Gebete für die Vermissten, Jennifer Clement

Gebete für die Vermissten

Jennifer Clement

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Ladydi wächst in den mexikanischen Bergen auf, inmitten von Mais- und Mohnfeldern, in einem Dorf ohne Männer, denn die sind auf der Suche nach Arbeit über die Grenze oder längst tot. Es ist eine karge und harte Welt, in der ein...

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  • 4 Sterne

    3 von 4 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    sommerlese, 08.10.2014

    Die Autorin lässt Ladydi ihre Lebensgeschichte erzählen und dabei auch die alltägliche Situation der weiblichen Bevölkerung, die Männer sind allesamt schon in die USA geflohen oder arbeiten in Acapulco. Diejenigen, die noch dort leben gehören der Drogenmafia an und machen sich mit Missbrauch und Gewalt zu schaffen.

    Hier werden Probleme deutlich, die man sich kaum vorstellen kann. Neben tiefer Religiosität haben die Einheimischen kaum Hoffnung auf ein normales Leben. Prostitution ist an der Tagesordnung. Hier setzen die Drogenhändler mit Gewalt ihre Interessen durch, das Gesundheitssystem krankt und die Schulausbildung ist eine reine Farce.

    So greifen auch die Mütter zu unkonventionellen Methoden, um sich und ihre Töchter vor Übergriffen zu schützen. Gewalt bringt neue Gewalt hervor. Wer im Gefängnis landet, hat sich meistens nur gegen einen brutalen Übergriff gewehrt oder dem vorgebeugt. Hier herrschen auch in den Gefängnissen Korruption und Willkür.

    Wenn man diesen Roman liest, ist man tief betroffen von diesen menschenverachtenden Zuständen. Dabei lässt sich zwischen den Zeilen unter den Frauen eine herzliche und hilfsbereite Art erkennen, die Hoffnung macht. Doch solange die Drogen für Einnahmen sorgen, wird die Kriminalität auch weiterhin das Leben diktieren. Da bleiben den Leidtragenden nur noch die Gebete.
    Ein aufrüttelnder Roman, der tief betroffen macht und nur noch beten lässt! Dieses Thema ist schwer zu verdauen und vielleicht nicht für jeden die passende Lektüre!

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    janein
  • 5 Sterne

    1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    warmerSommerregen, 03.01.2015

    Ladydi lebt in einem mexikanischen Bergdorf, in dem Mädchen immer wieder in Erdlöchern verschwinden müssen und es, wie sich Ladydis Mutter ausdrückt, das Beste ist, wenn man ein hässliches Mädchen ist. Ein Ort, an dem man seine Töchter als Jungen verkleidet. Denn schöne Mädchen werden zu erst geholt. Von den Männern in den schwarzen Geländewagen. Von Drogen- und Menschenhändlern.
    Ladydi malt sich ihre Zähne schwarz an, hat immer kurz geschnittene Haare, sieht kein bisschen weiblich aus und darf niemals einfach vor die Tür gehen, um zum Beispiel zu spielen. Das wäre nämlich viel zu gefährlich, denn jederzeit könnten die Männer auftauchen und sie holen.
    Dort zählt das Leben einer Frau oder eines Mädchens kaum etwas.
    In dem Dorf gibt es keine Männer mehr. Sie sind ausgewandert, auf der Suche nach Arbeit und schließlich ganz weggeblieben- oder sie sind einfach tot.
    Doch träumt Ladydi von einer besseren Zukunft: Sie möchte nicht ewig bei ihrer alkoholabhängigen Mutter bleiben, möchte sich nicht verstecken müssen, sondern Liebe, Freundschaft, Freiheit und Wohlstand kennen lernen.
    Und dann bietet sich ihr eine einmalige Chance, die ihr ganzes Leben verändern soll: Sie darf in Acapulco als Hausmädchen bei einer sehr reichen Familie arbeiten. Doch Mike, der auch aus ihrem Dorf stammt, verwickelt sie in einen Drogendeal. Ohne dass Ladydi etwas davon geahnt hätte. Doch kann sie sich nicht wehren, sie nimmt das Päckchen Heroin an sich.
    Und schon bald wird Ladydi noch größere Probleme bekommen und um ihre Freiheit und ihr Überleben kämpfen müssen.

    Die Autorin des Buches, Jennifer Clement, wuchs in Mexiko-Stadt auf. Für das Buch recherchierte sie über zehn Jahre lang und führte hunderte Interviews mit vom Drogenkrieg betroffenen Mädchen und Frauen vor Ort.

    Dem Buch lag auch noch ein Heft bei, in dem wichtige und vor allem schockierende und alarmierende Fakten und Schicksale errläutert und beschrieben werden.
    So erfährt man beim Lesen des Heftes zum Beispiel, dass laut Regierungsstatistiken die Zahl der Entführungen in Mexiko im letzten Jahr um 31% stieg. Diese Erhebungen erfassen aber lediglich die Fälle von Entführungen mit anschließender Lösegelderpressung.
    Ausschnitte aus Interviews verdeutlichen eindrucksvoll, dass dort eine Frau zu keinem Mann "Nein" sagen darf.
    Und der Polizei traue man nicht, da diese vielfach in die lokalen Mafiastrukturen verstrickt sei.
    Die Fälle von Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft und Sexhandel nähmen im alarmierendem Maße zu.
    Außerdem habe der Kampf gegen die Drogenkartelle in den letzten sechs Jahren an die 70.000 Menschen das Leben gekostet.
    Darüber hinaus schätzen Regierungsorganisationen die Zahl der Entführungen im Jahr 2012 auf 105.682, es gäbe eine Dunkelziffer von 99%. Nur 1.446 Entführungen wurden im Jahre 2013 zur Anzeige gebracht.

    Beim Lesen des Buches merkt man, wie intensiv sich die Autorin mit diesem Thema auseinandergesetzt hat. Man erhält sehr tiefe Einblicke in das Leben der Frauen Mexikos und liest über mehrere Schicksale. Das Buch ist sehr packend geschrieben, ich hatte es nach wenigen Stunden durchgelesen. Während des Lesens ist man immer erleichterter darüber, dass man an einem sicheren Ort lebt, sich nicht verstecken muss und seinen eigenen Willen haben darf, und vor allem, dass man als Mensch angesehen wird und nicht als ein Gegenstand, wie etwas dass man sich einfach nehmen darf, behandelt wird.
    Die verschiedenen Schicksale der Personen, auf die Ladydi trifft, und auch ihr eigenes, sind sehr berührend und fein ausgearbeitet, sodass die Charaktere sehr real wirken und man sie sich sehr gut vorstellen kann.
    Auch die Thematik des Buches finde ich ausgesprochen wichtig und meiner Meinung nach sollte sie viel häufiger in der Öffentlichkeit behandelt werden.

    Ich kann dieses Buch jedem weiter empfehlen, da es zum einen sehr gut geschrieben ist und zum anderen wegen des wichtigen Themas über das man sich informiert haben sollte.

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    janein
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