Michael Madsen

Er gilt als bescheiden und freundlich, verfasst in seiner Freizeit Gedichtbände und ist seinen vier Söhnen ein liebevoller Vater. Doch kennt ihn die undankbare Welt nur als den schlimmen Finsterling, der Polizisten die Ohren abschneidet, bevor er sie lebendig einäschert.

Am 25. September 1958 erblickt Michael in Chicago als Sohn eines Feuerwehrmannes und einer anerkannten Theaterdame das Licht der Welt. Der harte Bursche und die hehre Kunst, vereint im Erzeugerduo, weisen ihm früh den Weg auf die Theaterbühnen - freilich nicht, ohne dass er sich vorher und lange Zeit nebenbei als Tankwart die Arbeiterhände schmutzig machte.

Erste Erfahrungen als Mime sammelt Madsen im des Chicagoer Steppenwolf Theatre unter Intendanz von John Malkovich. Seine jüngere Schwester Virginia Madsen folgte später seinem Beispiel. 1983 übersiedelt der studierte Schauspieler nach Hollywood, wo er zunächst eine kleine Rolle in dem großen Erfolg "War Games" ergattert. Hernach lässt er sich in zahlreichen TV-Serien von "Cagney & Lacey - A Fair Shake" bis "Miami Vice" sehen.

Der große Durchbruch bleibt jedoch aus und die 80er geraten zur kreativen Durststrecke. Erst 1989 findet diese ihr Ende, als der Regisseur John Dahl in Madsen den idealen Killer für seinen Noir-Thriller entdeckt: Er spielt den Konterpart von Val Kilmer in "Kill Me Again".

Zwar reißt der Film kommerziell keine Bäume aus, doch zu den interessierten Zuschauern gehört ein gewisser Quentin Tarantino. Dem kommt dieser in aller Entspanntheit kreuzgefährlich wirkende, stets lässige Hüne für sein neues Projekt namens "Reservoir Dogs" gerade recht.

Madsen nutzt den nicht gerade hochdotierten Gig als "Mr. Blonde" im Indpendent-Talentschuppen für einen unvergesslichen Auftritt. Damit zementiert er ein Klischee, das er von da an nicht mehr los wird: das des stahlharten Kerls.

Nach "Reservoir Dogs" geht dann alles wie im Flug. Die Regisseure reißen sich um den Mann, den vorher keiner kannte und der nur zu gut weiß, wie vergänglich Ruhm sein kann. So ist Madsen, während er auf der einen Seite für B-Movie-Filmer weiter den harten Larry raushängen lässt, durchaus darauf bedacht, seine Vielseitigkeit unter Beweis zu stellen.

In "Free Willy" spielt er den treusorgenden Papi Glen, der er auch im wirklichen Leben ist. Nochmals eine sanfte Rolle spielt er in "Thelma & Louise", dort gibt er nicht etwa einen Prügelgatten, sondern Susan Sarandons verständnisvollen Freund. An "Wyatt Earps" Seite ist er des Rauhbeins intellektueller Gentleman-Bruder Virgil Earp. Und in Lee Tamahoris "Mulholland Falls" spielt er schließlich gar einen aufrechten Cop.

Sein breites Engagement im B-Movie-Wesen erklärt Madsen glaubwürdig mit der expandierenden Kinderschar aus drei verschiedenen Ehen: So viele hungrige Mäuler zu stopfen, kostet eben. Und das lässt sich nun einmal nicht mit gering bezahlten Kunstfilmen finanzieren. Dementsprechend ist er, besonders in der zweiten Hälfte der 90er und zur Freude der zahlenstarken Actiongemeinde, vermehrt in einschlägigen Titeln wie "Gun for Hire", "Beyond the Law" oder "Executive Target" zu sehen.

Während Tamahori mit "Stirb an einem anderen Tag" für einen Bond in Madsens Lebenslauf sorgt, hat Tarantino mit "Kill Bill" wie so häufig Größeres im Sinn. Madsen, der den Vinnie Vega aus "Pulp Fiction" einst nur deshalb verpasste, weil er bereits Costner für "Wyatt Earp" zugesagt hatte, ist sofort Feuer und Flamme. Er soll einen jener Superkiller darstellen, mit denen Uma Thurman als Schwarze Mamba ihre Rechnung begleicht.

In letzter Zeit ist Madsen gleich mehrfach auf der Leinwand zu sehen. In "Partyalarm - Finger weg von meiner Tochter" macht er als ungnädiger Dealer dem armen Ashton Kutcher das Anbandeln schwer, in "Kill Bill Vol. 2" durfte er gerade die im Vorgänger angedeutete Rolle endlich in aller Pracht ausleben.

Im Eurowestern "Blueberry" von Jan Kounen muss er sich, einmal mehr als Schwarzweste vom Dienst, von Titelheld Vincent Cassel jagen lassen. Demnächst geht's dann als Kontrahent von Bruce Willis auf die Straßen von "Sin City" in der gleichnamigen Comic-Verfilmung von Robert Rodriguez. Das Killer-Image wird er auf der Leinwand also nicht so richtig los, immerhin synchronisiert er zumindest für Ataris Autospiel "Driv3r" die sanftmütige Hauptfigur.

Das nächste Schnitzel für seine hungrigen Jungs ist also gesichert.

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