchsichtigen Plastikfolien abdecken. Besonders komfortabel sind Mini-Gewächshäuser für die Fensterbank. Regelmäßiges Lüften nicht vergessen, damit nichts schimmelt. Sobald die Keimblätter zu sehen sind, können Sie die Abdeckung entfernen.
  5. Zum regelmäßigen Befeuchten eignen sich eine kleine Gießkanne mit Haarbrause oder eine Sprühflasche.

Bei Weltbild entdecken

Extra-Tipp: Pflanzschilder basteln

Damit Sie später noch wissen, was Sie wo ausgesät haben, sollten Sie die Anzuchttöpfchen beschriften. Verwenden Sie z. B. alte Eisstiele als Pflanzenstecker oder stecken Sie beschriftete Korken auf Schaschlikspieße (vorbohren nicht vergessen!).

Umzug in den Einzeltopf

Wenn die ersten Laubblätter zwischen den Keimblättern zu sehen sind, wird es Zeit zum Pikieren (Vereinzeln). Die Pflänzchen am besten mit einem speziellen Pikierstab aus der Erde hebeln, dann einzeln in größere Töpfe setzen und den Wurzelansatz vorsichtig in die Erde drücken. Nach dem Angießen wachsen die Gemüsepflanzen nun so lange auf dem Fensterbrett weiter, bis es Zeit ist, sie ins Freie zu pflanzen.

Jetzt geht’s raus ins Freie

Die Gemüsepflänzchen sollten Sie nicht von jetzt auf gleich ins Freiland setzen, denn durch einen plötzlichen Temperaturwechsel könnten sie im schlimmsten Fall eingehen. Gewöhnen Sie sie lieber langsam an die neue Umgebung, indem Sie die Pflanztöpfe täglich für ein paar Stunden nach draußen stellen, später auch über Nacht. So ist das junge Gemüse bestens gerüstet, um draußen gut weiter zu wachsen und hoffentlich eine gute Ernte zu bringen.