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Verzeihen lernen

... und unbeschwert ins neue Jahr starten. Glücklich sein oder Recht haben?

Loslassen und freiwerden - sich selbst und anderen zu verzeihen macht das Leben leichter

Verzeihen lernen und unbeschwert ins neue Jahr starten

Ein harmonisches Weihnachtsfest voller Besinnung und schöner Momente im Kreise der Lieben – das wünschen wir uns alle. Doch allzu oft kommt es zu Streit und Missverständnissen. Was können Sie tun, damit es gar nicht erst so weit kommt? Beginnen Sie jetzt mit der Selbstreflexion und starten Sie positiv ins neue Jahr.

Konflikte lauern überall

Ob im Büro, am Gartenzaun oder eben sehr oft unterm Weihnachtsbaum: überall lauern sie – die Konflikte. Oft aus nichtigem Anlass begonnen, können sie schnell zum großen Streit ausarten. Was niemandem gut tut, denn die besinnliche Stimmung ist dahin, die Familienmitglieder gehen meist mit Wut im Bauch auseinander. Und das nächste Wiedersehen ist schon belastet durch den Streit an Heiligabend. Wenn die schlechte Stimmung nicht schnell geklärt wird, entstehen Groll, Unverständnis und Enttäuschung.

Sich ärgern gefährdet die Gesundheit

Doch Hand aufs Herz: Was bringt es, wenn wir uns beleidigt zurückziehen und schmollen? Nur weitere negative Gefühle und Gedanken, die die Beziehung zum oder zu den anderen belasten. Außerdem fühlen wir uns als Opfer und machen den anderen zum Täter. Es ist sehr einfach, in die Opferhaltung zu gehen. Doch diese schwächt uns, weil wir uns kleiner machen und mögliche Lösungen nicht mehr sehen.

Zudem legen viele Studien nahe, dass negative Gefühle schlecht für die Gesundheit sind. Sie wirken genauso auf unseren Körper wie Stress, mit denselben bekannten möglichen Folgen: von Kopf- oder Rückenschmerzen, Herz-Kreislauf-Problemen und Schlafstörungen bis hin zu Magengeschwüren und Depressionen. Es ist also purer Selbstschutz, möglichst schnell und effektiv etwas gegen diese, vielleicht immer wiederkehrenden, Gefühle zu tun.

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Heilsame Meditationen und Selbstreflexion führen zu mehr innerer Ruhe und Ausgeglichenheit

Verzeihen ist gut für Körper, Seele und Geist

Die Kraft des Verzeihens bringt dagegen Entspannung für Körper, Seele und Geist. Wir kommen zur Besinnung, nehmen einen neuen Blickwinkel ein und stärken uns selbst. Doch was genau bedeutet „verzeihen“ eigentlich? Frühere Formen des Wortes besagten so viel wie „verweigern“, „einen Anspruch aufgeben“ oder „jemandem etwas, das er verschuldet hat, nicht anrechnen“. Heute wird der Begriff im Sinne von entschuldigen, vergeben und Nachsicht zeigen gebraucht.

Wie können wir verzeihen lernen?

Der erste Schritt ist die kritische Selbstreflexion. Das bedeutet, über sich selbst nachzudenken und sein Denken, Fühlen und Handeln zu analysieren und zu hinterfragen. Immer mit dem Ziel, mehr und Genaueres über sich selbst herauszufinden.

Auch wenn wir es nicht gerne zugeben: Zu einem Streit gehören immer mindestens zwei. Fragen Sie sich während oder nach einer Auseinandersetzung also zuerst: Was ist mein Anteil an dem Streit?

Es kommt darauf an, einen Schritt zurück zu machen: Raus aus der Situation und auch weg von uns selbst, von unserer eigenen, eingeschränkten Wahrnehmung. Auch dabei kann Selbstreflexion helfen.

Denken Sie über die Konfliktsituation nach und stellen Sie sich dabei vor, dass Sie als neutraler Betrachter mit etwas Abstand daneben stehen. Oder stellen Sie sich vor, Sie wären buchstäblich in den Schuhen des anderen. Wie fühlen Sie sich? Wie kommt Ihre eigene Reaktion bei dem anderen an?

Häufig führen Missverständnisse zu Ärger. Hat der andere es so gemeint, wie es bei uns angekommen ist? Auch Erwartungen sind eine Quelle für Konflikte. Unsere Eltern sollen am besten immer liebevoll, Freunde immer erreichbar und unser Partner stets treu sein und uns jeden Wunsch von den Augen ablesen.

