Kind, versprich mir, dass du dich erschießt

Der Untergang der kleinen Leute 1945 | Über den größten Massenselbstmord der Geschichte Deutschlands
 
 
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»Eines der besten historischen Bücher des Jahres 2019« The Times

Monatelang brandete 1945 eine Selbstmordwelle durch Deutschland, die Tausende - Frauen, Männer und Kinder - in den Untergang riss. In welchen Abgrund hatten die Menschen geblickt, dass...
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Kommentare zu "Kind, versprich mir, dass du dich erschießt"
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  • 5 Sterne

    148 von 168 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    Bücherblog-freyheit, 19.01.2017

    Als Buch bewertet

    Inhalt:

    Das Buch ist in vier Teile, mit mehreren Kapiteln unterteilt.

    Florian Huber beginnt im ersten Teil mit der Geschichte von Demmin, einer kleinen Stadt in Vorpommern. Sie liegt an dem Dreiländerstrom und man kann sie nur über Brücken Richtung Westen/ Osten verlassen. Sie umfasst ca. 15 000 Einwohner und tausende Flüchtlinge.
    Huber schreibt von vier zentralen Personen und wie sie das Kriegsende 1945 erleben.
    Eine davon ist Marie Dobs, 42 Jahre und gebürtige Demminerin. Ihr Mann Walter wurde einberufen. Zusammen haben sie zwei Kinder: Nanni und Otto.
    Vieler ihrer Nachbarn verlassen Demmin und Marie wägt es ebenfalls in Erwägung. Der Polizeioberst verspricht ihr, sie im Notfall als Letzte mit aus der Stadt zu bringen und erreicht somit, dass sie bleibt.
    Erst als SS-Offiziere, der Landrat, Bürgermeister und andere höhere Leute die Stadt verlassen, merkt sie, wie dumm sie eigentlich ist. Demmin wird aufgegeben. Die Soldaten ziehen ab.
    Marie entschließt sich schließlich doch zur Flucht. Sie packt einen kleinen Handkoffer mit Lebensmitteln, Kognak und Zigaretten als Tauschware. Einen größeren Koffer mit Kleidung, einem Daunenbett und den Fotoalben der Kinder. Alles wird auf die Fahrräder geschnallt. Doch als sie losrollen, sprengen die Offiziere die Brücken und es gibt kein Entkommen mehr aus Demmin. Alle sitzen in der Falle.
    Schließlich kommt der Krieg nach Demmin in Form von Fliegern und die Roten Armee ist auch nicht mehr weit.

    Von der Stunde an beginnt das große Selbstmorden.
    Menschen ertränken sich in Flüssen, Wassersammelbecken oder kleinen Bächen. Dabei binden Frauen ihre Kinder aneinander und gehen zusammen mit ihnen in den Tod.
    Diejenigen, die eine Waffe haben, erschießen sich.
    Es gibt ganze Familien, die sich vergiften.
    Eine Mutter hat erst ihre fünf Kinder erhängt und sich selbst dann die Pulsadern aufgeschnitten.
    So waren bis zum Eintreffen der roten Armee schon Hunderte tot. Die genauen Zahlen weiß man bis heute nicht. Aber die Dunkelziffer liegt bei Tausenden.

    Diejenigen, die noch warten oder sogar noch Hoffnung auf ein gutes Ende haben, erwartet Wut, Hass und grausamste Brutalität. Zahlreiche Frauen werden vergewaltigt.
    Viele wählten daraufhin den Freitod und nahmen ihre komplette Familie mit sich.
    Demmin ist die Stadt mit der größten Selbstmordrate in dieser Zeit.

    Im zweiten Teil geht es um die Selbstmorde in Berlin, die ebenfalls ein enormes Ausmaß angenommen haben.

    Im dritten Teil versucht er die Antwort darauf zu finden, wie Hitler an die Macht kommen konnte. Was die Menschen dazu getrieben hat, ihn zu wählen und ihn zu vergöttern.

    Im vierten Teil beschreibt Huber die Zeit nach dem Krieg. Wie verhalten sich die Deutschen? Wie erklären sie ihr Verhalten?

    Meine Meinung:

    F. Huber ist in seinem Buch auf der Frage nach „dem Warum“.
    Dabei hat er sich auf Tagebücher, Lebensberichte und Bücher bezogen. Sein Schreibstil ist klar und er hält persönliche Wertungen raus. „Gott sei Dank“ hat er auf bildreiche Beschreibungen verzichtet.
    So kann man das Buch mit dem nötigen Abstand lesen.
    Dennoch hat es mich tief berührt.

    Ich gebe zu, dass ich bei diesem Thema eine Wissenslücke hatte. Ich wusste nichts über die große Selbstmordepidemie.
    Dieses Buch hat mich nicht nur diesbezüglich aufgeklärt, sondern ich verstehe jetzt auch, was die Menschen in Hitler sahen und von ihm erhoffen.
    Huber hat mir die Angst, die Verzweiflung und – nach dem Krieg – die Sinnlosigkeit nahegebracht.

    Der Buchtitel taucht später im Buch erneut auf und dann habe ich den Satz auch wirklich verstanden und nachvollziehen können.
    Dennoch stellt man sich die Frage: „Würde oder hätte ich es auch so getan?“


    Fazit:

    Dieses Buch ist für jeden, der sich für die deutsche Geschichte, besonders zwischen 1933-1945, interessiert. Dein Alter sollte jedoch die 16 nicht unterschreiten.
    Ein verschwiegenes Thema wird öffentlich gemacht.
    Für mich ein durchaus gelungenes Buch, welches ich gerne weiterempfehle.

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  • 4 Sterne

    95 von 101 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    Heidi R., 25.03.2020

    Als Buch bewertet

    Flüssig und verständlich geschrieben.Zum Teil sehr schwer zu ertragen was damals alles passiert ist.Mich hat es sehr bewegt und mich daran erinnert wie gut wir es doch heutzutage haben.

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