Am Ende bleiben die Zedern, Pierre Jarawan

Am Ende bleiben die Zedern

Roman

Pierre Jarawan

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»Alle Söhne lieben ihre Väter. Aber ich habe meinen verehrt. Weil er mich mitnahm in die Wunderwelten seiner Geschichten.«

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    1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    Susanne R., 08.07.2016

    „Alle Söhne lieben ihre Väter. Aber ich habe meinen verehrt. Weil er mich mitnahm in die Wunderwelten seiner Geschichten.“

    Samir verehrt seinen Vater, der ihn solange er sich erinnern kann mit seinen Geschichten verzaubert hat. Doch dann muss er hilflos zusehen, wie der geliebte Vater ihm und der Familie mehr und mehr entgleitet. Seine Vergangenheit aus dem Libanon scheint ihn einzuholen. Damals waren Samirs Eltern von dort nach Deutschland geflohen. Als sein Vater schließlich spurlos verschwindet, ist Samir acht Jahre alt. Die Frage, warum er gehen musste, kann er sich zwanzig Jahre lang nicht beantworten. Dann macht er sich endlich auf die Suche nach ihm. Er reist in den Libanon, zu den Zedern, von denen Vater ihm immer erzählt hatte. Nur hier, davon ist Samir überzeugt, kann sein Vater sich aufhalten. Es beginnt eine atemberaubende Suche...

    Dieses Buch hat mich überwältigt, verzaubert und zum Weinen gebracht. Wie die Geschichten, die Samirs Vater immer erzählt, ist auch dies eine Geschichte, die mich sofort gefangen genommen hat. Ich bin wie Samir darin eingetaucht und wollte gar nicht wieder auftauchen. Selten habe ich bei einem Buch das Ende und die Auflösung so herbeigesehnt und gleichzeitig gefürchtet.

    In diesem Buch steckt so viel drin. Es handelt davon, wie ein Mensch mit dem unfassbaren Verlust umgeht und dabei scheitert. Samir versucht zwanzig Jahre lang, mit aller Gewalt die Trauer in seinem Leben zu halten, um nicht zu vergessen. Es geht auch um Schuld und Vergebung. Jemand muss doch Schuld sein! Vielleicht ist niemand schuld? Über allem schwebt die Frage: Wo bin ich zuhause? Obwohl hier in Deutschland geboren, verspürt Samir Sehnsucht nach dem Libanon, wie sein Vater ihn beschrieben hat. Ganz anders als Yasmin, die Seelenverwandte seiner Kindheit. Ihre Mutter starb im Libanon, sie zieht nichts mehr dorthin. Wie können die beiden zusammenfinden? Samirs Liebe zu Yasmin ist geprägt von der Angst vor dem Abschied.
    Doch es ist auch ein hochaktuelles Buch. Bürgerkrieg im Libanon und seine Folgen, ein gespaltenes Land, dessen Konflikt sich in gewisser Weise nach Syrien verlagert hat und nicht zuletzt die Flüchtlingskrise, der wir uns gegenübersehen. Vielleicht helfen solche Bücher, sensibler für diese Thematik zu werden.
    Im Grunde wird Samirs Suche im Libanon beschrieben, welche aber immer wieder unterbrochen wird für Rückblenden. Nach und nach erfahren wir also auch, wie es zu alldem gekommen ist. Samir muss sich viele Fragen beantworten, und das musste ich als Leser auch. Vieles lässt sich zwischen den Zeilen lesen, es gibt Andeutungen, die zwar nach und nach einen Sinn ergeben, aber nur, um neuen Andeutungen Platz zu machen. Vieles habe ich vielleicht eher geahnt als unser Held, aber vieles hat mich mit genau der gleichen Wucht getroffen , wie es ihn trifft. Denn Samir ist mir sehr schnell ans Herz gewachsen.

    Die Sprache des Autors besitzt eine unglaubliche Poesie und Kraft, ich kann es nur so ausdrücken, wie Yasmin an einer Stelle Samir gegenüber: Sie ist wunderschön und voller lebendiger Bilder. Ich denke, es steckt auch viel von dem Autor selbst in Samir.

    Zusammenfassend kann ich also nur sagen: Es war eine unglaublich schöne Erfahrung, dieses ganz besondere Buch zu lesen, es ist eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Von mir daher fünf Sterne!

