vor 3 Wochen

Tante Elsie hat Schwein!

© Foto: Gaby Gerster/Feinkorn

Schreibt mit Herz und Humor: Lucinde Hutzenlaub

Sie ist ein kreativer Geist, immer ein bisschen auf der Suche und schreit als erste hier, wenn das Abenteuer Ausland ruft. Lucinde Hutzenlaub hat so manches ausprobiert und unterwegs die große Liebe gefunden. Nicht nur zum Göttergatten, mit dem sie vier Kinder hat, nein auch zum Schreiben. Nach Stationen als Kommunikationsdesignerin und Heilpraktikerin schreibt sie heute Bestseller (wie "Pasta d'Amore" oder "Ich dachte, älter werden dauert länger"). Nebenbei bringt sie regelmäßig die Leserinnen der Frauenzeitschrift "Donna" mit ihren Kolumnen zum Schmunzeln. Humor ist für sie eine Grundzutat im Rezept fürs Lebensglück.

Aber auch Schwein kann definitiv nicht schaden. In ihrem neuen Roman "Tante Elsie hat Schwein" erzählt sie eine Familiengeschichte mit reichlich Turbulenzen. Inspiriert haben sie dazu die Lebensgeschichten ihrer Eltern und ihrer Tante. Die hatte im Krieg geheiratet und ihren Mann gleich wieder verloren. "Ich habe mir immer vorgestellt, wie es gewesen wäre, wenn sie sich doch eines Tages wiedergefunden hätten", erzählt Lucinde Hutzenlaub im Weltbild-Interview:

Lucinde Hutzenlaub über ihren neuen Roman, Familienbande und das Schwein, das man zum Glück braucht

Sie sagen, Sie seien chronisch fernwehgeplagt und sind auch schon ganz schön rumgekommen in der Welt. Aktuell leben Sie (nach Stationen wie San Francisco oder Tokio) im schwäbischen Stuttgart – was spricht für Schwaben?

Lucinde Hutzenlaub: Stimmt. Irgendetwas scheint mich magisch in die Ferne zu ziehen. Aber ich liebe auch meine Heimat sehr. Meine Familie, meine Freunde, die Stadt und die wunderschöne Natur darum herum. Ich bin einfach Stuttgarterin, das ist meine Basis. Ohne einen geliebten Ort zu haben, an den man immer wieder gerne zurückkehrt, wäre das Reisen nur halb so schön.

Lucinde Hutzenlaub: "Manchmal braucht man einfach Schwein, damit alles gut werden kann."


In Ihrem neuen Roman „Tante Elsie hat Schwein“ erzählen Sie eine Familiengeschichte über mehrere Generationen – wie kam Ihnen denn die Idee zur Geschichte?

Lucinde Hutzenlaub: Wenn man so will, ist ein Teil davon die Geschichte meiner Tante, meines Vaters und meiner Mutter. Mein Vater (1921 geboren), hat die Erinnerungen an das letzte Kriegsjahr und seinen Versuch, wieder in die Heimat zurückzukehren aufgeschrieben und mir überlassen. Meine Mutter wurde während des Krieges auf die Schwäbische Alb evakuiert und meine Tante hat während des Krieges geheiratet. Leider fiel ihr Mann nach kürzester Zeit und sie hat ihr Leben daraufhin der Biologie und vielen Forschungsreisen über den halben Globus gewidmet. Ich habe mir immer vorgestellt, wie es gewesen wäre, wenn sie sich doch eines Tages wiedergefunden hätten.

Und inwiefern spielt ein Schwein im Roman eine Hauptrolle?

Lucinde Hutzenlaub: Das Ferkel Rosa hat natürlich eine ganz wesentliche Rolle bei der Verknüpfung dieser drei Lebenswege. Aber ich will nicht zu viel verraten. Nur eines vielleicht: Manchmal braucht man einfach Schwein, damit alles gut werden kann.

Lucinde Hutzenlaub: "Ich bin mit sehr vielen spannenden, mutigen, außergewöhnlichen und warmherzigen Frauen aufgewachsen, deren Lebensgeschichten mich schon immer fasziniert haben."


Was denken Sie: Ist jeder von uns ein leeres Blatt und schreibt seine eigene Lebensgeschichte? Oder beeinflusst uns das Leben der Generationen vor uns?

Lucinde Hutzenlaub: Ich glaube schon, dass wir beeinflusst werden. Unsere Eltern geben uns schließlich ihre Erfahrungen und Werte weiter. Natürlich ist es unsere Sache, was wir daraus machen. Ich bin mit sehr vielen spannenden, mutigen, außergewöhnlichen und warmherzigen Frauen aufgewachsen, deren Lebensgeschichten mich schon immer fasziniert haben. Sie haben mir auf jeden Fall die Reiselust mitgegeben und den Mut, meinen eigenen Weg zu gehen, auch wenn das vielleicht der eine oder andere da draußen unangemessen fand. Und ich freue mich sehr darüber, zu beobachten, dass meine Töchter und mein Sohn dieses Selbstvertrauen ebenfalls in sich tragen.

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Sie haben eine starke Beziehung zu Ihrer Mutter und sind selbst Mutter von drei Töchtern. Wie viel der Hutzenlaub-Frauen steckt denn in den weiblichen Figuren des neuen Romans?

Lucinde Hutzenlaub: Sehr viel. Wie das Zusammenleben mit willensstarken und außergewöhnlichen Frauen ist, weiß ich tatsächlich aus eigener Erfahrung. Und wie es sich für eine junge Frau wie Kiki von Betzenstein anfühlt, unter dem strengen Blick ihrer Mutter Autozufahren oder gar einen potentiellen Partner zu finden, auch das ist mir sehr vertraut.

Lucinde Hutzenlaub: "Zum Verlieben gehört für mich einfach mehr, als ein perfektes Profilbild und ausgefeilte Sätze."


Isolde „Kiki“ von Betzenstein muss sich nach 14 Jahren Ehe wieder auf dem „Single-Markt“ zurechtfinden, nach wie vor auf der Suche nach der großen Liebe. Vorstellbar für Sie, nach langjähriger Ehe wieder zu daten mit Hilfe von Dating-Apps und Online-Börsen?

Lucinde Hutzenlaub: Das wäre auf jeden Fall eine große Herausforderung für mich. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie man sich für jemand begeistern kann, ohne seine Stimme, sein Lachen zu hören, seine Hände zu sehen oder seinen Geruch wahrzunehmen. Ich bin da vermutlich eher altmodisch unterwegs. Und ich glaube, ganz ehrlich, die Liebe auch. Zum Verlieben gehört für mich einfach mehr, als ein perfektes Profilbild und ausgefeilte Sätze. Dann passiert es schon mal innerhalb eines Sekundenbruchteils. Alle elf Minuten? Das ist mir viel zu lang.