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Foto: © Stefanie de Buhr

Ein Niedersachse ermittelt in Bayern

Die Kripo Kempten ist in hellem Aufruhr! Denn der neue Kriminalhauptkommissar Eike Hansen "ist kein Allgäuer, sondern ein Reig’schmeckter, der Matjes liebt und als frisch Geschiedener in die Serie startet", wie sein Schöpfer, der Krimiautor Jürgen Seibold, im Interview erzählt. Tatort Allgäu mal ganz anders! Denn auch wenn Jürgen Seibold den Platzhirschen "Kluftinger" (von Volker Klüpfel und Michael Kobr) selbst gern liest, sein Ermittler Hansen ist ein echtes Nordlicht. Seine ersten drei Kriminalfälle – "Rosskur", "Gnadenhof" und "Landpartie" – gibt es ab sofort bei Weltbild im Set.

Was Selbstironie und Feingefühl mit Lokalkrimis zu tun haben, verrät Bestsellerautor Jürgen Seibold im Interview

Echte Verbrechen und Opfer nimmt sich Jürgen Seibold nie als Vorlage für seine humorigen Krimis. Und auch sonst gilt für ihn die Regel: Keine Gags auf Kosten anderer, stattdessen eine gute Portion Selbstironie.

Sie selbst sind, wie Ermittler Eike Hansen, kein Original-Allgäuer. Welche Rolle spielen Feingefühl und Selbstironie beim Schreiben von Regionalkrimis?

Jürgen Seibold: Dass Hansen und ich das Allgäu aus zahlreichen Urlauben kennen, haben wir gemeinsam. Aber während ich weiß, dass das trotz aller Recherchen immer nur ein Blick von außen bleiben wird, glaubt Hansen, er wisse schon alles über Land und Leute – und lernt jedes Mal dazu, zahlt manchmal auch Lehrgeld. Das mit dem Feingefühl müssen die Leserinnen und Leser beurteilen, jedenfalls versuche ich, mit meinen Figuren pfleglich und nett umzugehen. Ich mag sie ja alle. Und Selbstironie finde ich die schönste Form von Humor, deshalb muss es Hansen eben aushalten, dass ich ihn quasi stellvertretend für mich immer wieder auf die Schippe nehme.

Jürgen Seibold arbeitete als Zeitungsredakteur bevor er das Bücherschreiben zum Beruf machte. Er veröffentlichte Musikerbiografien, z.B. über Bryan Adams, Die Toten Hosen und die Kelly Family, in Millionenauflage. Besonders erfolgreich sind auch seine Allgäu-Krimis um Ermittler Eike Hansen. Foto: © Stefanie de Buhr

Was macht den "Zugereisten" Eike Hansen als Ermittler-Persönlichkeit aus?

Jürgen Seibold: Er ist gut in seinem Beruf, hält aber nichts von Platzhirsch-Gehabe. Deshalb habe ich seinen ersten Fall "Rosskur" in Lechbruck angesiedelt, an der Zuständigkeitsgrenze zweier Polizeipräsidien. Und wie er da ohne jedes Gegockel mit allen zusammenarbeitet und nur an der Lösung des Falls interessiert ist, damit imponiert er selbst jenen Kollegen, die ihm anfangs übel mitspielen wollen. Probleme hat er im Allgäu danach immer noch – vor allem mit Kater Ignaz, der das alte Bauernhaus am Forggensee nur sehr ungern mit seinem zweibeinigen Mitbewohner teilt.

Sie sagen, Ihre Mordfälle sind immer frei erfunden, um reale Verbrechen und Opfer nicht lächerlich zu machen. Warum passen Tragik und Komik trotzdem so gut zusammen?

Jürgen Seibold: Wenn die Fälle und die handelnden Personen frei erfunden sind, lassen sich Humor, Spannung und tragische Ereignisse gut kombinieren, finde ich. Abgesehen davon, dass ich Situationskomik, witzige Dialoge und Hauptfiguren mit schrägen Marotten unterhaltsamer finde als Köpfe, die ständig irgendwo herumrollen, ermöglicht das vor allem starke Kontraste: Da kann ein launiger Dialog eine positive Stimmung schaffen, bevor unvermittelt ein brutaler Mord ins Bild bricht – und umgekehrt löst ein Schuss schwarzer Humor die Anspannung selbst am blutigsten Tatort.

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Können Sie verraten welche kreativen Todesarten Sie sich schon ausgedacht haben?

Jürgen Seibold: Kielholen unter einem Stocherkahn im Neckar, tödlicher Abflug mit dem im Fitnessraum aufgebockten Rennrad, Stromschlag durch ein manipuliertes Mikrofon, eine wie nach einem Wolfsangriff zugerichtete Schäferleiche, ein Eremit im Toilettenhäuschen, den Armbrustbolzen in der Stirn – gilt das schon? Und als Schwabe hatte ich natürlich auch schon mal eine Spätzlespresse als Mordwaffe. Aber am meisten Spaß habe ich an seltsam inszenierten Tatorten oder an Tätern, die es eigentlich gar nicht gewesen sein können. Und bevor sich jemand Sorgen macht: Ich bin eigentlich ganz friedlich und tobe mich wirklich nur zwischen den Buchdeckeln aus.

Warum spielen die Krimis im Allgäu – steht man da nicht automatisch in Konkurrenz zu Kommissar Kluftinger?

Jürgen Seibold: Es haben ja auch andere Kommissare schon vor Hansen im Allgäu ermittelt – wobei mir Kluftinger mit seiner besonderen Art tatsächlich der Liebste ist, das gebe ich gern zu. Aus Respekt vor diesem gelungenen Original habe ich meinen Kommissar auch nicht als dessen Kopie, sondern eher als Gegenentwurf zum Kollegen angelegt, als ich von Piper zum Schreiben einer Allgäukrimiserie eingeladen wurde. Eike Hansen ist kein Allgäuer, sondern ein Reig’schmeckter, der Matjes liebt und als frisch Geschiedener in die Serie startet.