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Systemsprenger (DVD)

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Pflegefamilie, Wohngruppe, Sonderschule: Egal, wo Benni (Helena Zengel) hinkommt, sie fliegt sofort wieder raus. Die wilde Neunjährige ist das, was man im Jugendamt einen Systemsprenger nennt. Dabei will Benni nur eines: Liebe, Geborgenheit und wieder...
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    42 von 77 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    MaRe, 05.03.2020

    Der Begriff „Systemsprenger“ wird inoffiziell in der Jugendhilfe für Kinder verwendet, die gegen unsere konformen Vorstellungen von einem „normalen“, im Regelfall umgänglichen, steuerbaren Kind verstoßen und dadurch das gängige Behörden-Erziehungs-System erschüttern, auf die Probe, wenn nicht sogar infrage stellen.

    Die Hauptfigur dieses Arthouse-Films und Langfilmdebüts von Regisseurin und Drehbuchautorin Nora Fingscheidt (Jahrgang 1983) ist die knapp 10 Jahre alte Benni, eigentlich Bernadette, Klaaß (Helena Zengel, Jahrgang 2008). Sie ist eine solche Systemsprengerin, ein in positiver, aber eben auch negativer Hinsicht, nicht zu bändigendes Energiebündel. Aufgeweckt, mit einer Vorliebe für die knallige Farbe Pink und einen Stoffdrachen, intelligent, aber bezüglich der schulischen Leistungen hinterherhinkend wegen ihrer vielen Wohnsitzwechsel und Aufenthalte in Krankenhäusern bzw. Unterbringungen in diversen, auch psychiatrischen Einrichtungen sowie der Einnahme von Medikamenten steht Benni am Scheideweg. Denn keine Institution der Jugendhilfe will sie mehr aufnehmen. Die Sozialarbeiterin Maria Bafané (warmherzig: Gabriela Maria Schmeide, u.a. „Wellness für Paare“ - 2016) und die Mitarbeiter der Inobhutnahmestelle bemühen sich dennoch intensiv in Abstimmung mit Bennis Mutter Bianca (Lisa Hagmeister, u.a. „Im Niemandsland“ - 2019 „Isi & Ossi“ - 2020), die ihre Tochter liebt, jedoch überfordert ist und noch zwei kleinere Kinder zu versorgen hat, um eine dauerhafte Lösung, ein Zuhause für das Mädchen. Doch mit ihren Tobsuchtsanfällen macht Benni jeden hoffnungsvollen Ansatz zunichte.

    Der als Schulbegleiter hinzugezogene Anti-Aggressions-Trainer Michael „Micha Heller“ (Albrecht Schuch, u.a. „Bad Banks“, „Berlin Alexanderplatz“ - jeweils 2020) begibt sich schließlich mit ihr auf einen dreiwöchigen Waldaufenthalt, um Benni durch diese „Erlebnispädagogik“ in der Ruhe des Waldes dabei zu helfen, mehr Kontrolle über sich zu erlangen.

    Denn wegen ihrer Eruptionen und der plötzlich auftretenden, verbalen wie körperlichen Aggression und der gering ausgeprägten Frustrationstoleranz ist Benni eine Zumutung und Herausforderung für sich und ihr Umfeld. Oft aber ist sie ein Kind wie jedes andere, freundlich, gewinnend, fantasievoll, anschmiegsam und mit der Gabe, das Herz seines Gegenübers im Nu zu erobern.

    Nora Fingscheidt kam die Idee zu diesem Film, als sie im Rahmen ihrer Arbeit für die Dokumentation „Das Haus neben den Gleisen“ (2014), der von wohnsitzlosen Frauen in Stuttgart handelt, Bekanntschaft mit einem 14-jährigen Mädchen machte, das als „Systemsprenger“ in dem Obdachlosenheim Aufnahme fand.

    In ihrem Film schildert Fingscheidt den Teufelskreis aus Umzügen und wechselnden Erziehern, deren Namen sich Benni schon gar nicht mehr einprägen will, ihre Sehnsucht nach (Eltern)Liebe, Zuneigung, ungeteilter Aufmerksamkeit sowie Bestätigung, ihre Ängste, das Grundbedürfnis nach Halt und einer alleinigen Bezugsperson, denn das tragende Gefühl von Urvertrauen und Sicherheit hat sie in ihrem jungen Leben nicht kennengelernt. Infolgedessen schuf sie Selbstschutz- und Abwehrmechanismen, mit denen sie fortgesetzte Enttäuschungen zu kompensieren versucht beziehungsweise klammert sich übermäßig an Menschen, die sich mehr als in der üblichen Form um sich kümmern.

    Auf der anderen Seite zeigt „Systemsprenger“ viele empathische Menschen, denen Bennis Wohlergehen ein wirkliches Bedürfnis ist, ihre ernsthaften Bemühungen, ihre Frustration, Ratlosigkeit und Verzweiflung, wenn sie ihr insbesondere in ungestümen oder panischen Momenten weder mit Geduld noch mit Strenge beikommen oder alle Fortschritte wie weggeblasen sind, auch die nervliche Anspannung und Furcht vor ihr, denn von Benni geht etwas Unheimliches und Gefährliches aus.

    „Systemsprenger“ tut weh, strapaziert mit einigen drastischen Szenen die Sinne und die Ratio enorm, betreibt jedoch keine Ursachen- und Wirkung- oder Fehleranalyse, nimmt keine Schuldzuweisungen vor, sondern ist ein packender Spielfilm, in dem ruhige Phasen mit chaotischen alternieren, heitere, ausgelassene auf leise, nachdenkliche, auch berührend traurige oder beklemmende bis beängstigende folgen, die jeweils mit passender Musik verstärkt werden.

    Das hervorragende Ensemble moduliert vielschichtige, wahrhaftige Charaktere. Mit Albrecht Schuchs von außen kommender Figur Micha durchläuft das Publikum nachvollziehbar die gesamte Gefühlsbandbreite von einfühlsam, besorgt und beschützen, „retten“ wollend über irritiert und erschrocken bis zu dem Eindruck, Benni und der Situation nicht gewachsen zu sein. Und Helena Zengel ist im wahrsten Sinn des Wortes eine Wucht als Benni: immer natürlich und zu keinem Zeitpunkt in ihrer Darstellung übertreibend.

    Die Filmemacherin Nora Fingscheidt wollte die Lebensenergie, den Humor, die Sehnsüchte solcher Kinder wie Benni widerspiegeln und erreichen, dass wir sie (besser) verstehen und vor allem lieben lernen. Ich finde, dass ihr das tatsächlich gelungen ist.

    „Systemsprenger“ weist schonungslos, aber nicht schwarzseherisch-defätistisch auf die Rat- und Machtlosigkeit im Umgang mit „nicht systemkonformen“ Kindern hin und wurde verdientermaßen unter anderem 2019 bei den 69. „Internationalen Filmfestspielen Berlin“ mit dem “Silbernen Bär“ (Alfred-Bauer-Preis) ausgezeichnet.

    Ein starker, eindrucksvoller, nuancenreicher, lohnenswerter Film, der einen noch lange beschäftigt!

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