vor 7 Monate

Sebastian Fitzek im Interview

Inkognito mit einem Ganzkörpertattoo auf der Buchmesse auftauchen - kann er. In Steward-Uniform mit Lufthansa-Koffer zwei Tage lang durch zehn Buchhandlungen reisen - kann er auch. Sebastian Fitzek ist Bestseller-Garant und Leser-Liebling. Er ist DER Überflieger der deutschen Thriller-Literatur und denkt sich die gruseligsten Horrerszenarien aus. Und: Er ist einfach TOTAL NETT, wie er im Kurz-und-Knackig-Interview mit Weltbild beweist!

Seine neueste Mission: Mit dem "Victor Crime Award" hat Fitzek jetzt seinen ersten Krimipreis gestiftet. Der Preis ist mit 6.666 Euro dotiert und wird während des Festivals "Mord am Hellweg" am 9. November 2018 verliehen. Auch Weltbild hat drei Titel eingereicht: Silvia Stolzenburg: "Feuerspur", Sandra Grauer: "Blut im Schuh" und Silke Porath/Sören Prescher: "Mord mit Seeblick".

Lieber Herr Fitzek, warum haben Sie den Victor Crime Award ins Leben gerufen?

Schon 2006, als mein erstes Buch „Die Therapie“ veröffentlicht wurde, grenzte es an ein Wunder, dass mein Debüt nicht im Meer der großartigen Alternativen unterging. Heute, im Zeitalter von Netflix, Facebook & Co. ist es noch unendlich schwieriger, überhaupt wahrgenommen zu werden. Ich hatte großes Glück und will etwas davon weitergeben. Ich erhoffe mir, dass der Viktor Crime Award Autorinnen und Autoren in Zukunft zu noch größerer Beachtung verhilft. Bei dem Preis geht es also weniger um ein konkretes Buch, als um einen Autor, der den internationalen Durchbruch verdient hätte.

Seit Juli gibt es Ihren Bestseller "Flugangst 7A" als Weltbild-Ausgabe – haben Sie Ihren nächsten Flug schon gebucht? Leiden Sie selbst an Angst vorm Fliegen? Warum muss man das Buch vor der Urlaubszeit lesen?

Ich habe eher Flugsorge, das heißt, ich bin der festen Überzeugung, dass wir da oben nicht hingehören. Der Technik und unbekannten Piloten ausgeliefert, eingepfercht in einer Druckröhre, die mit Brachialgeschwindigkeit durch extrem kalte Luft schießt. Dieses Buch jedoch kann man getrost im Flieger lesen, gerade zur Urlaubszeit. Denn im Grunde kommen Flugzeuge als sehr sichere Fortbewegungsmittel gut dabei weg. Es ist eher ein Lebensmittel, das den Leserinnen und Lesern verleidet werden könnte.

Schreiben Sie vor allem für Frauen? Oder anders gefragt: Warum stehen vor allem Frauen auf Ihre Bücher, in denen Menschen genüsslich morden, andere misshandeln und quälen?

Das müsste man eher einen Psychiater fragen. Ich habe keine „Zielgruppe“ vor Augen, sondern versuche vom ersten Buch an einen Thriller zu schreiben, den ich selber gerne lesen würde. In der Hoffnung, am Ende nicht der einzige Leser zu bleiben. Allerdings durfte ich im Kreißsaal bei der Geburt meiner Kinder anwesend sein, und weiß spätestens seitdem: Frauen sind auf jeden Fall das stärkere Geschlecht und können sehr viel mehr ab als Männer.

Sie können auch anders, das haben Sie mit dem Kinderbuch „Pupsi und Stinki“ gezeigt. Wann kommt Ihr nächstes Werk für Kids? Es klingt esoterisch, aber es ist tatsächlich nicht so, dass ich mir die Ideen und des Genre aussuche. Die Ideen kommen wie aus dem Nichts zu mir. Und wenn sie mich elektrisieren, dann ist es wie ein Zwang: Ich muss mich an den Schreibtisch setzen und schreiben. Das nächste Kinderbuch kommt daher erst dann, wenn mich eine Idee „besucht“. Aktiv kann ich das nicht erzwingen. Übrigens war „Pupsi & Stinki“ eine Geschichte, die ich mir für meine Kinder ausgedacht hatte. Im Rügenurlaub hatte ich das aktuelle Vorlesebuch vergessen, und meine drei Kinder sagten: „Papa, du denkst dir doch Geschichten aus. Mach das mal für uns.“ Da ich den damals Drei- bis Sechsjährigen schlecht aus dem „Augensammler“ vorlesen konnte, hab ich mir was anderes überlegt.

Warum sind Sie so ein greifbarer Autor für Ihre Leserinnen und stellen sich Ihren Fans immer wieder bei zahlreichen Lesungen? Haben Sie das angesichts Ihres Riesenerfolgs noch nötig?

Ja. Aber nicht, um mehr Bücher zu verkaufen. Sondern um die Menschen zu erleben, ohne die meine Arbeit gar keinen Sinn hätte. Ohne Leserinnen und Leser wären meine Worte nur bedrucktes Papier. Erst in ihren Köpfen formen sie sich zu Geschichten. Kein Künstler kann auf Dauer ohne Feedback kreativ bleiben. Hätte ich nicht den Austausch mit meinen Leserinnen und Lesern, würden mir vermutlich gar keine Geschichten mehr einfallen.

Foto: © 2017 Gene Glover / Agentur Focus

Darum geht's im aktuellen Buch "Flugangst 7A":

7A – der gefährlichste Platz in einem Flugzeug? Mats Krüger, ein erfahrener und erfolgreicher Psychiater, muss seine panische Flugangst überwinden. Da nimmt seine kurz vor der Entbindung stehende Tochter Nele nach jahrelanger Funkstille wieder Kontakt zu ihm auf und ihn bittet, ihr nach der Geburt ihres Babys Beistand zu leisten. Mats, der nach dem Tod seiner Frau per Schiff nach Argentinien ausgewandert ist, hatte vor, nie wieder zurückzukehren… Schon kurz nachdem er an Bord des Langstreckenflugs Buenos Aires – Berlin seinen Platz eingenommen hat, muss er feststellen, dass er sich auf die falschen Ängste vorbereitet hat: Nicht Turbulenzen, Druckabfall oder eine Terrorwarnung sorgen für einen entsetzlichen Ausnahmezustand. Es ist der Anruf eines Unbekannten...