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    janein
  • 5 Sterne

    Nadine L., 15.02.2017

    Samirs Eltern flohen bereits vor seiner Geburt aus dem Libanon nach Deutschland. Als Samir acht Jahre alt ist, verschwindet sein Vater spurlos. Jetzt, 20 Jahre später, macht er sich mit dem geheimnisvollen Dia und den Erinnerungen im Gepäck auf, in das Land der Zedern, um das Rätsel des Verschwindens zu lösen. Die Suche führt ihn durch ein noch immer gespaltenes Land und schon bald scheint er nicht nur den Spuren des Vaters zu folgen. Vielmehr ist es, als seien die Figuren aus dessen Geschichten real geworden.


    >>Wer glaubt, er habe den Libanon verstanden, dem hat man ihn nicht richtig erklärt.<< Libanesisches Sprichwort

    Der Beginn erzählt Samirs Geschichte, mit der Ankunft in Deutschland und spielt vorrangig in der Gegenwart. Pierre Jarawan nimmt den Leser mit auf eine Reise, in der die Flüchtlingsproblematik auch aus Sicht der Flüchtlinge geschildert wird. Nach einem beschwerlichen Weg, sind die Flüchtlinge in einer Turnhalle untergebracht. Diese Zustände trieben mir Tränen in die Augen und regten mich zum Nachdenken an.
    Samirs Vater übernimmt eine besondere Rolle. Er ist Geschichtenerzähler und verzaubert mit diesen nicht nur Samir, sondern alle anderen Flüchtlinge die in der Turnhalle leben. Brahim schafft dadurch eine besondere Atmosphäre, in der man als Leser die Liebe und die Leidenschaft des Protagonisten schon fast greifen kann.

    Das Verschwinden von Samirs Vater, bringt die Entwicklung des Jungen ins Wanken. Ängste, Fragen nach dem Warum, lassen Samir kein Vertrauen zu anderen Menschen aufbauen. Er findet keine Freunde und verliert seine Unbeschwertheit.
    20 Jahre später macht er sich schließlich auf in den Libanon, um seine Wurzeln und Antworten auf seine Fragen zu finden. Diese Reise verbindet der Autor immer wieder mit den zauberhaften Geschichten des Vaters. Die Menschen, denen Samir auf seiner Reise durch den Libanon begegnet, scheinen Teil der Erzählungen des Vaters zu sein. Zunehmend gewinnt Samir seine Lebenslust zurück, er wird selbstbewusster und scheint sich mit den gefundenen Antworten zufrieden zu geben. Ungeahnte, aber auch unvorhersehbare Schicksalsschläge, verleihen dem Buch eine gewisse Spannung, die das Lesen unheimlich schnell voran treibt.

    Im weiteren Verlauf verknüpft der Autor zunehmend die Perspektiven aus der Vergangenheit mit der Gegenwart, die schlussendlich ein schlüssiges Gesamtbild ergeben.
    Pierre Jarawan gelingt es, durch seinen poetischen und harmonischen Schreibstil, den Leser, komplett in Samirs Welt eintauchen zu lassen. Man spürt förmlich die Sehnsucht Samirs, nach seinen Wurzeln und fühlt sich in dessen Welt sehr lebendig.
    Die Beschreibungen des Libanon erfüllten mich ebenfalls mit einer gewissen Sehnsucht und entfachten mein Fernweh. Diese waren unglaublich bildlich und anschaulich, so dass ich dieses Land gern einmal besuchen möchte.
    Große Mühe hat der Autor mit der Aufführung, geschichtlicher Gegebenheiten des Libanons bewiesen, die er gekonnt in Samirs Schilderungen, mit einfließen lässt.

    Mein einziger Kritikpunkt betrifft das Ende des Buches. Hierbei muss ich gestehen, dass dieses, etwas konstruiert wirkte und somit das außergewöhnliche Flair, was sich durch das ganze Buch zog, etwas zu kurz kam.

    >>Alle Söhne lieben ihre Väter. Aber ich habe meinen verehrt. Weil er mich mitnahm in die Wunderwelten seiner Geschichten.<<

    Dieser großartige, gefühlvolle und interessante Roman, hat mir wundervolle Lesestunden beschert.
    Pierre Jarawan hat in mir Gefühle wecken können, die ich bislang nicht ahnte.
    Es ist mein Lesehighlight 2017 und daher kann ich dieses Buch nur weiter empfehlen.

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    janein
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