Die Leben der Elena Silber

Roman. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2019 (Longlist)
 
 
Merken
Teilen
Merken
Teilen
 
 
Alexander Osang schreibt den großen Roman seiner Familie - es ist der Roman des 20. Jahrhunderts.

Russland, Anfang des 20. Jahrhunderts. In einer kleinen Provinzstadt östlich von Moskau wird der Revolutionär Viktor Krasnow hingerichtet. Wie eine...
lieferbar

Bestellnummer: 113627434

Buch24.00
In den Warenkorb
  • Kauf auf Rechnung
  • Kostenlose Rücksendung
lieferbar

Bestellnummer: 113627434

Buch24.00
In den Warenkorb
Alexander Osang schreibt den großen Roman seiner Familie - es ist der Roman des 20. Jahrhunderts.

Russland, Anfang des 20. Jahrhunderts. In einer kleinen Provinzstadt östlich von Moskau wird der Revolutionär Viktor Krasnow hingerichtet. Wie eine...

Andere Kunden kauften auch

Kommentare zu "Die Leben der Elena Silber"

Sortiert nach:relevanteste Bewertung zuerst
Filtern nach:alle
Alle Kommentare
  • 5 Sterne

    dj79, 21.08.2019

    Jelena ist gerade zwei Jahre alt als zaristische Häscher ihren revolutionären Vater auf brutalste Weise ermorden. In der Kälte der Nacht ist sie gemeinsam mit der Mutter und dem älteren Bruder Pawel zur Flucht gezwungen, um den Mördern zu entrinnen. Die nun folgenden Lebensumstände drängen Jelena in ein Dasein zunächst im Schatten von Halbgeschwistern, später von ihrem deutschen Ehemann und dessen Familie und schließlich im Schatten ihrer selbst. Revolution, Bürgerkrieg und Weltkriege beeinträchtigen das Familienleben einer ganzen Generation. Familie hat zu funktionieren, ist weniger von liebevollem Umgang gekennzeichnet. Das Einzige, das zählt, ist das Überleben.

    Die Geschichte wird in verschiedenen Zeitebenen erzählt, die von 1905 und 2017 ausgehend, aufeinander zulaufen. Der historische Erzählstrang begleitet Jelena vom Kleinkind, durch die Jugend, als Ehefrau und Mutter. Der aktuelle Strang ist Konstantin Stein, Jelenas Enkel, gewidmet. Er betrachtet Jelenas Leben aus der eigenen und der Erinnerung von Verwandten heraus. Auch wenn zwischen den Kapiteln immer mehrere Jahre fehlen, ergibt sich durch die Erzählweise ein erschreckendes, gleichzeitig beeindruckendes Gesamtbild, das aus meiner Sicht eine umfassende Erklärung für mache, von uns unverstandene, Reaktion oder Verhaltensweise der Kriegs- und Nachkriegsgeneration geben kann.

    Obwohl Konstantin Stein als 43-jähriger eigentlich mitten im Leben stehen sollte, wirkt er auf mich wie ein kleiner Junge. Er läßt sich sorglos durchs Leben treiben, agiert spontan und impulsiv. Er ist ein Familienmensch, aber auch nur so halb. Konstantin vollendet im Prinzip nichts. Die im Roman mehrfach gebrauchte Formulierung „Er findet sein Thema nicht“ ist hier mehr als zutreffend. Seine ganze Haltung zum Leben wirkt ziel- und planlos. Überraschend konfrontiert mit der Demenz-Krankheit seines Vaters stellt Konstantin fest, dass er eigentlich kaum etwas über seine Eltern, deren Familie und damit über seine Herkunft, sich selbst weiß. Ist das sein Thema? Das Verhindern des Vergessens, das Finden seiner selbst. Er stürzt sich jedenfalls darauf. Seine ungelenke, stolperhafte, manchmal hilfsbedürftige Art machte mir Konstantin sehr sympathisch. Als Mutter möchte man sich am liebsten gleich um ihn kümmern.

    Jelena steht komplett im Gegensatz zu Konstantin. Sie ist eine starke Frau, wobei abgehärtet wahrscheinlich die bessere Formulierung ist. Diverse Schicksalsschläge mussten ohne die heute übliche Unterstützung der Familie verkraftet werden. Verdrängung und eine eigene Wahrheit sind Jelenas Strategie, um mit dem Unerträglichen fertig zu werden. Der seelische Zusammenbruch ist zeitweise ganz nah. Leider schafft Jelena es nicht, jedem ihrer Kinder die gleiche Liebe zuteil werden zu lassen, geschweige denn sie gleich zu behandeln. So geht das Schicksal der Mutter anteilig auch auf die Kinder über. Trotz ganz viel Verständnis für ihr Handeln aus der Not heraus, hadere ich in diesem Punkt mit Jelenas Charakter.

