Am Hang

Roman
 
 
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Der junge Scheidungsanwalt Clarin freut sich auf ein ruhiges Wochenende in seinem Tessiner Ferienhaus. Doch am Abend lernt er einen älteren Mann kennen, einen scheinbar Verwirrten, vielleicht sogar Verrückten. Er erzählt Clarin, wie er seine vergötterte...
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Der junge Scheidungsanwalt Clarin freut sich auf ein ruhiges Wochenende in seinem Tessiner Ferienhaus. Doch am Abend lernt er einen älteren Mann kennen, einen scheinbar Verwirrten, vielleicht sogar Verrückten. Er erzählt Clarin, wie er seine vergötterte...

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Kommentar zu "Am Hang"

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  • 4 Sterne

    EmiliAna, 12.06.2019

    Der Scheidungsanwalt Thomas Clarin, mit der Betonung auf der letzten Silbe bitte, worauf er immer wieder hinweist, möchte in seinem Tessiner Ferienhaus eigentlich ein geruhsames Wochenende verbringen, um ungestört einen Aufsatz über das "Ehe- bzw. Scheidungsrecht"für eine Juristenzeitung zu schreiben.
    Doch alles kommt ganz anders, nachdem er auf der Terrasse des Hotels Bellavista in Montagnola auf einen gewissen Loos stößt, der, wie es der Zufall so will, ebenfalls auf den nicht ungewöhnlichen Vornamen Thomas hört. Nach einigen Mühen kommt Clarin mit dem sich sonderbar abweisend verhaltenden älteren Herrn schließlich in ein ebenso sonderbares Gespräch, in das er sich wie gebannt fallen lässt.
    Bei zuviel Wein unterhalten sich die beiden Männer mit den komplett entgegengesetzten Ansichten und Lebenseinstellungen ganze drei Abende lang vor allem über die Liebe und den Zeitgeist. Was die beiden Männer aufeinander zutreibt, ist vorerst nicht klar, nur dass mit der Begegnung ein Aneinanderantasten, ein Lauschen, ein Aushorchen und gegenseitiges Belauern beginnt, das wird für den Leser bald sehr offensichtlich.
    Der Ich-Erzähler Clarin hat dabei immer wieder das Gefühl - und der Leser mit ihm - , dass Loos, ein merkwürdiger Sonderling in den Fünfzigern, der sich als Altphilologe vorstellt und sich schnell als entschiedener und geradezu verbitterter Gegner all dessen entlarvt, das er als Zeitgeist bezeichnet und worauf er immer wieder aufs Neue und ausschweifend herumhackt, entlarvt, sicher verschroben, aber vielleicht auch verrückt ist.
    Doch hat er, ein Witwer, eine sehr positive Beziehung zur Institution Ehe, die ihm immer eine Heimat war, und die Clarin seinerseits auf zynische Art ablehnt. Er sucht lieber das schnelle, unverbindliche Abenteuer, das Vergnügen in kurzen Affären, derer er sich schnell wieder entledigt, wenn er spürt, dass es ernster werden oder die jeweilige Frau sich etwa in ihn verliebt haben könnte.
    Und so wie Loos besagten Zeitgeist scharf kritisiert, so sehr ist Clarin nicht nur darin gefangen, sondern lebt ihn gar mit Überzeugung.
    Das Gespräch der beiden Männer gleitet bald in die persönliche Ebene hinüber - und damit kommt eine Frau namens Valerie ins Spiel, von der sich der smarte Junganwalt im Jahr zuvor am gleichen Ort getrennt hat und die bis zum Ende eine rätselhafte Rolle spielen soll. Zu eben jenem Zeitpunkt starb auch, wie sich schnell herausstellt, Loosens Frau, ebenfalls in Montagnola.
    Immer mehr seltsame Parallelen tuen sich auf zwischen Loos und Clarin - und als ersterer nach dem dritten Abend aus dem Hotel verschwindet und Clarin feststellen muss, dass Loos gar nicht der wahre Name des neuen Bekannten ist, mit dem er so intensive und sehr persönliche Gespräche geführt hat, beginnt er endlich stutzig zu werden und nachzudenken - und kommt auf eine verstörende Deutung der Geschichte, in die er sich wie magisch angezogen hineinbegeben hat, die er aber am Ende des Buches weder bestätigt noch widerlegt findet. Er weiß nur eines: sein Weltbild ist komplett aus den Fugen geraten und er muss sich neu sortieren...

    In seinem siebten, 2004 erschienenen Roman stellt der Schweizer Literat Marcus Werner erneut seine Meisterschaft unter Beweis, die ihm von zahlreichen Kritikern immer wieder bescheinigt wurde. Mit glasklarem, wiewohl nicht unbedingt eingängem Erzählstil, der eine magische Anziehungskraft ausübt und gleichzeitig Leichtigkeit und Unergründlichkeit ausstrahlt, nimmt er mit seiner Geschichte, die so schwer zu durchschauen ist und die man am besten ein zweites Mal liest, den Leser von der ersten Zeile an gefangen, macht ihn neugierig, dem Gedankenaustausch der beiden Männer weiter zu folgen, der immer wieder in scheinbare Verirrungen mündet und aus dem sich so viele Ungereimtheiten als auch merkwürdige Koinzidenzen ergeben. Misstrauisch geworden stellt er unwillkürlich seine eigenen Mutmaßungen an, die er in denen des Erzählers Clarin bestätigt findet, der so oberflächlich ist wie sein Gegenpart Loos tiefgründig.
    Und allmählich wandelt sich die Anteilnahme, die man am Anfang noch vehement für beide, die lange Zeit einzigen, Protagonisten des Romans verspürt haben mag, in Unwillen, in Zweifel und gar Abneigung, vor allem Clarin gegenüber, der so sehr von seiner Art des Lebens, die eine eigensüchtige, nur aufs eigene Vergnügen zielende ist, eingenommen ist und der über eine Empathie verfügt, die man bestenfalls als rudimentär bezeichnen kann.
    Doch auch Loos bleibt nicht von dem Entzug an Sympathie verschont, denn es wird immer augenscheinlicher, dass er ein Spiel spielt, dass er zu Gericht sitzt, dass etwas ganz und gar nicht stimmt an ihm und seinen Geschichten, die er, so sah es lange aus, immer nur stockend hervorbrachte.
    Und dass es letztlich bei dieser Mutmaßung bleibt, bleiben muss, und dass die Geschichte mit einer nicht nachzuvollziehenden Handlung des Anwalts, der sich immer stärker als Dummkopf entlarvt hatte, endet, abrupt endet, ist gewiss ein unnötiger Schwachpunkt eines ansonsten vor allem sprachlich und strukturell anspruchsvollen und durchaus beeindruckenden Romans, von dem man zeitweise sogar den Eindruck hatte, er würde in einem Krimi enden, denn die Ingredienzien schienen vorhanden zu sein. Doch täuschte man sich, wie übrigens in so manchen Deutungen, in die man sich unwillkürlich verstiegen haben mag, zu denen Marcus Werner aber auch regelrecht einlud!

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    janein

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