vor einem Jahr

"Den letzten Gang serviert der Tod"

Foto: © Gaby Gerster

Der 13. Jennerwein-Fall ist da!

Schrullig und tollpatschig oder problembeladen und düster – nein, Kommissar Jennerwein passt in keine dieser Ermittler-Schubladen. Er ist – wie sein Schöpfer Jörg Maurer einmal in einem Interview sagte – schlicht unauffällig. Ohne markante, eckige Züge, Trenchcoat oder Schlapphut. Vielmehr habe er eine gewisse Ähnlichkeit mit Hollywood-Schauspieler Hugh Grant. Gutaussehend, aber nicht spektakulär. Dafür mit einem messerscharfen Verstand bewaffnet und immer der Ruhepol im hektischen Treiben.

In seinem 13. Kriminalfall, "Den letzten Gang serviert der Tod", haben es Hugh – Verzeihung – Hubertus Jennerwein und Team mit besonders unübersichtlichen Umständen und gleich vier Morden zu tun: Tatort ist die Restaurantküche des Gourmet-Tempels "Hubschmidt's". Die Mordwaffen: heiße Suppe, eine Bratpfanne, ein Filetiermesser und ein Pilzgericht. Warum auch nicht! "[...] Ist nicht die Küche, vor allem die gut ausgestattete, eine wahre Waffenkammer?", so Bestsellerautor Jörg Maurer im Weltbild Interview (weiter unten). "Messer und Hackebeile, kochend heiße Flüssigkeiten, überschwappende Fritteusen, Maggiwürze … Bei mir in der Küche hängt noch zusätzlich eine abgesägte Schrotflinte an der Wand – einfach der Vollständigkeit halber", erklärt er mit einem Augenzwinkern.

Seit über 20 Jahren schreibt Jörg Maurer Kurzgeschichten und Romane. Berühmt geworden sind seine Alpenkrimis um Kommissar Hubertus Jennerwein, der mit seinem Team in und um Maurers Heimatort Garmisch-Partenkirchen ermittelt. Foto: © Gaby Gerster

Die Liebe zu Krimi und Kunst

Der König des Alpenkrimis wurde Jörg Maurer übrigens erst in zweiter Karriere. Nachdem er mehrere Jahre in München als Lehrer gearbeitet hatte, begann er in den 80er-Jahren eine Laufbahn als Kabarettist, Musiker, Moderator und Regisseur. Die Liebe zu Krimi und Kunst reicht sogar noch weiter zurück wie er im Interview erzählt: "Ich war vom Polizeipräsidium München als Tatort-Maler angestellt, das habe ich lange als Studentenjob gemacht. Zum Louvre hat‘s dann freilich nicht gereicht." Dafür an die Spitze der Bestsellerlisten.

Waffenkammer Küche: Bestsellerautor Jörg Maurer gibt Einblicke in Jennerweins neuesten Fall

Im neuen Fall von Kommissar Jennerwein und Team dreht sich so einiges ums Thema Pilze. Waren Sie schon vor der Arbeit am Buch ein Hobby-Mykologe? Oder haben Sie hier neues Terrain betreten?

Jörg Maurer: Eindeutig neues Terrain. Ich kannte mich vorher mit Pilzen überhaupt nicht aus. Doch eines Tages habe ich gleich hinter meinem Haus einen wunderschönen, aber besonders giftigen Pilz entdeckt. Laut Pilzbestimmungs-App ist er so giftig, dass sich schon beim Hinschauen die ersten Vergiftungserscheinungen zeigen! Und schon war die Idee für meinen neuesten Roman geboren.

Generell geht es sehr kulinarisch zu am neuen Tatort: die Opfer werden in Suppe ertränkt, mit der Bratpfanne erschlagen, mit einem Filetiermesser erstochen und mit Pilzen vergiftet. Hegen Sie einen Groll auf die gehobene Gastronomie? Oder woher die Mordlust an Köchen?

Jörg Maurer: Nein, ich hege weder Groll auf die gehobene noch auf die abgesenkte Gastronomie, ab und zu bin ich selbst in beiden zu finden. Aber ist nicht die Küche, vor allem die gut ausgestattete, eine wahre Waffenkammer? Messer und Hackebeile, kochend heiße Flüssigkeiten, überschwappende Fritteusen, Maggiwürze … Bei mir in der Küche hängt noch zusätzlich eine abgesägte Schrotflinte an der Wand – einfach der Vollständigkeit halber.

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Unter den Opfern, den Hobbyköchen eines elitären Kochclubs, ist auch eine alte Bekannte von Jennerwein, Staatsanwältin Antonia „Brikett“ Beissle. Warum läuft es Jennerwein kalt den Rücken runter, wenn er an sie denkt?

Jörg Maurer: Sie ist eine alte Schulkameradin von ihm. Man weiß nicht, ob er in der Klasse lediglich neben ihr gesessen hat oder ob da mehr war. Das Team von Jennerwein (vor allem die schnell eifersüchtige Polizeipsychologin Maria Schmalfuß) rätselt … Aber jetzt ist es zu spät, man wird es nicht mehr erfahren.

Auf welche (bösen) Wiedersehen können wir uns im neuen Krimi freuen? Ist die Mafia wieder mit an Bord? Oder welches Personal steht neben Jennerwein im Fokus?

Jörg Maurer: Wie heißt es so schön: "Mit welchem Schiff du auch fährst, die Mafia ist immer an Bord". So auch in meinem neuen Roman. Diesmal tauchen fiese Geldeintreiber auf, die einen Zahlungsunwilligen schon mal in das XXL-Schließfach einer Bank stecken.

So manche Szene wird im Buch kurz auf die Leinwand geschmissen, wie „Wiese mit Kriminalisten, Öl auf Leinwand, 1864, Louvre“. Kommt da der Maler in Ihnen durch?

Jörg Maurer: Freilich, ich habe früher auch gemalt. Ich war vom Polizeipräsidium München als Tatort-Maler angestellt, das habe ich lange als Studentenjob gemacht. Zum Louvre hat‘s dann freilich nicht gereicht.

1 Kommentar
  • Wir G., 25.10.2020

    Nein, natürlich ist ein vierfach Mord - vergiftet, erstochen, ertränkt, erschlagen - nicht witzig. Aber, ganz getreu der Maurer-Art, ist dieses Buch gespickt mit witzigen oder aberwitzigen Redewendungen, Sprachbeiträgen und Gesprächen und voll von Situationskomik, die zum Schmunzeln, wenn nicht gar herzhaftem Lachen anregen. Allein die Sache mit dem Kennwort: Vergessen. Wie vergessen? Na, vergessen ist das Kennwort dieses Mitarbeiters. Wie kann man das Kennwort vergessen? Herrgott, das Wort "vergessen'" ist das Kennwort. Ja, jetzt fällts mir auch wieder ein. Sie haben das Kennwort auch vergessen? ... Dann die vielen falschen Fährten mit Bewertungsportalen bzw. Fakes darauf, dem Minaccioso und dem aberwitzigen Ermittlungsansatz mit dem Problembären. Ein bisschen heftig und auch nicht ganz glaubwürdig die Sache mit dem Passagierflugzeug. Aber lest einfach selbst. Ein echter Maurer, der einfach Spaß am Lesen macht. Und ein echter Gaumenschmaus für Pilzkenner.