vor einem Jahr

Du kannst sie nicht alle töten

Als „Der Dunkle Parabelritter“ gilt Lehramts-Student Alexander Prinz als erfolgreichster deutscher YouTuber, der sich mit dem Musikgenre Heavy Metal beschäftigt. Er organisiert Festivals, betreibt ein nachhaltiges Mode-Label und setzt sich zum Beispiel als Tagungsredner kritisch mit dem Thema digitale Medien auseinander. Aufgrund einer Augenkrankheit trägt er ein Glasauge. Foto: © privat

Hart, aber ehrlich: Der erste Bestseller von YouTuber Alexander Prinz

Ob Alexander Prinz ein Menschenfeind ist? Zumindest sieht der 26-Jährige seine eigene Generation kritisch. Und spart auch nicht an deutlichen Worten. Bis jetzt in erster Linie im Internet auf seinen populären YouTube-Kanälen. Einen Namen hat sich der Lehramts-Student vor allem in der Heavy Metal-Musikszene gemacht. Aber Prinz stellt längst nicht nur neue Musikalben auf den Prüfstand. "Den größten Ärger bereiten mir vor allem Ignoranten und Egoisten", erzählt er im Interview (weiter unten) und hat diesen nervigen Mitmenschen jetzt ein eigenes Buch gewidmet. "Du kannst sie nicht alle töten" trieft nur so vor Sarkasmus, findet harte Worte und präsentiert einen sehr authentischen Alexander Prinz.

"Manchmal muss man das Leben eben auch etwas grob anpacken, damit man es zu fassen bekommt."

Was steckt hinter seiner harten Schale und wie viel echte Emotion im neuen Buch? Alexander Prinz im Interview:

Sie sind DER Web-Star der Heavy Metal-Szene. Jetzt erscheint Ihr erstes Sachbuch, in dem es aber nicht um Musik, sondern um nervige Mitmenschen geht. Wie kam es dazu?

Alexander Prinz: Mit nervigen Mitmenschen kenne ich mich ein bisschen aus. Ich bin zwar kein Musiker aber doch ein nerviger Mitmensch. Im Internet bin ich vor allem eines: Kritiker. Nicht nur in musikalischer Mission unterwegs, sondern auch thematisch oft genug auch gesellschaftskritisch. Aber nach einem Vierteljahrhundert Menschsein muss man auch das erste Mal innehalten und über sich nachdenken, was man nun für ein fertiger Erwachsener geworden ist und ob man damit zufrieden ist. Und gerade die Corona-bedingte Zwangspause (Ich bin ja auch Festivalveranstalter) hat mir diesen Raum zum Grübeln gegeben.

Sie haben den Beinamen „Der dunkle Parabelritter“ – woher kommt der und passt er zu Ihnen?

Alexander Prinz: Die Entstehung des Namens ist genau so skurril wie vieles, was sie im Buch zu lesen bekommen werden. Tatsächlich basiert der Name auf einem Duell mit Mathematik-Tafelinstrumenten in einer Freistunde irgendwann in der 9. Klasse.
Gewappnet mit Parabelschablonen-Schild und Zeigestock-Schwert lag der Parabelritter gleichermaßen auf der Hut wie auf der Hand. Und der Helligkeitswert ergab sich aus meinem Hang zu schwarzen Band-Shirts!

Sie sind angehender Pädagoge und engagieren sich für Werte wie Respekt und Toleranz. Trotzdem ist Ihr neues Buch mehr als bissig – sind Sie der Typ „Harte Schale, weicher Kern“?

Alexander Prinz: Meine Schale ist eigentlich auch gar nicht so hart. Das gilt übrigens für die meisten Metal–Fans. Wir sind eigentlich zart besaitet. Ich bin der Überzeugung, dass man Missstände oftmals besonders deutlich erkennen kann, wenn sie mit dem Mittel der Überspitzung etwas aufpoliert worden sind. Manchmal muss man das Leben eben auch etwas grob anpacken, damit man es zu fassen bekommt. Toller Kalenderspruch.

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„Du kannst sie nicht alle töten“ ist – wie Sie selber sagen – „tiefschwarze Satire und ein Befreiungsschlag“: Mit wem oder was rechnen Sie ab?

Alexander Prinz: Es gibt da einige, die sich als Ziele anbieten. Den größten Ärger bereiten mir vor allem Ignoranten und Egoisten – ob sie nun politischer, wirtschaftlicher oder intellektueller Natur sind. Uns wäre sehr geholfen, wenn sich die Menschen öfter mal ums Zuhören bemühen würden, anstelle andere niederzubrüllen oder schlicht zu ignorieren. Und wir sollten uns gegenüber anderen nicht so wichtig nehmen.
Aber vor allem befreie ich mich von der Schwere meines erdrückten Gemüts der letzten Jahre. Falls wir dieses Buch als Hörbuch veröffentlichen sollten, überlege ich durchweg zu schreien. Das erschiene mir passend.

Sie sagen, das letzte Kapitel sei unter Tränen entstanden, was hat Sie so mitgenommen?

Alexander Prinz: Oft steckt im Werk mehr vom Autor als er beabsichtigt hat. „Du kannst sie nicht alle töten“ ist für mich auch eine Reise durch mich selbst gewesen (Der Titel selbst ist auch sicher nicht nur mein alltägliches Mantra) und die Zeilen am Ende waren ursprünglich nicht einmal für das Buch gedacht. Wenn es mir nicht gut geht, setzte ich mich manchmal mit mir selbst auseinander, indem ich meine Gedanken als Text ordne - als eine Art schriftliche Selbstreflektion. Ich kann abschließend nur sagen: Dieses Buch ist kein Marketing-Stunt - darin geht es um wirkliche Emotionen. Das zu erwähnen ist aber streng genommen auch schon wieder ein Marketing-Stunt.

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