Ich wollte nur Geschichten erzählen, Rafik Schami

Ich wollte nur Geschichten erzählen

Mosaik der Fremde

Rafik Schami

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Am 19. März 1971 landete in Frankfurt am Main das Flugzeug, das Rafik Schami nach Deutschland brachte. Die Entscheidung, seine Heimat zu verlassen, war ein Sprung ins kalte Wasser - und in die Freiheit. In Texten, die sich wie Mosaiksteine zu...

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    Sagota, 17.05.2018

    Rafik Schami vergleicht das Leben mit einem Mosaikgemälde - "und je näher man kommt, umso sichtbarer werden die Bruchlinien der einzelnen Steine..." heißt es folgerichtig, was sich durchaus in jedes gelebte Leben übertragen lässt. Und genau um diese Bruchstellen in dem Leben des sehr bekannten und (nicht nur von mir) sehr geschätzten Autors Rafik Schami geht es hier:


    Das Buch mit stark autobiografischen Bezügen zeigt viele "Lebensbrüche" auf und auch, wie der Autor damit umzugehen lernte (dazu passt das Zitat am Buchende ganz besonders gut, wie auch zur arabischen Kulter, die mir persönlich recht bekannt ist und die ich in vielen Dingen bewundere,: "Mit zwei Kamelen namens Geduld und Humor kannst Du jede Wüste überqueren".

    Und da gab es so einige im Leben und auch im Schaffen von excellenter arabischer Literatur, die mir ebenfalls wohlbekannt ist und die mein Leben seit über 20 Jahren begleiten: Ob es Jugendbücher sind oder Romane für Erwachsene, gar Märchen, die er in den westlichen Kulturkreis einbrachte: Alle Bücher sind keineswegs unpolitisch, wie ihm diverse Gegner vorwerfen....
    Mit 25 Jahren musste der gebürtige Damaszener seine Heimat Syrien verlassen und kam 1971 mit einem naturwissenschaftlichen Studienabschluss - und einem Papierschatz - in seiner Wahlheimat Deutschland an. Ein Bruch, der Jahre dauerte, ihn zu bewältigen: Er wendete der Wissenschaft den Rücken zu und entschied sich für die Literatur, sehr zum Glück seiner Leser! Da er Bücher in seiner "Gastsprache" deutsch schreiben wollte - und auch schrieb; dazu auch mündlich seine Geschichten erzählen wollte, arbeitete er sehr hart an der Umsetzung dieses Vorhabens - das ihn letztendlich zum Erfolg führte und zu 36 Büchern, die fast alle in viele andere Sprachen übersetzt wurden: Dennoch lässt der große Erzähler Rafik Schami, der sein literarisches Kulturgut wie kein anderer Schriftsteller auf den europäischen Büchermarkt transportieren konnte, nicht aus, dass es immer auch Menschen gab, die ihm schaden wollten. Ihm seinen Erfolg nicht gönnten, was bis heute so ist, auch wenn nun einige der Bücher endlich auch auf Arabisch erscheinen.

    Bis dato hatte er das Gefühl, praktisch zweimal ins Exil gegangen zu sein: Seine Heimat Syrien zu verlassen, die er nicht mehr gefahrlos betreten kann - und auch sein arabisches "Sprachhaus", da er nicht in arabischen Verlagen veröffentlichen durfte. Es geht um viele Themen, die Rafik Schami seither bewegen und zu denen er ganz klar Stellung bezieht: So macht er sehr klar den Unterschied deutlich zwischen Literatur, die in einer Diktatur wie eben z.B. Syrien erscheint und Literatur, die in einem freien Land wie unserem publiziert wird. Hier ist er unnachgiebig und ließ sich nie beugen: Mehr noch, er versteht die Exilliteratur als "Brückenbauer und Entwicklungshelferin", die sie m.E. auch tatsächlich ist: Durch sie kann man lernen, andere Kulturkreise zu betreten, Menschen und auch Sichtweisen anderer Kulturen besser zu verstehen. Ja, es ist dadurch möglich, in "Büchern zu verreisen".

    Dieses Attribut kann ich vollumfänglich auf Rafik Schami anwenden, da er durch seine Arbeit, für die ich ihm großen Respekt zolle und die ich wundervoll finde, ein Vermittler der Kulturen ist. Er zeigt offen seine Abneigung gegen Sippen, die sich über eine lange Zeit an der Macht halten und mit Geheimdiensten brutal gegen das eigene Volk, das mitunter eine andere Meinung hat, vorgeht und ist dankbar dafür, dass er in einem freien Land wie Deutschland seine Bücher verlegen kann - und sein Publikum hat: Besonders schätzt er das freie Erzählen vor Publikum, das er in einer sehr lebendigen und zauberhaften Weise beherrscht (ich habe ihn vor vielen Jahren live erleben dürfen). Abschließend gibt Rafik Schami noch Tipps an junge AutorInnen, die man auch als LeserIn nur gut finden kann und Hinweise, wie er mit Literatur "umgeht" und was gute Literatur für ihn ausmacht. So hat er nach vielen Jahren sicherlich "Heimat" (die man durchaus mitnehmen kann und die nicht festgenagelt ist an Orte, Menschen oder Ideologien) in seinem Schreiben gefunden und steht heute ganz berechtigt zu seinem Erfolg (der nicht so schlimm ist wie sein Ruf, "wenn man die Bestie unter Kontrolle hält") - so Rafik Schami.
    Als größtes Glück sieht er die Freiheit des Wortes - und ist dankbar, dass er diese hier im Lande zum Ausdruck bringen kann.
    Dem kann ich mich nur anschließen, da ich sehr froh bin, seine Bücher lesen zu können und "Der Erzähler der Nacht" z.B. zu meinen absoluten Lieblingsbüchern zu zählen!

    Die "Anmerkungen für Neugierige", die dieses literarische Selbstportrait sehr informativ abrunden, sollten von jedem interessierten Leser ebenfalls gelesen werden; denn besonders der letzte Satz - die "Experten" (Literaten) betreffend, die seine Bücher abwerten, da sie zu unpolitisch seien, führen sich letzten Endes selbst zum Absurdum und entlarven sich selbst.

    Fazit:

    Ein faszinierendes, sehr ehrliches, kritisches und auch selbstkritisches Selbstportrait, das mich sehr berührt hat; in dem die Schreibfreude durch die Seiten dringt wie in jedem Buch des Autors, der Humor und das Herzblut, mit dem er stets seine Geschichten schreibt - und sie frei erzählt!
    Ein "choukran" an Rafik Schami, dass er in diesem aufschlussreichen Buch, das durchaus autobiografische Züge aufweist, aber auch aus dem Blickwinkel des Exilliteraten seinen LeserInnen viele Fragen beantwortet, die sich jene (ich zumindest) ganz besonders nach dem Jahre 2011 stellten!

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    janein

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