    Alexander Osang hat mit seinem Roman ein ganzes Jahrhundert umspannt, vermittelt damit zwischen den Generationen. Dabei hat mir nicht nur die Thematik und ihre literarische Verarbeitung gefallen, sondern auch die Gestaltung des Buches. Die Vorsatzblätter sind mit der kartografischen Einordnung der Geschichte und Jelena Silbers Familienstammbaum versehen. Neben einem Namenverzeichnis am Anfang ist am Ende des Buches ein Inhaltsverzeichnis enthalten. Insgesamt also eine runde Sache, die ich nur weiter empfehlen kann.

    War dieser Kommentar für Sie hilfreich?

    janein
  • 5 Sterne

    Ulrike R., 26.08.2019

    Gorbatow, Russland, 1905. Die kleine Jelena muss mit Mutter und Bruder aus der Stadt fliehen, weil der Vater von Anhängern des Zaren erschlagen wurde.
    Berlin 2017, der 43-jährige Konstantin Stein, Enkelsohn Jelenas, begibt sich auf die Spuren seiner Familiengeschichte.
    Alexander Osang schreibt in Die Leben der Elena Silber nicht nur Familiengeschichte sondern zeichnet auch ein Abbild des 20. Jahrhunderts in Teilen Europas. Jelena ist zwei Jahre alt, als die Erzählung beginnt. Osang erzählt vom zaristischen Russland, vom Entstehen der Sowjetunion, von Flucht und Kriegen, dem Deutschland während der Nazidiktatur, vom Berlin zu DDR-Zeiten und danach. Die Zeit und die Politik prägen Jelena und ihre Familie, ihre Töchter und Enkel.
    Jelenas Geschichte ist wandelbar, je nachdem, wer die Geschichte erzählt oder wem die Geschichte erzählt wird. Es sind Mythen und Legenden, die über die Jahrzehnte kolportiert werden. Vom Vater Jelenas, dem Helden der Revolution, der getötet wird. Aber auch von Robert F. Silber, dem deutschen Ehemann Jelenas. Wer war dieser Robert F. Silber, der in den Wirren nach dem Krieg spurlos verschwand. Einer, der mithalf beim Aufbau der Sowjetunion oder doch ein Mitglied der NSDAP, ein Held, ein Verräter, ein Feigling, der sich aus dem Staub machte oder Opfer einer Flucht.
    Konstantin Stein, Mittvierziger, Filmemacher, findet sein Thema nicht. Dabei liegt es vor ihm, seine eigene, dysfunktionale Familie. Die Mutter Maria, die mittlere der fünf Silber Töchter, die über alles die Kontrolle bewahren will, hat ihre eigene Sicht der Dinge. Der Vater Claus leidet an Demenz. Konstantins Tanten, jede für sich ein schwieriger Charakter. Nach und nach versucht Konstantin ein Bild seiner Familie zusammenzusetzen. will die weißen Flecken auf der Landkatze seiner Familie füllen. Im Drehpunkt aller Geschichten ist immer seine Großmutter, Baba wie er sie nannte, Jelena, später Elena Silber. Die russische Deutsche, die deutsche Russin. Von den Deutschen in Schlesien nicht gewollt. Von den Russen, die später das Land besetzten auch nicht. Später in Berlin verliert sie nicht nur einen Buchstaben ihres Vornamens, sondern Heimat, Herkunft, Identität. Die deutsche Sprache beherrscht sie nur mäßig, das Russische hat sie beinahe verlernt.
    Es fällt nicht immer leicht Jelena zu mögen, sie lässt ihre Töchter bei fremden Leuten in der Obhut, baut opportunistisch auf Beziehungen. Liebe, Zärtlichkeit, Verbundenheit und Zuneigung, verlernt man diese Gefühle im Krieg, auf der Flucht? In dieser Familie jedenfalls.
    Die Leben der Elena Silber ist auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2019. Ob das Buch diesen literarischen Anspruch hat, mag ich nicht beurteilen. Der Handlungsverlauf ist nicht linear. Osang springt zwischen den Zeiten und Perspektiven. Es sind vor allem drei Zeitebenen, die Vergangenheit vor und während des Krieges, das Berlin der 80er Jahre und heute. Im Aufbau sehr opulent, in der Sprache oft sehr pointiert. Die eigene Familiengeschichte war dem Autor Inspiration zu diesem epochalen Roman.

    War dieser Kommentar für Sie hilfreich?

    janein

Mehr Bücher von Alexander Osang

0 Gebrauchte Artikel zu „Die Leben der Elena Silber“

ZustandPreisPortoZahlungVerkäuferRating
  • Kauf auf Rechnung
  • Kostenlose Rücksendung