Vater unser

Roman. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2019 (Longlist), den Österreichischen Buchpreis, Debütpreis 2019 (Shortlist) und den Literaturpreis Alpha 2019 (Shortlist)
 
 
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"Was für ein Debüt! Immerzu möchte man diese Eva gleichzeitig würgen und küssen - sie geht mir nicht mehr aus dem Kopf." Joachim Meyerhoff
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Kommentare zu "Vater unser"

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Alle Kommentare
  • 5 Sterne

    M., 10.09.2019

    Aufwühlend

    Ich las den Roman zweimal, mit ein paar Tagen Abstand dazwischen. Beim ersten Mal las ich ihn recht zügig, weil ich unbedingt wissen wollte, was nun eigentlich warum passiert. Ein wenig nervte mich nämlich das Nebulöse und ich wollte schnellstmöglich Licht ins Dunkle bringen. Doch dann verstand ich das Ende nicht so ganz bzw. verwirrte es mich sehr. Deshalb las ich den Roman ein zweites Mal und so setzte sich dann Puzzleteil für Puzzleteil zusammen. Und dennoch blieben Fragen offen. Der Roman bietet also durchaus Interpretationspielraum und Diskussionspotential.

    Eva, Mitte zwanzig, ist in die Psychiatrie nach Wien eingewiesen worden. Dort ist auch schon ihr etwas jüngerer Bruder Bernhard. Bernhard hat Magersucht. Aufgrunddessen befand er sich schon in der Vergangenheit mehrfach in Behandlung. Eva möchte ihm helfen, ihn retten. Aber er verweigert erstmal den Kontakt. Und ihr selbst geht es eigentlich auch nicht so besonders gut. Sie beide teilen ein schwieriges Elternhaus und traumatisierende Erfahrungen.

    Der Roman besteht aus 3 Teilen (Der Sohn. Der Vater. Der Heilige Geist.), wobei die Geschichte stringent erzählt wird. Die Hauptprotagonistin steht im Mittelpunkt und sie erinnert sich immer wieder an Situationen aus der Vergangenheit. Den Klappentext finde ich allerdings etwas irreführend, da es hier nicht vorrangig um das Lügen und Manipulieren geht, sondern letztendlich um einen Heilungsversuch.

    Ich mochte diesen frischen, frechen und direkten Ton, der mich vor allem die erste Hälfte des Buches sehr amüsierte! Ein klarer und ironischer Blick betrachtet Österreich und seine Institutionen. Jeder bekommt hier sein Fett weg: die Kirche, Haider, die Kronen Zeitung, die Psychiatrie, die (Dorf-)Gesellschaft, die nichts sieht, nichts hört und nichts sagt.
    Mit einem scharfen Blick wird Gegebenes in Frage gestellt, werden psychologisch interessante Beobachtungen getätigt und das alles in einer wirklich sehr tollen Sprache!

    Zum Ende hin wird der Ton etwas ernster, es wird bitter, es wird traurig. Das Lachen verging mir allmählich und wich eher dem Mitgefühl für Eva und ihren Bruder. Beide traumatisiert, beide innerlich sehr verletzt. Die Schicksale berührten mich sehr, auch die Beziehung zwischen den beiden bzw. der unermüdliche Versuch Evas, eine Beziehung zu Bernhard aufzubauen.
    Das Ende empfand ich wirklich als tragisch, traurig und schwer, es zog mich runter und verwirrte. Davon musste ich mich dann erst mal erholen.

    Die Geschichte ist in sich rund und gut erzählt. Einiges liegt zwischen den Zeilen.
    Die Figuren fand ich sehr authentisch gezeichnet. Etliches bleibt nur angedeutet und ja, ich hätte mir doch mehr Klarheit gewünscht. Hätte mir mehr klare Fakten z.Bsp. über die Eltern gewünscht. Das wäre für mich als Leser bequemer und einfacher gewesen. Irgendwo las ich, dass hier der Leser in die Rolle des Psychiaters rutscht und irgendwie stimmt das. Man erfährt alles subjektiv, bruchstückhaft und muss sich selbst zusammen reimen, was nun wahr ist, was tatsächlich passiert ist und muss versuchen, hinter die Fassade der Figuren zu schauen.

    Zu Recht für eine Vielzahl von Preisen nominiert!

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    janein
  • 5 Sterne

    Miss.mesmerized, 31.08.2019

    Sie weiß, wo man sie hinbringen wird, warum jedoch, ist ihr nicht ganz klar. Sie ist nicht verrückt, viel mehr die Menschen um sie herum sind es, die spinnen. Und nun ist sie in der psychiatrischen Abteilung eines Wiener Krankenhauses. Regelmäßig hat sie Sitzungen mit Korb, der versucht ihre Kindheit zu ergründen, aber was gibt es da schon groß zu sagen, noch dazu sprechen die Fakten für sich: auch ihr Bruder Bernhard ist in dieser Abteilung untergebracht. Der Vater, die Mutter, die Umstände – verwunderlich ist es nicht. Sie können sich nur selbst helfen und sie muss sich um Bernhard kümmern, wie immer schon, als große Schwester ist sie dazu verpflichtet. Noch sträubt dieser sich, aber bald wird er erkennen, dass nur sie es ist, die ihn zurückführen kann und dass sie ihn nie wieder verlassen wird.

    Angela Lehners Debutroman sprüht nur so vor Leben und das in einer Umgebung, die eigentlich eher vom Gegenteil geprägt ist. Die Handlung wird getragen von der Erzählerin Eva Gruber, die den Leser mit der Diagnose „narzisstische Persönlichkeitsstörung“ in ein Dilemma stürzt: kann man ihrer Darstellung Glauben schenken? Was stellt sich nur in ihrer Deutung der Welt so dar, was ist in der Geschichte objektiv richtig? Unabhängig von dieser zwar essentiellen Frage, unterhält die junge Frau hervorragend mit ihren Tiraden und Ausbrüchen.

    Eva hat überhaupt keine Zeit, sich um ihr eigenes Dasein zu kümmern, zu sehr ist sie darum bemüht, den Bruder zu retten, dessen Essstörung zu heilen und ihn von dem Übervater zu erlösen. In den Rückblenden in ihre Kindheit zeichnet sich die problematische psychische Disposition bereits ab: sie lügt, um nicht aufzufallen und zu gefallen, will so die Liebe von Vater und Mutter erhalten, die ihr jedoch verwehrt bleibt. Es folgt die Rebellion gegen die Eltern und das System und immer wieder schwingt das emotionale Pendel zwischen kolossaler Selbstüberschätzung und Zusammenbruch. Psychologisch überzeugend ist die Figur gestaltet und da die als Erzählerin fungiert, braucht es auch keine Beschreibungen ihrer Persönlichkeit, diese wird durch ihr Handeln und den Einblick in ihr Denken offenbar.

    Ein intensiver Roman, der den Leser leicht in die Weltsicht der Protagonistin gleiten lässt. Die Nominierung auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2019 mehr als verdient, denn der Roman überzeugt auf allen Ebenen: eine runde Handlung, interessante Perspektive und sprachlich perfekt zur Erzählerin passend.

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    janein

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