Mehr Verständnis, weniger Ärger

Wenn unsere Mitmenschen nicht so handeln oder das nicht tun, was wir erwarten, sind wir enttäuscht. Wir haben das Gefühl, dass der andere uns Unrecht angetan hat, und das mit voller Absicht. Doch stimmt das immer?
Weitere Methoden der Selbstreflexion, die zu mehr Verständnis führen, sind etwa „The Work“ von Byron Katie oder das alte Hawaiianische Vergebungsritual Ho‘oponopono. Robert Enright, ein US-amerikanischer Psychologe und Gründer des „International Forgiveness Institute“, hat ein Modell entwickelt, das uns dabei helfen soll, zu verzeihen und inneren Frieden zu finden. Im Buddhismus findet sich die Metta-Meditation.

Auch sollten wir akzeptieren, dass das Geschehene geschehen ist. Wir haben immer die Wahl, ob wir es zulassen, dass die Vergangenheit negative Gedanken und Gefühle am Leben erhält und unsere Gegenwart und Zukunft bestimmt.

Willst du recht haben oder glücklich sein?

„Willst du recht haben oder glücklich sein?“ So heißt ein Bestseller des US-amerikanischen Familien- und Paartherapeuten Chuck Spezzano. Wer immer nur auf seinen eigenen Standpunkt beharrt, der wird es schwer haben, glückliche Beziehungen zu leben. Also ist auch hier Selbstreflexion gefragt.
Und Mut: Zum einen, um auf den eigenen Standpunkt zu verzichten. Zum anderen, um sich wieder zu öffnen und vielleicht im nächsten Schritt sogar auf den anderen zuzugehen.

Wer wartet, dass der andere den ersten Schritt zur Versöhnung macht, wartet meist lange. Und das Verhältnis bleibt belastet, die Gefühle von Groll und Ärger werden zum ständigen Begleiter.

Richtig verzeihen: Persönliche Grenzen festlegen

Heißt das, dass wir alles mit uns machen lassen sollen und dann hinterher alles verzeihen? Natürlich nicht. Jeder sollte sich seiner persönlichen Grenzen bewusst sein. Etwa: Welche Werte sind mir wichtig, und wann hat der andere diese nicht geachtet?
Zum Beispiel Respekt: Wann ist bei mir der Punkt überschritten, an dem ich nicht mehr mit Respekt behandelt werde? Auch dies sollte man mitteilen. Am besten schon, bevor eine Streitsituation entsteht. Und erst recht danach. Damit geben wir dem anderen die Chance, uns besser zu verstehen und sich wirklich auf uns einzulassen.

Übung: Die Metta-Meditation

Die Metta-Meditation stammt aus dem Buddhismus. Ihr wird eine heilsame Wirkung nachgesagt. Wer sie regelmäßig übt, erfährt innere Ruhe und Ausgeglichenheit. Versuchen Sie es.

  • Suchen Sie einen ruhigen Ort auf.
  • Setzen oder legen Sie sich bequem hin.
  • Beobachten Sie Ihren Atem und kommen Sie darüber zur Ruhe. Legen Sie die Hände auf Ihr Herz und fühlen Sie in sich hinein.
  • Sprechen Sie einige Male hintereinander ruhig die folgenden vier Sätze:
    1. Möge ich gesund sein.
    2. Möge ich in Frieden leben.
    3. Möge ich mich sicher und geborgen fühlen.
    4. Möge ich glücklich sein.

Wenn Sie negative Gefühle einer Person gegenüber haben, folgt der nächste Schritt: Sie sprechen die Worte für diese Person und senden die guten Wünsche in Ihrer Vorstellung an sie:

  • Mögest du gesund sein.
  • Mögest du in Frieden leben.
  • Mögest du dich sicher und geborgen fühlen.
  • Mögest du glücklich sein.

Mit etwas Übung können Sie diese Worte mit Heilwirkung immer dann (ggf. im Stillen) aufsagen, wenn Sie sich über jemanden ärgern. Inklusive sich selbst.

Übung: Selbstreflexion zum Jahresausklang

Das Ende des Jahres ist eine gute Zeit, über unsere Beziehungen und uns selber zu reflektieren.

  • Welches Verhältnis ist belastet und warum?
  • Wo wünschen wir uns mehr Verständnis?
  • Was habe ich noch nicht verziehen – und wäre jetzt ein guter Zeitpunkt dafür gekommen?
    Schauen Sie zurück, damit Sie besser nach vorne schauen können. Bestenfalls ist dann ein schönes, friedliches und besinnliches Weihnachtsfest möglich.

Das geht selbst mit Beziehungen, die Sie nicht mehr persönlich klären können – etwa, weil die Beziehung endgültig abgebrochen ist oder der Mensch schon gestorben ist.

Wer das Verzeihen lernt, schließt Frieden und geht unbeschwerter ins neue Jahr.

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