Rainer Kaufmann

Im Mittelpunkt seiner Filme stehen Frauen, die von der Liebe gefordert und gefördert werden, die sich, und sei es im Morden, ihre Kraft beweisen müssen und die in verqueren Beziehungen auf die Probe gestellt werden. Teils nach literarischen Vorlagen entstanden, zeichnen sich die Filme von Rainer Kaufmann durch einen sanft-skurrilen Humor aus, der immer im Dienst der Schauspielerinnen steht, von denen Katja Riemann durch "Stadtgespräch" und "Die Apothekerin" die populärste wurde. Rainer Kaufmann, 1959 in Frankfurt geboren, fiel im Kino 1990 mit dem surrealen Kurzfilm "Der schönste Busen der Welt" auf, der von einem Busensprung von Frau zu Mann erzählt, und als Vorprogramm der Komödie "Abgeschminkt!" von Katja von Garnier lief. Nach mehreren teils preisgekrönten Fernsehfilmen ("Dann eben mit Gewalt", bereits mit Katja Riemann, "Einer meiner ältesten Freunde", mit Maria Schrader, "Der Unschuldsengel", "Greenhorn", mit Nicolette Krebotz) folgte 1995 das Kinofilmdebüt: Der ursprünglich für das Fernsehen produzierte Film "Stadtgespräch", über die amourösen Verwicklungen einer Radiomoderatorin (Riemann) und ihres Freundeskreises (darunter Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu als schwuler Handwerker, und Kai Wiesinger), wurde mit dem Bayerischen Filmpreis und dem Hypo-Regieförderpreis ausgezeichnet und war ein großer Kinoerfolg. Ebenso erfolgreich wurde 1997 "Die Apothekerin", der für den Bundesfilmpreis nominiert war und Katja Riemann - als titelgebender unfreiwilliger Verantwortlicher für möglicherweise beabsichtigte Todesfälle - den Bundesfilmpreis als beste Darstellerin einbrachte. Eine weitere Adaption eines Bestsellers der Krimiautorin Ingrid Noll dagegen - "Kalt ist der Abendhauch", eine Generationen überspannende Liebesgeschichte um eine buchstäbliche Leiche im Keller - fiel beim Publikum 2000 durch. Ebenso erfolglos blieb Kaufmanns ambitionierter Meta-Film über den Film Noir "The Long Hello and Short Goodbye" (1999), in dem Nicolette Krebitz eine Undercover-Agentin spielt, die sich in einen Gangster verliebt. Der Raymond Chandler huldigende Versuch eines deutschen Neo-Noir-Krimis gefiel jedoch durch die gekonnten Bildkompositionen, die alle Filme Kaufmanns auszeichnen, der bevorzugt im Breitwandformat filmt.

Kaufmann inszenierte in der Folge eine Reihe von TV-Movies, darunter den herausragenden Dreiteiler "Die Kirschenkönigin", der die Geschichte einer jüdischen Bankierstochter in Berlin erzählt, die sich den Traum erfüllt, Bäuerin zu werden und die Wirren des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit drurchlebt. Johanna Wokalek ist hier in einer ihrer stärksten Rolle zu sehen, Kaufmann wurde mit dem Bayerischen Fernsehpreis - Regie ausgezeichnet. Zwei starke Frauen stehen auch in Kaufmanns u.a. mit drei Grimme-Preisen ausgezeichnetem TV-Film "Marias letzte Reise" im Mittelpunkt, in dem Monica Bleibtreu eine krebskranke Frau und Nina Kunzendorf ihre Krankenpflegerin spielt. Zuletzt hat Kaufmann die Martin-Walser-Novelle "Ein fliehendes Pferd" verfilmt, mit Urich Noethen und Katja Riemann in den Hauptrollen.

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